Niedriger Leitzins
Warum die EZB mit der Zinswende noch wartet
Volkswirte rechnen erst 2011 mit einem höheren Schlüsselzinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB). Deren Chef Trichet will Details zum Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik bekannt geben. Bisher hat die Zentralbank den anderen Banken großzügig Geld zu einem ihnen genehmen Zinssatz geliehen.
Derzeit drängen die Finanzprobleme Griechenlands alle anderen Themen im europäischen Währungsraum in den Hintergrund. Auch auf der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 4. März wird der taumelnde Mittelmeerstaat sicher wieder ein großes Thema sein, aber auch die Geldpolitik rückt nach zwei ruhigen Monaten nun wieder stärker in den Vordergrund.
Denn EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gibt weitere Details bekannt, wie die Notenbank die beispiellosen Finanzhilfen zurückfahren will, die sie seit Ausbruch der Finanzkrise den Banken gewährt. Klar ist, dass sie den Leitzins, zu dem sich Banken refinanzieren können, nicht antasten wird.
Der Schlüsselzinssatz liegt derzeit auf dem Rekordtief von einem Prozent, und auf diesem Niveau könnte er noch für einen längeren Zeitraum bleiben. "Die EZB wird die Zinsen in diesem Jahr unverändert lassen", sagt Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF-Bank. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters glauben inzwischen wie Angenendt ein Drittel der befragten Ökonomen, dass die EZB in diesem Jahr die Zinsen nicht mehr antasten wird, deutlich mehr als in dem Umfragen zuvor.
Mit Blick auf die Teuerungsrate kann sich die Notenbank die niedrigen Zinsen durchaus leisten: Der Preisauftrieb in den 16 Euro-Ländern hat im Februar abgenommen. Die Verbraucherpreise stiegen im Währungsgebiet nur noch um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Inflationsrate liegt damit deutlich unter dem Ziel der EZB von "unter, aber nahe zwei Prozent". Experten sehen auch in den kommenden Monaten keine Inflationsgefahren.
Trotzdem steckt die EZB in einer schwierigen Ausgangslage: Ein zu später Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik könne eine "neue finanzielle Entgleisung" nach sich ziehen, wie es der belgische Notenbankchef Guy Quaden ausdrückte. Ein zu früher Ausstieg aus den Hilfsmaßnahmen könnte allerdings die schwach laufende Konjunktur im Währungsraum abwürgen.
Die Wirtschaft wird den Prognosen zufolge im Währungsraum dieses Jahr durchschnittlich nur um ein Prozent zulegen können. Mit großer Spannung werden die Details erwartet, wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die Liquiditätshilfen für Banken zurückführen will. Denn das lässt Rückschlüsse darauf zu, wie hoch das Tempo sein wird.
Weil sich die Banken aus Misstrauen nach der Lehman-Pleite untereinander kein Geld mehr liehen, verleiht die EZB seit Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 viel Geld zum einem den Banken genehmen Leitzins. Zudem hat sie die Laufzeit der Finanzierungsgeschäfte auf bis zu ein Jahr verlängert. "Der Zustand auf den Finanzmärkten hat sich inzwischen merklich entspannt, die EZB will deshalb die Lage auf dem Geldmarkt wieder normalisieren", sagt Angenendt.
Ziel der EZB ist es, zu dem Verfahren zurückzukehren, das die Notenbank vor der Krise angewendet hat und bei dem die Banken in einem Bieterverfahren Gebote für frisches Geld abgeben mussten.
Bereits im Dezember vergab die EZB das letzte einjährige Finanzierungsgeschäft. Ende dieses Monats wird es voraussichtlich zum letzten Mal eine Ausleihung über sechs Monate geben, vermutlich nicht zu einem festen Satz von einem Prozent, sondern zu einem indexierten Zins, der an den Leitzins der kommenden sechs Monate gebunden ist. Da dieser in den kommenden Monaten allerdings wohl ebenfalls bei einem Prozent liegen wird, wäre dies nur ein symbolischer Schritt.
Fraglich ist, ob die EZB bei den Finanzierungsgeschäften über drei Monate die Vollzuteilung beenden wird. "Wir glauben, dass die EZB wegen der griechischen Krise die Vollzuteilung beibehalten wird", sagt Carsten Brzeski, Volkswirt bei ING. Zwar hätte die Notenbank eigentlich die Vollzuteilung beenden wollen, aber den Preis müssen sie wohl zahlen. Andere Experten glauben hingegen an eine Beendigung der großzügigen Vergabe.
Uneins sind sich Experten auch darüber, ob die EZB dem Markt schon bald aktiv Geld entziehen wird. Während Angenendt glaubt, dass die EZB etwa über Termineinlagen schon kurzfristig Geld einsammeln könnte, erwartet Brzeski dies nicht: "Ich kann mir das im Augenblick noch nicht vorstellen. Im Fokus der EZB steht derzeit mehr die Stabilität der Finanzmärkte als die Inflationsrisiken."





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