Gen-Lebensmittel
Entscheidung über Genmais umstritten
Genmais könnte Insekten bedrohen, warnen Experten. Wie Kunden ihre Einkäufe auf den Einsatz von Gentechnik überprüfen können.
Gentechnisch veränderter Mais auf einem Feld im Oderbruch.
Foto: dpa/DPA
Berlin. Die Zulassung gentechnisch veränderter Lebens- und Futtermittel bleibt in Europa umstritten. Die EU-Agrarminister konnten sich am Dienstag nach Diplomatenangaben in Luxemburg nicht auf die Zulassung von sechs Genmais-Sorten einigen. Damit hat nun die EU-Kommission das Sagen.
In Luxemburg lagen Anträge der Herstellerfirmen Dow Agro Science, Monsanto, Syngenta und Pioneer auf dem Tisch. Dabei ging es unter anderem um die Zulassung von Lebensmitteln oder Zutaten, welche den umstrittenen Körnermais Bt11 des Schweizer Biotechnologie-Konzerns Syngenta enthalten. Umweltschützer sehen durch das Produkt Insekten bedroht.
Der US-Konzern Monsanto muss sich zudem weiter bei der EU-Zulassung einer Kreuzung mit der Genmais-Sorte MON 810 gedulden (MON 88017 x MON 810). In Deutschland, Frankreich und anderen EU-Länder ist der Anbau von MON 810 derzeit wegen Risiken für Schmetterlinge und Marienkäfer verboten. Die bei den Agrarministern zur Debatte stehenden Arten waren jedoch nur für die Verarbeitung zu Lebens- und Futtermitteln bestimmt, nicht für den Anbau.
Die EU-Agrarminister wollten am Dienstag über die Zulassung gentechnisch veränderter Maissorten abstimmen, die auch zu Lebensmitteln verarbeitet werden könnten. Solche Lebensmittel müssten dann mit einem Gentechnik-Hinweis gekennzeichnet werden. Verbraucher haben aber nicht immer die volle Gewissheit, ob ihre Einkäufe vollkommen gentechnikfrei sind.
In welchen Produkten im Supermarkt steckt bereits Gentechnik?
Bislang gibt es im Handel laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nur wenige Produkte mit direkt gentechnisch veränderten Zutaten wie etwa Genpflanzen. Bei den Ausnahmen handelt es sich einer Greenpeace-Erhebung zufolge meist um Lebensmittel aus dem Ausland wie etwa Sojaprodukte aus Asien oder Schokoriegel aus den USA. Reine Genprodukte wie etwa Gengemüse, Obst oder Fleisch gibt es nicht. Genpflanzen dürfen aber an Tiere verfüttert werden, wodurch Gentechnik in den Nahrungskreislauf gelangt. Dies kann unter anderem bei Milch und Milchprodukten oder Eiern der Fall sein.
Sind Lebensmittel mit Genzutaten speziell gekennzeichnet?
Ja, allerdings mit Einschränkungen. Hersteller sind grundsätzlich dazu verpflichtet, alle gentechnisch veränderten Nahrungsbestandteile in den Zutatenlisten auf den Verpackungen abzudrucken. Ausgenommen von der Pflicht sind aber Tierprodukte wie Milch, Eier und Fleisch oder Zusatzstoffe, die von gentechnisch veränderten Bakterien erzeugt wurden. Das in den vergangenen Monaten eingeführte freiwillige Siegel „Ohne Gentechnik“ der Bundesregierung bekommt nur, wer nachweisen kann, dass Tiere nicht mit Futter wie Gensoja gefüttert wurden oder dass keine gentechnisch veränderten Bakterien eingesetzt wurden.
Sind Bioprodukte gentechnikfrei?
Grundsätzlich ja, jedoch können auch hier teils Einschränkungen bestehen. Zwar sieht die EU-Ökorichtlinie vor, dass bei der Herstellung von Bioprodukten keine Genzutaten verwendet werden dürfen. Spuren gentechnisch veränderter Bestandteile aber – etwa verursacht durch den Pollenflug von Feldern mit Genpflanzen – müssen auf Lebensmittelverpackungen bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent nicht gesondert ausgewiesen werden. Die Hersteller von Bioprodukten sind jedoch gehalten, alles technisch Mögliche zu tun, um Verunreinigungen auszuschließen.
Müssen Gaststätten auf Speisekarten Gerichte mit Genzutaten kennzeichnen?
Ja. Nach Angaben von Greenpeace allerdings bleiben solche Hinweise in der Praxis nicht selten aus. Den Angaben zufolge werden etwa Pommes Frites in einigen Fällen in Speiseöl aus Genpflanzen frittiert. Für den Verbraucher ist dies oft nirgends nachzulesen.
Welche Auswirkungen haben Genprodukte auf die Gesundheit?
Dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Laut BVL gibt es etwa aus den USA oder Kanada, wo Lebensmittel aus Genpflanzen oder Milch von mit Gensoja gefütterten Kühen schon seit über zehn Jahren auf dem Markt sind, „keine Erkenntnisse, dass sich der Verzehr (...) schädlich auf die Gesundheit von Menschen ausgewirkt hat“. Greenpeace dagegen sieht beim Verzehr von Genpflanzen ein Risiko, dass diese aufgrund ihrer Genstruktur verstärkt allergische Reaktionen auslösen können. Milch von Kühen, die mit Gensoja gefüttert wurden, dürfte demnach aber risikolos sein.





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