Schiffbau: Traditionswerft will mit zwei Megayachten Beschäftigung sichern
Blohm + Voss vor neuem Großauftrag
Zuschlag wird in den nächsten vier Wochen erwartet. Klappt es nicht, droht in diesem Jahr Kurzarbeit.
Foto: dpa
Hamburg. Der Abschluss eines neuen Großauftrags für eine Megayacht bei Hamburgs Traditionswerft Blohm + Voss steht unmittelbar bevor. Davon geht der Betriebsratsvorsitzende Herbert Oetting aus. "Schon innerhalb der nächsten drei bis vier Wochen sollte eine Absichtserklärung eingehen", sagte Oetting gestern dem Abendblatt. Baubeginn für das Schiff unter dem Projektnamen "Storm" könnte Anfang 2010 sein. Die Yacht, für die innerhalb der Werft bereits am Design gearbeitet wurde, dürfte zwischen 90 und 100 Meter lang werden. Oetting setzt zudem auf einen weiteren Yachtauftrag, der von Mitte 2010 an die Fertigung in Hamburg absichern würde.
Mit der Geschäftsführung in der Hansestadt wird derzeit unter Federführung der IG Metall über eine Risikobeteiligung der Arbeitnehmer am Bau der neuen Yacht verhandelt. Dabei geht es darum, dass die Arbeitnehmer eine bestimmte Zahl von Arbeitsstunden garantieren sollen, um das Projekt rentabel abzuschließen - eine Forderung des ThyssenKrupp-Konzerns.
Gelingt die Ablieferung rascher, werden zuvor über die 35-Stunden-Woche hinaus geleistete Arbeitsstunden finanziell oder mit Freizeit vergütet. Wird das Ziel nicht erreicht, muss eine bestimmte Zahl von Arbeitsstunden ohne Entgelt geleistet werden.
"Wir trauen uns zu, das Schiff in der angepeilten Bauzeit und zum verhandelten Preis rechtzeitig fertigzustellen", sagt Oetting. Jetzt werde noch über den Umfang der Garantien gesprochen. "Wir können nur für den Werftanteil der Arbeiten garantieren, nicht aber für Sonderwünsche des Kunden oder für die rechtzeitige Zulieferungen von Partnerfirmen", so der Betriebsratsvorsitzende.
Mit den beiden neuen Aufträgen wäre der Neubaubereich von Blohm + Voss mit 880 Beschäftigten zunächst weiter ausgelastet. Der Stahlbau an der "Eclipse", die dem russischen Milliardär Roman Abramowitsch zugeschrieben wird, und der "Orca" sind derzeit weitgehend abgeschlossen. Hier steuert und kontrolliert die Werft jetzt den Einbau der Ausstattung, die von Partnerfirmen erledigt wird. Daher wären die neuen Aufträge hochwillkommen.
"Können wir nur eine Yacht bauen, müssen in jedem Fall die beiden neuen Fregatten F 125 für die Deutsche Marine wie geplant in Hamburg entstehen", sagt Oetting. Zwar habe sich die Werft schon 2008 für ein mögliches Auftragsloch in diesem Jahr mit einer Vereinbarung über Zeitarbeitskonten gerüstet. Doch der Betriebsrat befürchtet, dass dies nicht für das gesamte Jahr ausreichen wird.
"Wenn wir keine Sektionen für Containerfrachter von der Schwesterwerft in Emden zuliefern können, könnte es eng werden. Dann muss Kurzarbeit beantragt werden, die dann für die Qualifikation der Mitarbeiter genutzt werden sollte." In einem solchen Fall übernimmt die Agentur für Arbeit die gesamten Sozialkosten für die betroffenen Beschäftigten.
Hilfen für die Werft von Seiten der Stadt schließt Oetting nicht aus. "Wenn aber etwa über die Miete für das Werftgelände verhandelt wird, muss dies an Aufträge gebunden werden, die in Hamburg abgewickelt werden."
Solche Verhandlungen wollte die Wirtschaftsbehörde gestern nicht bestätigen. "Wir sind in engen Gesprächen mit vielen Beteiligten der maritimen Wirtschaft. Zu den Gesprächspartnern zählen auch Werften", sagt Jana Thiemann, die Sprecherin der Wirtschaftsbehörde, gestern dem Abendblatt.




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