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Wirtschaft

Deutsche geben im Internet 265 Euro pro Kopf aus

Onlinehandel erzielt in 2009 Rekorde

Versender wie Otto bekommen heute mehr als die Hälfte der Bestellungen über das Netz - und wachsen weiter.

Der Versandhandel in Deutschland erzielte im Jahr 2009 Rekorde.
Foto: picture alliance / dpa Themendie/dpa Themendienst

Hamburg. Der Handel im Internet ist einer der wenigen Wirtschaftsbereiche, die derzeit kräftig zulegen. Insgesamt gaben die Deutschen im weltweiten Netz im vergangenen Jahr 21,7 Milliarden Euro aus, das ist ein Plus von 12,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein neues Rekordhoch.

Pro Kopf kauften die Deutschen 2009 für 265 Euro im Internet, etwa Musik, Bahntickets oder Kleidung. Dies teilte gestern der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) mit, der große Versender wie Otto oder die insolvente Quelle unter seinem Dach vereint, aber auch viele Onlinehändler, die ihre Ware schließlich ebenfalls versenden und daher der Branche zuzurechnen sind.

Den Internetboom machen sich inzwischen immer mehr Firmen zunutze, die ehedem der "Old Economy" zuzurechnen sind. Der Hamburger Schuhhändler Görtz verkauft im Internet inzwischen mehr Schuhe als in seiner größten Filiale und wurde im Herbst sogar zum "Onlineshop des Jahres" gekürt. Der weltweit größte Versandhändler, die Hamburger Otto Group, bietet bereits einige Produkte nur im Internet und nicht mehr per Katalog an. "Seit einigen Monaten bündeln wir unter der Marke Yalook hochwertige Mode in einem Internetshop", sagte Otto-Sprecherin Brita Hemme dem Abendblatt. Mittlerweile bieten mehrere Zehntausend Händler Waren und digitale Produkte im Internet an. "Jeder kann einfach, billig und schnell ein Geschäft gründen", sagte bvh-Vorstand Thomas Lipke. "Das macht den Reiz aus." In Hamburg sind zuletzt auch stark spezialisierte Geschäfte, etwa Rocknshop, ein Anbieter für Heavy-Metal-Fans, oder Louis, ein Händler für Motorradzubehör, im Internet erfolgreich an den Start gegangen.

Insgesamt erhöhte sich der Umsatz im Versandhandel im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent auf 29,1 Milliarden Euro, teilte der bvh mit. Mehr als 53 Prozent des Branchenumsatzes oder 15,5 Milliarden Euro kamen über das Netz, der Rest per Telefon oder schriftlich. "Das ist eine historische Wende, denn damit kamen im vergangenen Jahr mehr Bestellungen über das Internet als über die klassischen Bestellwege", sagte Oliver Claas vom bvh. Weil 2009 gleichzeitig der Umsatz des stationären Einzelhandels rückläufig war, erhöhte sich die Bedeutung des Versandhandels. Er macht jetzt 7,4 Prozent des gesamten Einzelhandels aus, so viel wie noch nie. In zehn Jahren sollen es zehn Prozent sein. Durch neue Endgeräte wie das iPhone von Apple oder soziale Netzwerke wie Facebook erwarten die Versandhäuser weiteres, durch den Onlinehandel getragenes Wachstum. Die Bestellungen im Netz dürften zweistellig wachsen, schätzt der Branchenverband. Damit ergebe sich 2010 zwei Prozent Wachstum für den Versandhandel.

Dagegen bewertet der gesamte Einzelhandel die Perspektiven nach dem Krisenjahr 2009 für dieses Jahr als "bescheiden". Der HDE rechnet 2010 zwar wie bereits im Vorjahr mit einem Umsatz von 392,1 Milliarden Euro. Preisbereinigt würde dies aber einem Minus von einem halben Prozent entsprechen. "Zwar werden wir in diesem Jahr nicht abstürzen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Stefan Genth. "Aber ein Ergebnis auf dem schwachen Vorjahresniveau ist kein Grund zum Jubeln."

Beliebteste Produkte im Versandhandel 2010:

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