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Wirtschaft

Ein Drama in mehreren Akten: Die Karstadt-Geschichte

Dass es für die Zukunft ihres Unternehmens doch noch mal so eng werden werden könnte, hätten die Karstadt-Mitarbeiter zumindest vor knapp drei Monaten nicht gedacht. Als Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nach einem wochenlangen, nervenaufreibenden Bieterstreit Anfang Juni mitteilte, Nicolas Berggruen habe als einer von drei Interessenten den Zuschlag für die rund 130 Jahre alte Warenhauskette erhalten, fiel zahlreichen Beschäftigten ein Stein vom Herzen.

Die Sorgen um den Verlust ihrer teils seit Jahrzehnten ausgeübten Arbeit als Verkäufer schienen erst mal vom Tisch: Berggruen verlangte zwar Zugeständnisse von den Vermietern, dem Immobilienkonsortium Highstreet, jedoch keine Opfer von der Belegschaft.

Doch ausgerechnet diese Forderung nach geringeren Mietpreisen sollte die Rettung Karstadts und damit der Jobs von rund 25.000 Menschen letztendlich zur dramatischen Berg- und Talfahrt machen. Die Verhandlungen zwischen dem Amerikaner und Highstreet liefen äußerst zäh. Noch im Juni lehnte Berggruen ein verbessertes Angebot von Highstreet kategorisch ab. Das Konsortium hatte seine bisherige Offerte nach eigenen Angaben noch einmal um rund 25 Millionen Euro aufgestockt und sich bereiterklärt, in den nächsten fünf Jahren auf mehr als 400 Millionen Euro an Mieteinahmen zu verzichten. „Wir haben gemeinsame Ansätze. Die Chancen auf ein Happy-End steigen“, hieß es dennoch aus Highstreet-Kreisen.

Miethöhe nur ein Streitpunkt

Die Frage der Miethöhe war jedoch nur einer der Streitpunkte, die eine Einigung zwischen beiden Parteien immer wieder verhinderten: Meinungsverschiedenheiten gab es auch hinsichtlich einer möglichen Beteiligung der Highstreet-Gläubiger am Karstadt-Eigenkapital und bezüglich der Verteilung der erwarteten künftigen Gewinne des Konzerns. Die Frist für die Einigung verstrich Anfang August, obwohl eine Einigung greifbar schien.

Der Aufschub um fast einen Monat auf Anfang September war jedoch allein schon deshalb nötig, da der endgültige Abschluss der Verhandlungen die Zustimmung der Anleihegläubiger von Highstreet benötigte. Die Frist für deren Einladung lag bei 21 Tagen.

Middelhoff tritt Abwärtsspirale los

Seinen Ursprung nahm der Miet-Schlamassel vor mehr als vier Jahren. Der damalige Chef der früheren Karstadt-Mutter Arcandor, Thomas Middelhoff, verkaufte die zahlreichen Warenhaus-Immobilien damals für 4,5 Milliarden Euro an das Konsortium bestehend aus der Investmentbank Goldman Sachs, der Deutschen Bank, der Immobiliensparte des italienischen Reifenherstellers Pirelli und der Generali-Versicherung sowie an den Oppenheim-Esch-Fonds. Der Konzern mietete die Gebäude anschließend teils überteuert zurück. Im März vergangenen Jahres verabschiedete sich Middelhoff mit tiefroten Zahlen.

Mitte April kündigte Arcandor dann ein drastisches Sparprogramm an: Der Konzern wolle sich auf die profitablen Kernbereiche der Versandhandelstochter Primondo (Quelle), der Touristiktochter Thomas Cook und der Karstadt-Kette konzentrieren. Die Premium-Häuser KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger sollten verkauft werden. Anfang Juni beantragte Arcandor finanzielle Unterstützung beim Bund in Höhe von 437 Millionen Euro. Nachdem die Regierung Staatsbürgschaften und Notkredite abgelehnt hatte, beantragte der Konzern unter Führung von Karl-Gerhard Eick beim Amtsgericht Essen Insolvenz für Karstadt, Quelle und weitere Unternehmensteile.

Mitarbeiter machen Millionen-Zugeständis

Im November 2009 stimmte die Gewerkschaft ver.di einem Millionenverzicht der Belegschaft zur Rettung der Warenhauskette zu. Damit erklärten sich die Karstadt-Beschäftigten bereit, bis 31. August 2012 unter anderem auf Urlaubsgeld und Teile des Weihnachtsgeldes zu verzichten, insgesamt sind das 50 Millionen Euro pro Jahr. Einen Monat später kündigte Görg die Schließung von 10 der noch 130 Karstadt-Filialen an, darunter die Standorte München und Hannover.

Erst im April dieses Jahres gaben dann die Karstadt-Gläubiger nahezu einstimmig grünes Licht für den Verkauf der verbliebenen 120 Warenhäuser als Ganzes. Die befürchtete Zerschlagung des Warenhauskonzerns war damit zunächst vom Tisch, die Suche nach Investoren ging in die heiße Phase.

Das erste Kaufangebot kam einige Tage später von der deutsch-skandinavischen Investmentfirma Triton. Die Offerte sah den Abbau von mehreren Tausend Jobs sowie eine Kürzung der Mietzahlungen vor. Am 21. Mai unterbreitete Berggruen dem Gläubigerausschuss schließlich ein detailliertes Kaufangebot. Wenige Tage vor Ablauf der Frist für Übernahmeangebote am 27. Mai taucht dann mit Highstreet ein dritter Kaufinteressent auf: Das Immobilienkonsortium, das einen Teil der Karstadt-Häuser schon besaß, kündigte an, die 120 Karstadt-Häuser vollständig übernehmen und als Konzern erhalten zu wollen.

Dass Berggruen den Zuschlag letztlich bekam, sorgte nicht nur bei der Belegschaft für Entspannung. Görg sagte im Juni, er habe die große Zuversicht, dass damit der Schritt zum Erhalt Karstadts als Unternehmen gemacht worden sei. Berggruen selbst sagte, er sei glücklich, dass es nun vorwärts gehe mit dem Unternehmen.

 

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