Immer mehr Deutsche nutzen das Angebot von grenznahen, polnischen Frisiersalons. Der gefallene Zloty-Kurs macht die Preise in Polen so niedrig, dass durch den Sprung über die Grenze gespart werden kann. Auch für die Polen ein lukratives Geschäft.

Der Friseur-Salon Jola ist nur einer von vielen im polnischen Dorf Osinow Dolny.
Foto: AFP
Sie heißen "Elegance", "Jola" oder "Malgorzata" und werben erfolgreich um deutsche Kundschaft: In die mehr als 30 Frisiersalons in dem polnischen Grenzdorf Osinow Dolny zieht es angesichts des gefallenen Zloty-Kurses vermehrt deutsche Kunden.
In dem Ort mit seinen rund 200 Einwohnern seien etwa 100 Friseure tätig, sagt Ortsvorsteherin Wladyslawa Stefanowicz, die selbst einen Salon an der Straße betreibt, die ins deutsche Hohenwutzen bei Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) führt. Im Moment liefen die Geschäfte gut, beide Seiten profitierten: Die Polen verdienten sich ihren Lebensunterhalt mit den Deutschen, die wiederum wegen niedriger Preise sparen könnten. Gab es im Sommer 2008 für 1 Euro nicht einmal 3,30 Zloty, sind es derzeit deutlich über 4 Zloty.
Im "Salon Teresa" am Ende der Dorfstraße kostet ein Damenhaarschnitt waschen und frisieren zurzeit um die 9 Euro, für Herrenfrisuren werden 4 Euro fällig. Auch aus finanziellen Erwägungen fährt das Rentnerehepaar Margit und Dieter Walkhoff aus Serwest (Barnim) regelmäßig über die Grenze nach Polen zum Einkaufen und zum Haareschneiden. Die polnische Handwerkskunst habe sie derart überzeugt, dass sie sich seit Jahren in Osinow Dolny frisieren lasse, sagt Margit Walkhoff. "Frau Teresa macht das sehr gut."
Die derart gelobte Teresa Szuszakiewicz betreibt seit 2005 ihren eigenen Salon und hat zuvor acht Jahre als Angestellte in einem anderen Friseurgeschäft in Osinow Dolny gearbeitet. Im Laufe der Jahre lernte sie soviel deutsch, dass sie sich mit ihren Kunden von jenseits der Grenze einigermaßen verständigen kann. Die meisten ihrer täglich 15 bis 20 Kunden kämen aus Deutschland, berichtet Szuszakiewicz. Viele von ihnen reisten aus dem gut 70 Kilometer entfernten Berlin an. "Nur für uns Polen bräuchten wir hier nicht so viele Friseure."
Dass Deutsche gern in Polen zum Friseur gehen, sei für die märkischen Friseure deutlich spürbar, berichtet die Brandenburger Landesinnungsmeisterin der Friseure, Gabriele Eichler. "Das macht den Friseuren in der Grenzregion schon zu schaffen." Der stellvertretende Obermeister der Friseur-Innung Frankfurt (Oder)-Süd, Klaus-Peter Färber, führt die getrübte Stimmung in der Branche dennoch eher auf die angespannte wirtschaftliche Lage in Ostbrandenburg als auf die polnische Konkurrenz zurück. Den Friseuren bleibe natürlich nicht verborgen, dass sich so mancher Frankfurter in der polnischen Nachbarstadt Slubice frisieren lasse. "Wer sparen muss, nutzt das natürlich. Doch auch in Polen werden die Preise steigen. Und wir versuchen, uns zu arrangieren."
Für die Ostbrandenburger Friseure heißt das unter anderem, dass sie seit Jahren mit ihren Kollegen aus dem Nachbarland kooperieren. So stellten gerade beim Oderlandpokal, der jährlichen Leistungsschau des Friseurhandwerks, auch wieder Teilnehmer aus Polen ihr Können unter Beweis. Teresa Szuszakiewicz und ihre Angestellte Danuta Makuch haben von dem Wettbewerb gehört, der am vergangenen Sonntag in Frankfurt (Oder) ausgetragen wurde. Eine Teilnahme kam für sie jedoch nicht in Frage. Der "Salon Teresa" ist an sieben Tagen in der Woche geöffnet.















