Computerspiele Hamburg
Vom Moorhuhnschießen zum Wirtschaftsfaktor
In Hamburg treffen sich die Hersteller von Casual Games. Sie sprechen über aktuelle Trends - und Hamburger Marktführer zeigen ihre Neuheiten.
Spiele-Klassiker "Moorhuhn 2". Das Moorhuhnschießen war der erste große Casual-Hit.
Foto: picture-alliance / dpa
Hamburg. Klick, klick - schon segelt der Pirat, dreht sich der Flipper, quiekt das virtuelle Schweinchen: Ein Casual Game ist schnell gestartet und wird noch schneller gespielt.
Kein Wunder, dass die Branche in den letzten Jahren enorme wirtschaftliche Erfolge verzeichnen kann. Spätestens seit das Moorhuhnschießen 1999 die Computer eroberte, boomen die kleinen Spiele. 200 Millionen Menschen weltweit spielen Casual Games, Tendenz steigend.
Und Hamburg ist in der Casual Welt ein wichtiger Faktor. Am Mittwoch beginnt hier die dreitägige Branchen-Konferenz Casual Connect Europe 2010 mit rund 1000 Teilnehmern. Die Hansestadt ist schon zum zweiten Mal Gastgeber dieses internationalen Ereignisses - was auch daran liegt, dass sie besonders attraktive Bedingungen für Spielemacher bietet. Die von der Stadt gegründete Public-Private-Partnership gamecity:Hamburg - das größte regionale Netzwerk der Games-Branche in Deutschland - bietet den hier ansässigen Unternehmen nicht nur Beratung und regelmäßige Branchentreffen. Sie hat auch einen Masterstudiengang "Games" an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft initiiert, der neue Fachkräfte hervorbringen soll. Denn an denen mangelt es noch. "Wir haben 150 bis 200 freie Stellen allein in Hamburg", sagt Stefan Klein, der gamecity:Hamburg von städtischer Seite betreut.
100 dieser Stellen sind bei Bigpoint, dem Weltmarktführer bei den sogenannten Browser Games mit Sitz in Eppendorf. Browser Games zeichnen sich dadurch aus, dass man sie nicht herunterladen muss: Sie können nach Registrierung einfach so gespielt werden, kostenlos. Nur wer besonderes Zubehör freischalten will, muss zahlen. "Doch 90 Prozent unserer Nutzer spielen die Gratis-Version", sagt Janine Griffel, Sprecherin von Bigpoint. Mit den restlichen 10 Prozent verdient Bigpont sein Geld - und das nicht schlecht. Für das vergangene Jahr erwartet die 2002 gegründete Firma einen Umsatz von 100 Millionen Euro, die Krise hat sie nicht im Geringsten berührt. "Wenn die Leute wenig Geld haben, leisten sie sich lieber etwas Kleines für ein Spiel als teure Kaufspiele", erklärt Griffel. Mittlerweile zählt Bigpoint 105 Millionen registrierte Spieler in 108 Ländern, jeden Tag kommen 1000 Spieler dazu.
Ähnlich rosig ist die Lage bei Intenium. Der Hamburger Konzern vertreibt seine Spiele sowohl über Online-Plattformen als auch im Handel und ist einer der Marktführer im Bereich Casual Games in Deutschland, den Benelux-Staaten und Skandinavien. 50 Mitarbeiter beschäftigen Intenium-Gründer Konstantin Nikulin und seine drei Teilhaber, sie sitzen in Hamburg und im russischen Kaliningrad. Intenium ist 2009 um 20 Prozent gewachsen. 2008 waren es noch 60 Prozent. Trotzdem ist Nikulin überzeugt: "Die Krise hat uns bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gerade findet eine Marktbereinigung statt, und viele Konkurrenten müssen aufhören. Bei uns läuft es weiter sehr gut." Vier neue Spiele veröffentlicht Intenium pro Woche, Umsätze im zweistelligen Millionenbereich kann das Unternehmen so erwirtschaften. Auch Intenium ist auf Mitarbeiter-Suche.
Beide Konzerne sind auf der Casual Connect als Aussteller vertreten. Viele andere Hamburger Firmen sind ebenfalls dabei. Die Branche wird sicher die Krise diskutieren - und die neuen Trends. Die gehen ganz klar zur Verbindung: mit Multiplayer-Systemen oder anderen Plattformen wie dem I-Phone.
"Die neue Programmiersprache Unity macht es möglich, ein Spiel auf Konsole, PC und I-Phone zu spielen", sagt Griffel. "Man muss dann den Charakter nicht mehr wechseln, sondern kann einfach auf der anderen Plattform dort weitermachen, wo man aufgehört hat zu spielen." Im Sommer will Bigpoint sein erstes mit Unity programmiertes Spiel veröffentlichen.
Intenium hat kürzlich das erste Casual-Spiel auf den Markt gebracht, das online im Multiplayer-Modus gespielt werden kann. "Alamandi" spielt in einer Fantasiewelt, in der der User in Minispielen immer neue Aufgaben bewältigen muss. Das Spiel wird ständig weiterentwickelt und ist schon jetzt ein Renner: Über 100.000 Euro hat Intenium damit bislang umgesetzt. Dabei ist das Spielen kostenlos, nur für Extras wie besondere Ausstattung der Avatare oder der Häuser kann man mit echtem Geld Spielmünzen erwerben.
Das neueste Produkt von Bigpoint heißt "Farmerama" und ist ein Aufbauspiel. Die Spieler müssen ihren eigenen Bauernhof bewirtschaften und dabei verschiedene Aufgaben erfüllen. Auch hier ist die Basisversion kostenlos.
Die Casual Connect findet vom 10. bis zum 12. Februar 2010 im Congress Center Hamburg statt.




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