Technikmesse Macworld
Apple-Präsentation enttäuscht viele Fans
Kein neuer iMac, kein Mac mini, kein neues MacOS - so mancher Apple-Fan hatte von der Präsentation bei der Fachmesse Macworld mehr erwartet. Statt Sensationen gab's solide Neuerungen im Zeichen des Macintosh und seiner Software. Und: Musik gibt's bei iTunes künftig ohne Kopierschutz.
Foto: Reuters
San Francisco. Die Apple-Fans hatten auf mehr gehofft. Auf spektakuläre Enthüllungen, innovative Neuerungen, einen neuen Hype wie etwa das iPhone. Mit Ankündigungen solcher Art konnte Apple-Marketingchef Phil Schiller bei der Fachmesse Macworld Expo jedoch nicht aufwarten.
Fast alle Spekulationen im Vorfeld der Messe hatten sich als falsch erwiesen: Schiller präsentierte kein kleines iPhone nano, keinen Netbook-Rechner. Nicht einmal die überfällige Erneuerung des Mac mini oder der Settop-Box Apple TV hatte Schiller auf dem Zettel.
Und auch der charismatische Firmengründer Steve Jobs war der Messe fern geblieben, hatte Gerüchte über eine ernsthafte Erkrankung und seinen Rücktritt aber dementiert. Sein Marketingchef schlug sich auf der Bühne im Moscone Center zwar tapfer, konnte aber nicht kaschieren, dass es wenig zu sagen gab.
Verzicht auf Kopierschutz
Die Ankündigung mit der vermutlich größten Auswirkung erledigte er fast nebenbei: Apple wird in seinem Online-Musikladen iTunes künftig fast nur noch Musikstücke ohne Kopierschutz anbieten. "Wir haben die vier großen Musikverlage an Bord, dazu noch viele Independents", sagte Schiller. Von sofort an seien acht Millionen Songs ohne Kopierschutz zu haben, weitere zwei Millionen sollen bis zum Quartalsende folgen.
Jobs hatte den Verzicht auf den Kopierschutz bereits vor zwei Jahren von der Musikindustrie gefordert, bislang aber nur EMI auf seine Seite ziehen können. Die anderen "Major Labels" hatten im Gegenzug ein flexibles Preissystem und den Abschied vom Einheitspreis von 99 Cent pro Song gefordert.
In dem Konflikt hat Apple nun nachgegeben und verkauft populäre Songs für 1,29 US-Dollar in den USA bzw. 1,29 Euro in Europa, während weniger gefragte Titel bereits für 69 Cent angeboten werden.
Die Neuerungen im Überblick:
Musik: iTunes Basis des großen Musikengagements von Apple ist iTunes. Die einst reine MP3-Player-Software dient mit dem iTunes Musicstore nun als digitales Warenhaus für Audio- und Video-Inhalte aller Art. Kritik kam immer wieder auf, weil Apple dabei (wie alle anderen legalen Anbieter jedoch auch) auf ein digitales Rechtemanagement setzte, das die illegale Weiterverbreitung der verkauften Inhalte unterbinden sollte.
Im Frühjahr nun soll iTunes frei von diesen Fesseln werden. Apple hat sich mit den wichtigsten Musikkonzernen geeinigt, künftig vollständig auf den Kopierschutz zu verzichten. Dafür wird es wohl eine größere Bandbreite an Preisen geben, die aktuelles Charts-Material teurer und andere Titel wiederum billiger machen wird.
iPhone-Anwendern ist es zudem jetzt auch möglich, mit dem Handy Inhalte aus dem Musicstore direkt über UMTS zu kaufen und zu laden. Bisher war dazu eine WLAN-Verbindung erforderlich.
Multimedia-Software: iLife 09 Das multimediale All-Inclusive-Paket iLife wurde in seine nächste Generation geschickt. Es besteht aus den Programmkomponenten iMovie, einem intuitiv zu bedienenden Videoschnitt-Programm, iPhoto für digitale Fotos, GarageBand als einfach zu bedienendes Werkzeug zur Musikproduktion, iWeb für den eigenen Internetauftritt und schließlich iDVD zum Erstellen eigener DVDs. Alle Programme wurden überarbeitet und zum Teil deutlich erweitert.
iPhoto ist nun in der Lage, die eigenen Fotos nicht nur nach Ereignissen, sondern auch nach geographischen Orten (mit Hilfe von GPS-Daten, die einige Digitalkameras schon mitliefern) und nach Gesichtern zu sortieren. Apple führt damit eine intelligente Gesichtserkennung ein, die zwar, so Apple-Vize Phil Schiller, noch nicht perfekt ist, ihm aber schon viel Spaß mache.
Auch die Verknüpfung von iPhoto und sozialen Netzwerken wurde verbessert. So gibt es neben einer Facebook-Anbindung jetzt auch die Möglichkeit, Bilder aus iPhoto direkt zur Bilder-Community Flickr hochzuladen.
Für das Musikprogramm GarageBand führt Apple den LessonStore ein, in dem der Anwender multimedialen Gitarren- oder Klavierunterricht nehmen kann, wobei die einzelnen "Unterrichtsstunden" kostenpflichtig sind. Auf pädagogischen Gehalt und erste Tests darf man gespannt sein.
Office: iWork 09
Auch Apple bietet eine einfache, aber auf ihre Art doch mächtige Office-Lösung für die eigene Betriebssystem-Plattform. Es besteht aus einem Textverarbeitungsprogramm ("Pages") mit Publishing-Qualitäten. Daneben gibt es ein Präsentationsprogramm mit dem klangvollen Namen "Keynote" und eine Tabellenkalkulation namens "Numbers".
All diese Programme setzen besonders auf Designvorlagen und regen den Nutzer an, sich nur um die Inhalte zu sorgen die perfekte Präsentation ist Aufgabe der Software. Als Fernbedienung für die Präsentationssoftware lässt sich jetzt dann auch das iPhone und der iPod touch verwenden.
iLife und iWork kosten je 79 Euro
Hardware: MacBook pro 17 Zoll Jetzt hat Apple seine komplette Notebook-Serie runderneuert. Nach den 13- und 15-Zoll-Modellen gibt es nun auch ein neues MacBook pro im XXL-Format. Mit einer Dicke von nur 2,54 Zentimetern ist das neue Spitzenmodell das dünnste seiner Klasse. Flacher geht es nur noch mit dem vor einem Jahr vorgestellten MacBook air. Mechanischer Kern ist ein aus dem Vollen gefräster Aluminiumblock. Darin werkelt ein Intel Core 2 duo-Prozessor mit 2,66 oder 2,93 GHz. Vier Gigabyte Arbeitsspeicher sind jetzt Serie. Festplatten gibt es von 320 GB konventionell bis hin zu 256 GB Solid-State, also rein elektronisch und ohne bewegliche Teile.
Der riesige Bildschirm bietet Full-HD-Auflösung von 1920 x 1200 Pixeln und ist auch das wird viele Profis freuen matt lieferbar. Als Lichtquelle dient eine LED-Hintergrundbeleuchtung, die ein besonders helles Bild ermöglicht.
Die Batterie ist nun fest eingebaut, ermöglicht aber laut Apple eine Betriebszeit von bis zu acht Stunden. Für schnellen Grafikaufbau sorgen die NVIDIA-Grafikprozessoren 9600 M GT mit 512 MB Grafikspeicher oder 9400M 256MB Speicher, der vom Arbeitsspeicher abgezweigt wird.
Das größte MacBook pro wird in wenigen Wochen auch in Deutschland lieferbar sein und kostet ab 2499 Euro.





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