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Mutige Anleger setzen auf Angstbarometer "VDax"

Nervosität an den Börsen: Experten erwarten bald kräftige Kursabschläge. Einige Profis setzen deswegen auf das sogenannte Angstbarometer, den "VDax". Der steigt, wenn die Volatilität zunimmt, es also zu starken Schwankungen an den Märkten kommt. Doch maßgeschneiderte Produkte profitieren davon nur selten.

Börsenregeln gibt es wie Sand am Meer. Viele davon halten dem Praxistest aber auf Dauer nicht Stand. Einige sind aber äußerst verlässlich und bewahrheiten sich immer wieder aufs Neue. Dazu gehört der scheinbar unumstößliche Zusammenhang zwischen Kursrückgängen am Aktienmarkt und einem damit einhergehenden Anstieg der so genannten Volatilität. Sie drückt aus, wie stark künftige Kursschwankungen nach Ansicht der professionellen Marktteilnehmer am Terminmarkt ausfallen können. Dabei gilt: Wenn an der Börse Panik herrscht, dann steigt die Volatilität. Ablesen lässt sich dies an Volatilitäts-Indizes wie dem deutschen VDax, dem VStoxx für Europa oder dem VIX in den USA. Während des Crashs im Herbst 2008 haben sich die auch als "Angstbarometer" bezeichneten Indizes in wenigen Wochen vervierfacht. In den vergangenen Monaten kehrte allerdings wieder Ruhe ein und die zunehmende Sorglosigkeit der Anleger ließ die Indizes sukzessive fallen. Erst die aktuellen Rückschläge sorgten nun wieder für die üblichen Aufschläge.

Der verlässliche Zusammenhang reizt. Schließlich würde sich ein Investment in einen dieser Indizes hervorragend eignen, um sich gegen Kursrückgänge abzusichern. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass dies nicht ohne weiteres funktioniert. Eine klassische "Eins-zu-eins-Partizipation" wie beim Dax ist bei den Vola-Indizes nämlich nicht möglich. Folge ist, dass alle bisher unternommenen Versuche, Volatilität irgendwie handelbar zu machen, mehr oder weniger kläglich scheiterten. Goldman Sachs als einer der Vorreiter in diesem Segment, hat sein bereits vor einigen Jahren aufgelegtes und oft fälschlich als "Vdax-Zertifikat" bezeichnetes "Volatilitätskurvenprodukt" wegen einer mehr als ernüchternden Performance längst wieder aus dem Verkehr gezogen.

Und auch andere noch gehandelte Produkte können die hohen Erwartungen der Anleger nicht erfüllen. Das gilt auch für die erst im Dezember von Barclays Capital unter der Marke iPath aufgelegten Exchange Traded Notes (ETNs - vergleichbar mit Zertifikaten) auf den amerikanischen Volatilitäts-Index VIX. Während der VIX in den letzten neun Tagen um beachtliche 35 Prozent angestiegen ist, konnten die beiden Vola-Produkte nur um fünf (Vix Mid Term, WKN: BC1C7R) beziehungsweise acht Prozent (Vix Short Term, WKN: BC1C7Q) zulegen. Noch schlimmer fällt die Bilanz seit Auflegung aus. Gegenüber dem Stand von Mitte Dezember liegt der VIX mit zehn Prozent im Plus. Die beiden ETNs hingegen verzeichnen Kursrückgänge von sieben und 13 Prozent.

Wie die Deutsche Börse bei diesen Zahlen zu der Ansicht kam, dass es Anlegern möglich sein solle, "an der Entwicklung der impliziten Volatilität des S&P 500 Index zu partizipieren", bleibt rätselhaft. Zumal hier lediglich die schon beim Blick auf die historische Rückrechnung erkennbaren Probleme nun auch in der Praxis bestätigt wurden. Bereits da war von einem Gleichlauf zwischen dem Vix und den ausgewählten Vola-Strategien nicht einmal ansatzweise etwas zu erkennen. Als nächster Kandidat versucht nun J.P. Morgan, die Vola-Anhänger zu beglücken. Seit Mitte Januar können Anleger mit zwei "Schmetterlings-Optionsscheine" auf den Euro Stoxx 50 nach Angaben des Emittenten "einfach und transparent in Volatilität investieren". Dabei gibt es sowohl eine Long-Version (WKN: JPM4M4) als auch eine Short-Version (WKN: JPM92M). Streng genommen handelt es sich hier jeweils um zweigeteilte Produkte. Während der ersten Hälfte der gut einjährigen Laufzeit spiegeln sie tatsächlich die Entwicklung bestimmter Vola-Strategien wider. Während der letzten sechs Monate ist dann die Performance des Euro Stoxx 50 von Bedeutung. Anleger, die tatsächlich ausschließlich eine "Vola-Spekulation" eingehen wollen, müssen also darauf achten, sich spätestens im Juli von dem Papier zu trennen.

Dass eine direkte Partizipation an den Vola-Indizes aber auch so nicht gegeben ist, wurde auch hier bereits in den ersten Tagen der Laufzeit deutlich. Obwohl der europäische VStoxx in zwei Wochen um mehr als 25 Prozent gestiegen ist, konnte der "Long-Schmetterling" nur um rund fünf Prozent zulegen. Szenario-Analysen zufolge sollen sich die Scheine mittelfristig aber zumindest von der Tendenz her in die gleiche Richtung wie der Volatilitätsindex bewegen. Möglich machen soll dies eine "Forward Starting Straddle"-Strategie, mit der Anleger darauf setzen, dass die implizite Sechs-Monats-Volatilität im Juli höher (Long) oder tiefer (Short) steht, als dies heute vom Markt erwartet wird. Oder anders: Anleger spekulieren auf die Veränderung der von anderen Investoren "erwarteten Volatilitäten" (übersetzt: "erwartete Schwankungserwartungen"). Und das ist tatsächlich genauso kompliziert, wie es sich anhört, weshalb die Idee zwar einen gewissen Charme hat, aber dennoch alles andere als "einfach und transparent" ist. Fakt ist jedenfalls: "Echte" Partizipationszertifikate auf die bekannten Vola-Indizes gibt es auch weiterhin nicht. Und daran wird sich auch nichts ändern.

Fazit: Das Handeln von Volatilität bleibt ein schwieriges Unterfangen. Bislang konnte keines der Vola-Produkte überzeugen. Weil sich dahinter hochkomplizierte Berechnungen verbergen, ist der Kursverlauf der Papiere für Otto-Normal-Anleger kaum nachvollziehbar. Das gilt auch für die neuen Schmetterlings-Optionsscheine, wenngleich die Chance auf einen zumindest tendenziell ähnlichen Verlauf wie bei der Vola etwas größer erscheinen als bei Vorgängerprodukten.

Quelle: Welt Online

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