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Wirtschaft

Schiffbau

Auftrag für Nordic-Werften - Freude beim Verband

Die Unterschriften sind so gut wie trocken. Der Verband für Schiffsbau in Hamburg zeigte sich erfreut: "Das ist ein gutes Signal."

Blick auf die Kranbrücke der Warnemünder Werft(Archivfoto).
Foto: dpa/DPA

Rostock/Moskau . Nach mehr als zwei Jahren Auftragsflaute ist bei den existenzbedrohten Nordic-Werften in Wismar und Rostock eine möglicherweise rettende Bestellung eingegangen. Der russische Bergbau-Konzern Norilsk Nickel unterzeichnete am Wochenende einen Vertrag über den Bau eines eisbrechenden Spezialtankers, teilte eine Sprecherin von Nordic-Eigentümer Witali Jussufow am Montag mit. Der Abschluss könnte den einst drittgrößten deutschen Schiffbau- Betrieben eine dringend benötigte Atempause verschaffen. Der rund 170 Meter lange Tanker „Nordic AT 19“ soll im September 2011 ausgeliefert werden, Baubeginn ist den Angaben zufolge am 1. Juli dieses Jahres in Wismar. Die Konstruktionsarbeiten hätten bereits begonnen, hieß es.

Die beiden Transfergesellschaften der seit Juni 2009 insolventen Wadan-Werften, aus denen die heutigen Nordic Yards hervorgingen, sollen nach derzeitigem Stand Ende März auslaufen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte eine Anschlussfinanzierung für den Fall ausgeschlossen, dass es bis dahin keine Aufträge gibt. Bei einem Spitzengespräch mit Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) war am Freitag ein Runder Tisch zur Rettung der Werften vereinbart worden.

Es gelte nun, die Finanzierung des eisbrechenden Spezialtankers für Norilsk Nickel zu sichern. „Wir hoffen, dass das gelingt. Das ist aber meistens sehr komplex“, sagte Carlsson. Ende 2009 arbeiteten in der Branche rund 20.000 Mitarbeiter, im Jahr 2000 waren es noch 25.000. Vielleicht sei der Norilsk-Nickel-Auftrag der Start für weitere Aufträge. Der russische Markt sei gewaltig groß. „Das wäre eine tolle Sache, wenn Herr Jussufow diesen Markt anfassen kann.“

Der beschlossene Bau des Großtankers macht aus Sicht der Belegschaft den Weg für eine Verlängerung der Wadan-Transfergesellschaften frei. „Das ist ein gutes Signal, das wir in Richtung Landesregierung gebraucht haben“, sagte der Rostocker Ex-Betriebsrat Harald Ruschel am Montag. Mit dem Vertragsschluss zwischen Werfteigentümer Witali Jussufow und dem russischen Bergbau-Konzern Norilsk Nickel sei die vom Land geforderte Voraussetzung für weitere staatliche Hilfen erfüllt. „Jussufow hat alle Kritiker eines Besseren belehrt. Wir hoffen aber, dass beide Standorte etwas davon haben“, meinte Ruschel.

Auch der Verband für Schiffsbau und Meerestechnik in Hamburg hat die Unterzeichnung des Schiffbau- Auftrags vom russischen Bergbau-Konzern Norilsk Nickel für die Nordic-Werften als eine gute Nachricht für die Branche bezeichnet. Dies sei der größte Auftrag für die deutsche Werftindustrie seit Anfang 2009, sagte Verbandsreferent Gerhard Carlsson am Montag. Im vergangenen Jahr seien bei den 18 deutschen Werften in Deutschland lediglich 20 Aufträge im Wert von insgesamt rund 475 Millionen Euro eingegangen. „Der Nordic-Auftrag ist sehr wichtig. Das ist das, wonach alle unser Werften momentan intensivst streben.“

Zur Auftragssumme und Art der Finanzierung wollte Nordic zunächst keine Angaben machen. „Dazu herrscht noch Stillschweigen“, sagte Jussufows Sprecherin Tina Mentner. „Die Unterschriften auf dem Vertrag sind aber trocken.“ Norilsk Nickel hatte bei den früheren Wadan-Werften zuletzt im Juli 2006 vier eisbrechende Container- Frachter bestellt, der Auftragswert lag bei 320 Millionen Euro.

Jussufow kündigte an, dem in Moskau ausgehandelten Geschäft würden bald weitere folgen: „Wir sind sehr froh über die Perspektive, die dieser Auftrag für unser Unternehmen und unsere Mitarbeiter darstellt“, erklärte er laut Mitteilung. Der russische Investor hatte Wadan im August 2009 für 40,5 Millionen Euro übernommen. Ihren bislang letzten Auftrag hatten die Werften im Februar 2008 erhalten.

Das Schweriner Wirtschaftsministerium äußerte sich zu dem Abschluss zurückhaltend. Ein Schiff könne gebaut werden, wenn der Vertrag unterschrieben ist und die Baufinanzierung steht, sagte ein Sprecher – bisher sei aber kein Finanzierungskonzept bekannt. Bund und Land hatten den Werften Ende 2008 ein 180 Millionen Euro umfassendes Darlehen zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen kam zudem unter den Rettungsschirm der Bundesregierung. Für den Weiterbau zweier Fähren gab es einen Massekredit über 194 Millionen Euro, in die Transfergesellschaften flossen bislang rund 15 Millionen Euro. (dpa/abendblatt.de)

Die Wadan-Transfergesellschaften:

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Nordic Yards: Nummer drei im deutschen Schiffbau:

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