Deutsche Bahn: Umsatz des Staatskonzerns 2009 gesunken
Ex-Chemiemanager wird Chefaufseher
Berlin. Die Deutsche Bahn bekommt einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden: Utz-Hellmuth Felcht (63), früherer Vorstandschef des Chemieherstellers Degussa und offenbar langjähriger Bekannter von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), soll die Nachfolge des zuletzt umstrittenen Werner Müller (63) antreten. Die Personalie wurde dem Vernehmen nach mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgestimmt und soll kommenden Mittwoch förmlich im Kabinett entschieden werden.
Seine Begeisterung für die Bahn lebte Felcht bislang vor allem im Kleinen aus - an seiner Modelleisenbahn. Doch schon bald kann der Hobbysammler von Zügen und Loks die Weichen im ganz großen Maßstab stellen. Der Naturwissenschaftler promovierte bereits mit 29 Jahren zum Doktor der Chemie und arbeitete an der Universität Kaiserslautern als Assistent. 1977 begann seine berufliche Karriere in der Privatwirtschaft bei der damaligen Hoechst AG. Hier legte er eine Blitzkarriere hin und rückte nach einem längeren Auslandsaufenthalt in den USA 1992 in den Vorstand auf. Dort sah er nach der Abspaltung der Chemie für sich aber keine Perspektiven mehr. Felcht wechselte zur SKW Trostberg. Im Zuge des Zusammenschlusses von Veba und Viag kam er durch die Fusion von Veba und Viag zu Degussa. 2001 wurde er Vorstandschef.
Dass der Wirtschaftsmanager ausgerechnet den jetzigen Chefaufseher des Staatskonzerns, Werner Müller, beerben soll, ist nicht ohne Ironie. Denn just der Dauerstreit mit Müller in gemeinsamen Tagen bei der Nachfolgerin der einstigen Ruhrkohle AG (RAG) hatte Felcht vor einigen Jahren seinen Posten gekostet. Als die RAG im Frühjahr 2003 46,5 Prozent des Chemiekonzerns Degussa übernahm, wurde der erst ein Jahr zuvor als Bundeswirtschaftsminister aus dem Amt geschiedene Müller neuer Chef von Felcht, der damals an der Spitze von Degussa stand.
Die Zeiten für Felcht werden nicht einfach. Der Umsatz der Deutschen Bahn sank 2009 um rund zwölf Prozent auf 29,5 Milliarden Euro, sagte Bahnchef Rüdiger Grube, der "Financial Times Deutschland". In der Logistik würden seit September wieder durchgehend schwarze Zahlen geschrieben. Den Schaden, der in den nächsten zwei bis drei Jahren aus den Problemen mit ICE-Achsen entstehen wird, bezifferte Grube auf insgesamt etwa 350 Millionen Euro.



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