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Wirtschaft

Pharmakonzern

Klagen gegen die Pille belasten Bilanz von Bayer

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat wegen einer Klagewelle in den USA seine Verteidigungskosten im Jahr 2009 fast vervierfachen müssen. Die Klagen richten sich gegen mögliche Gesundheitsschäden durch die Anti-Baby-Pille Yasmin. Bayers Umsatz sinkt, und der Gewinn fällt niedriger aus als erwartet.

Eine Klagewelle in den USA belastet die Bilanz des Bayer-Konzerns. Das Pharma- und Chemieunternehmen musste seine Ausgaben für Verteidiger im Jahr 2009 fast vervierfachen müssen. Wegen angeblicher Gesundheitsschäden durch die Verhütungspille Yasmin wurden bis Anfang Februar 2010 bei amerikanischen Gerichten rund 1100 Schadenersatzklagen eingereicht.

Zudem sind rund 1600 Klagen wegen des Herzmedikamentes Trasylol anhängig. Beide Fälle sorgten für Sonderbelastungen von insgesamt 225 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor lagen die Ausgaben für solche Rechtsstreitigkeiten bei lediglich 64 Millionen Euro.

Ob sich diese Zahlen durch weitere Sammelklagen in diesem Jahr weiter erhöhen werden, wollte Bayer-Finanzvorstand Klaus Kühn bei der Vorlage der Bilanz 2009 nicht konkretisieren. „Bayer ist überzeugt, gute Argumente zur Verteidigung gegen die erhobenen Ansprüche zu haben“, so Kühn.

Trotzdem belasteten die hohen Verteidigungskosten zusätzlich zu den Folgen der Wirtschaftskrise die Bilanzzahlen. Seine Ergebnisprognose konnte der Konzern für das Gesamtjahr nicht erreichen. Entsprechend verschnupft reagierte die Börse: Zeitweise verloren die Bayer-Papiere bei einem freundlichen Dax bis zu 4,4 Prozent und notierten bei 47,10 Euro.

Die neue Klagewelle gegen den Bayer-Konzern zeigt, wie risikoreich die Entwicklung und Vermarktung neuer Medikamente geworden ist. Bereits 2001 musste Bayer seinen Blutfettsenker Lipobay wegen angeblicher tödlicher Nebenwirkungen vom Markt nehmen. Angedrohte Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe brachten den Traditionskonzern in seine schwerste Krise.

Noch heute sind etwa 200 Fälle anhängig, bei einem Großteil der Verfahren ging Bayer aber erfolgreich aus den Gerichtsverhandlungen. Neben den Verteidigungskosten hat der Konzern auch Rückstellungen für mögliche Klagen gebildet. Beides hat die Bilanzzahlen zusätzlich belastet.

Der Konzernumsatz schrumpfte im vorigen Bilanzjahr um 5,3 Prozent auf 31,16 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Sondereinflüssen auf Ebitda-Basis ging sogar um 6,6 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro zurück. Bayer wollte diesen Rückgang eigentlich auf fünf Prozent begrenzen.

„Unser ambitioniertes Ziel, den Ergebnisrückgang gegenüber dem Rekordjahr 2008 auf fünf Prozent zu begrenzen, haben wir annähernd erreicht“, sagte Wenning, der im Oktober 2010 den Vorstandsvorsitz an seinen Nachfolger Marijn Dekkers übergibt. Den Schuldenberg konnte Bayer nach der Übernahme des Berliner Konkurrenten Schering vor drei Jahren von fast 20 Milliarden Euro auf 9,4 Milliarden Euro halbieren.

Wachstumstreiber waren einmal mehr das Gesundheits- und das Agrochemiegeschäft. Als Sorgenkind entwickelt sich weiter der Bereich Kunststoffe. Bayer wird wohl auch 2010 in diesem Segment die Kapitalkosten nicht verdienen.

Dieser Teilkonzern Material Science steckt seit längerem in der Krise, weshalb auch immer wieder Spekulationen über einen möglichen Verkauf der Sparte aufkeimen. Konzernchef Wenning bekräftigte jedoch einmal mehr, dass die Kunststoffsparte weiterhin Kerngeschäft sei. Analysten fordern seit längerem den Verkauf, da gerade in den Golfregionen neue Konkurrenten erwachsen, die durch ihre Nähe zum Rohöl einen unschlagbaren Wettbewerbsvorteil haben.

Besonders gut lief die Entwicklung neuer Medikamente in der Gesundheitssparte im vorigen Jahr. Das Krebsmedikament Nexavar steigerte seinen Umsatz um währungsbereinigt 27,9 Prozent. Auch das Geschäft mit den Verhütungspillen der Yasmin-Gruppe wuchs trotz der schwebenden Gerichtsverfahren deutlich schneller als der Pharmamarkt.

Zusammen mit dem Pflanzenschutzgeschäft wird die Gesundheitssparte auch in diesem Jahr dafür sorgen, dass Bayer wieder wachsen werde, sagte Wenning. Umsatz und Ergebnis im Jahr 2010 sollen deutlich über den des Krisenjahres 2009 liegen.

Quelle: Welt Online

 

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