Musikindustrie will stärker gegen Raubkopierer vorgehen
Die Musikindustrie will stärker gegen Raubkopien vorgehen. "Wir überlegen, ob wir die Verfolgung noch weiter nach oben fahren", sagte der...
Berlin. Die Musikindustrie will stärker gegen Raubkopien vorgehen. "Wir überlegen, ob wir die Verfolgung noch weiter nach oben fahren", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie, Stefan Michalk, gestern in Berlin. Rund 1000 Abmahnungen strebe der Verband monatlich an. Weil Staatsanwaltschaften für die unerlaubte Verbreitung von Liedern Bagatellgrenzen festlegten und erst ab 3000 Stück einschreiten, ist die Zahl der Strafverfahren den Verbandsangaben zufolge seit dem letzten Sommer deutlich zurückgegangen.
Deshalb will die Industrie auf anderen Wegen ihre Urheberrechte schützen. Über einen zivilrechtlichen Auskunftsanspruch könnten die Unternehmen bei den Internetprovidern die Identität von Raubkopierern ermitteln und dann gezielt mit Abmahnungen gegen sie vorgehen.
"Wir würden gerne auf weitere Massenverfahren wegen illegaler Verbreitung und Nutzung von Musik verzichten", betonte Verbandschef Dieter Gorny. Doch die Politik verweigere derzeit noch die Möglichkeit individualisierter Warnhinweise an Musikpiraten zur Abschreckung aus Datenschutzgründen.
Illegale Kopien sind für die Produzenten und Künstler weiterhin ein großes Problem. Seit 2004 hat sich die Zahl der unerlaubt gezogenen Dubletten laut Verband zwar halbiert, weil die Piraten seither strafrechtlich verfolgt werden. Doch mit rund 316 Millionen illegalen Downloads im vergangenen Jahr kommen auf jeden regulär erworbenen Titel immer noch acht Raubkopien.
Die Branche ist mit der Geschäftsentwicklung im Inland ansonsten vergleichsweise zufrieden. "Deutschland hat sich vom Rest der Welt abgekoppelt", erläuterte Michalk. In fast allen Ländern habe die Industrie im vergangenen Jahr zweistellige Umsatzverluste hinnehmen müssen. In Deutschland sanken die Erlöse aus dem Vertrieb von Musik dagegen nur um 4,7 Prozent auf gut 1,5 Milliarden Euro.
Die Erlöse aus dem Verkauf der klassischen CD sind mit 145 Millionen Exemplaren um 3,5 Millionen zurückgegangen, sorgen aber immer noch für gut 80 Prozent des Umsatzes. Jeden vierten Euro erwirtschaftet die Branche inzwischen im Internet.




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