Automarkt: Wartezeiten bei einigen Modellen
Große Nachfrage nach kleinen Wagen
Wirtschaftsflaute und Abwrackprämie lassen Kunden zu günstigen Fahrzeugen greifen. Wie lange noch?
Foto: Ford, Koeln
Hamburg. Seit zehn Jahren verkauft Jan Busse Autos. "Aber einen Ansturm wie in den vergangenen zweieinhalb Wochen habe ich noch nicht erlebt", sagt der Geschäftsführer der Tobaben-Gruppe, die in Hamburg und dem Umland vor allem mit Fahrzeugen der Marke Ford ihr Geld verdient. Doppelt so viele Kunden wie an normalen Tagen drängen sich derzeit in den Tobaben-Filialen. Und der Trend bei den Nachfragen ist eindeutig: "Die meisten wollen einen Kleinwagen." Am stärksten werden die Modelle Ka und Fiesta nachgefragt. Da die Wartezeiten für beide Fahrzeuge aber mittlerweile recht lang ausfallen können, beginnen sich immer mehr Kunden auch für den Ford Focus zu interessieren. "Die Abwrackprämie bringt uns wirklich eine Menge", sagt Busse.
Das Geschäft mit Klein- und Kleinstautos wächst gerade in der Wirtschaftskrise. Die "Abwrackprämie" von 2500 Euro für die Verschrottung von Altautos bringt den Markt derzeit insgesamt wieder in Schwung, doch ein Segment profitiert davon mehr als alle anderen - nicht nur bei Tobaben. "Der Trend hin zu Klein- und Kleinstwagen setzte schon 2008 ein, vor allem wegen der damals hohen Benzinpreise und der Diskussion um strengere CO2-Grenzwerte", sagt Albrecht Denninghoff, Automobil-Experte bei der BHF-Bank, dem Abendblatt. "Durch die Wirtschaftskrise wird dieser Trend noch verstärkt. Sehr gefragt sind derzeit Neuwagen, die zwischen 10 000 und 15 000 Euro kosten."
Die jüngsten Zahlen für die Neuzulassungen des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg belegen den Boom der Kleinfahrzeuge. Dabei ist in der Statistik für Januar die seinerzeit gerade beschlossene Abwrackprämie noch gar nicht voll sichtbar. Die beiden einzigen Marktsegmente, die im Januar gegenüber demselben Monat des Vorjahres überhaupt gewachsen sind, waren das Segment der sogenannten "Minis" und die Kleinwagen. Die Minis legten bei den Neuzulassungen gegenüber Januar 2008 um rund 34 Prozent zu, die Kleinwagen immerhin noch um ein Prozent. Bei den Kleinstwagen wiesen die Modelle Ford KA, Peugeot 107 und Chevrolet Matiz besonders hohe Steigerungsraten auf, bei den Kleinwagen waren es der Peugeot 206, der Ford Fiesta und der Hyundai Getz. Alle anderen Segmente, vor allem Vans, Sportwagen und Geländewagen, verloren massiv.
Die deutschen Hersteller - mit Ausnahme von Ford - profitieren vom neuen Billigboom am Automarkt bislang so gut wie gar nicht. Sie haben zwar kleine und sparsame Modelle im Programm, doch diese sind deutlich teurer als etwa die der französischen oder der japanischen Konkurrenz.
Mitte der 90er Jahren gab es schon einmal eine Modelloffensive bei den Kleinwagen. Hintergrund war auch damals eine Wirtschaftskrise, aber auch eine Debatte um strengere Abgaswerte. Audi brachte seinerzeit seinen kastigen A2 auf den Markt, Volkswagen den Lupo, Daimler den Smart. Die Kunden aber zogen nicht mit. Die meisten der Mini-Modelle verschwanden wieder.
Als bekanntester Vertreter von damals überlebte die Marke Smart - wenn auch nur knapp. Zur Mitte des Jahrzehnts stand das kleinste Auto des Daimler-Konzerns vor dem Aus. Nach Milliardenverlusten und der Streichung von Modellvarianten ist die Smart-Produktion mittlerweile profitabel und verzeichnet steigende Absatzzahlen. Bei Daimler denkt man angeblich darüber nach, Varianten wie den viersitzigen Smart "Forfour" und einen Roadster wieder einzuführen. Der Konzern kommentiert das nicht, aber der Erfolg des Kleinstwagens Smart "Fortwo" markiert derzeit wie kein anderer den Trend für die gesamte Branche.
Die Hersteller können nur schwer einschätzen, wie lange dieser Trend anhält. Im wirtschaftlichen Boom Ende der 90er Jahre gerieten kleine, sparsame Fahrzeuge wie Smart und andere schnell in den Hintergrund, Motorstärke und imagelüsterne Ausstattung waren wieder gefragt. Die Autokonzerne legen sich aber mit ihren Modellen für Jahre fest, allein die Entwicklung kostet zwei bis drei Jahre. "Es ist derzeit völlig offen, ob die Kunden wieder zurück wollen zu einer gehobenen, aber auch teureren Ausstattung, oder ob ein niedriger Preis nun längerfristig an Bedeutung gewinnt", sagt Denninghoff. "Immerhin bekommen sie zwischen 10 000 und 15 000 Euro mittlerweile vollwertige Familienautos mit sechs Sitzplätzen."





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