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Wirtschaft

Deutsche Bahn

Neuer Bahn-Chefkontrolleur Felcht: Pünktlichkeit hat Vorrang

Die Bahn soll sich wieder stärker an den Kunden orientieren. Erst dann, so der neue Chefkontrolleur, könne man an den Börsengang denken.

Der designierte Vorsitzende des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn, Utz-Hellmuth Felcht.
Foto: APN/AP

Berlin. Der Chemiemanager Utz-Hellmuth Felcht will als künftiger Chefkontrolleur die Deutsche Bahn wieder zu einer stärkeren Orientierung an ihren Kunden bringen. „Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Qualität“, forderte Felcht bei seiner Vorstellung durch Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Mittwoch in Berlin. Zunächst sei der wirtschaftliche Erfolg das Ziel. „Erst dann kann man wieder an Dinge wie einen Börsengang denken.“

Felcht betonte, bei einem Gespräch mit Konzern-Chef Rüdiger Grube habe er bei der Bahn keinen „Mangelzustand“ ausmachen können. Die Frage sei jetzt aber, ob die Schwerpunkte richtig gesetzt seien. Die Bahn hatte zuletzt wegen massiver Probleme etwa bei der Tochter S-Bahn-Berlin für negative Schlagzeilen gesorgt. Technische Schwierigkeiten im Winter hatten zudem auch auf Fernstrecken Ausfälle und Verspätungen verursacht.

Ramsauer betonte ebenfalls, die Bahn müsse sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. In den vergangenen Jahren hätten sich viele Träume als Schäume erwiesen, sagte er mit Blick auf den lange vorangetriebenen Börsengang. Dieser bleibe aber ein mittel- oder langfristiges Ziel, erklärte er. Die Besetzung des Chefpostens im Aufsichtsrat bezeichnete Ramsauer als letzten personellen Schritt zur Neuausrichtung der Verkehrspolitik. Neben Felcht ziehen unter der schwarz-gelben Regierung auf Seiten des Eigentümers fünf weitere neue Kontrolleure in das Gremium ein, darunter der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring.

Felcht soll in zwei Wochen Ex-Wirtschaftsminister Werner Müller ablösen. Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch die Wahl. Felcht und Ramsauer kennen sich, seit der Manager das bayerische Unternehmen Skw Trostberg führte. Als späterer Chef des Chemieunternehmens Degussa überwarf sich Felcht mit Werner Müller, der damals seinen Aufsichtsrat führte.

Er wolle in die Rolle eines Trainers für das Unternehmen rutschen, sagte der 63-jährige Felcht. Fußballerisch betrachtet sei Ramsauer als Vertreter des Eigentümers dann der Clubbesitzer. „Die Chemie zwischen uns beiden hat immer gestimmt und sie stimmt weiter“, betonte Ramsauer. Man sei sich in den wichtigen Leitlinien für die Bahn in den nächsten Jahren einig.

Felcht ließ allerdings offen, wie der Konzern künftig aufgebaut sein soll. In Union und FDP gibt es Bestrebungen, das Schienennetz aus dem Unternehmen zu lösen. Auf einem unabhängigen Netz würde den Befürwortern zufolge mehr Wettbewerb zwischen Bahnunternehmen stattfinden, was zu einem breiteren Angebot führe. Die Bundesnetzagentur hat der Bahn kürzlich eine Diskriminierung der Konkurrenten bei der Nutzung von Schienen und Bahnhöfen vorgeworfen. „Da habe ich noch keine Linie“, sagte Felcht. Er müsse sich dies erst in Ruhe anschauen. Bahnchef Grube lehnt eine Trennung vom Netz und damit die Aufgabe des integrierten Konzerns ab.

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA verlangten Felchts Unterstützung dafür: „Wir erwarten auch, dass er ein klares Bekenntnis zum integrierten DB-Konzern abgibt. Nur in diesem Integrierten Konzern lassen sich auf Dauer Arbeitsplätze schaffen und erhalten.“ In dieser Kernfrage der Bahnpolitik hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt massiven Streit zwischen Aufsichtsratschefs, Konzernführung und Politik gegeben. (Reuters/abendblatt.de)

 

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