Ausstand

Lufthansa-Piloten setzen Streik am Donnerstag fort

Foto: AP

Der eine Streik ist noch nicht zu Ende, da steht schon der nächste an: Am Donnerstag lassen die Lufthansa-Piloten erneut Langstrecken- und Frachtflüge ausfallen. Bisher lässt sich der Konzern nicht von seinen Umbauplänen abbringen.

Berlin/Frankfurt/Main. Kurz vor Ende der mittlerweile neunten Streikwelle bei der Lufthansa hat die Pilotenvereinigung Cockpit zu einem neuen Ausstand am Donnerstag aufgerufen. Betroffen seien Langstrecken- und Frachtflüge, teilte Cockpit am späten Dienstagabend mit. Kurz- und Mittelstreckenflüge sowie Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings würden nicht bestreikt.

Die jüngsten Verhandlungsrunden zur Übergangsversorgung hätten gezeigt, dass es nach wie vor "erhebliche Differenzen" gebe. "Deshalb wurde beschlossen, die für diese Woche geplanten Arbeitskampfmaßnahmen in ihrem Umfang auszudehnen", hieß es weiter. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte am Dienstag ihren Kurzstrecken-Streik vom Vortag auf alle Lufthansa-Verbindungen inklusive der Fernflüge ausgeweitet.

Der auf 36 Stunden angesetzte Ausstand sollte bis Mitternacht dauern. Lufthansa hatte deshalb nach eigenen Angaben von Montag bis Mittwoch knapp 1400 Flüge gestrichen. Betroffen seien rund 150.000 Passagiere. Der Streik am Donnerstag soll den Angaben zufolge von 3 Uhr früh bis Mitternacht dauern.

In der seit Monaten andauernden Tarifauseinandersetzung geht es unter anderem um die Übergangsrenten der 5400 Piloten von Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Hinter den Kulissen schwelt zusätzlich ein erbitterter Streit um den künftigen Kurs des Konzerns. Die Piloten der neuen "Wings"-Familie sollen nicht nach den bislang gültigen Konzerntarifen bezahlt werden. Die Lufthansa hält bislang an ihren Umbauplänen fest. Auf die neue Streik-Ankündigung reagierte Lufthansa nach eigenen Angaben "mit vollkommenem Unverständnis". Damit werde dem Unternehmen und insbesondere seinen Kunden "zum zweiten Mal in dieser Woche großer Schaden (...) zugefügt", teilte ein Konzernsprecher mit.

Obwohl am Dienstag erneut Hunderte Flüge vor allem an den Drehkreuzen Frankfurt und München streikbedingt ausfielen, wird der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns an diesem Mittwoch über das Konzept einer starken Billigflugsparte beraten, wie das Unternehmen noch einmal bestätigte. Nach den bislang bekannten Plänen will Lufthansa-Chef Carsten Spohr eine neue Gesellschaft für billige Langstreckenflüge sowie eine Stärkung der bisherigen Marken Germanwings und Eurowings durchsetzen.

Die Frachtsparte Lufthansa Cargo reagierte insbesondere mit Flugverlegungen, komplett absagen musste sie nach Firmenangaben keinen Frachtflug. Auch der erste Flug der neuen Passagier-Verbindung von München nach Miami startete planmäßig aus der bayerischen Landeshauptstadt. Ein Unternehmenssprecher sagte am Dienstag, der Ersatzflugplan werde planmäßig abgeflogen, in den Terminals sei es entsprechend ruhig zugegangen. Ziel sei ein schneller Neustart des gesamten Netzes nach Streikende um Mitternacht. Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings sowie der Konzerngesellschaften Swiss, AUA und Brussels Airlines waren nicht betroffen.

Den Schaden nach acht Streikrunden hatte Lufthansa auf 170 Millionen Euro beziffert. Kleinteiligen Streit gab es am Frankfurter Flughafen um eine Personalversammlung der Piloten, die Lufthansa nicht auf ihrem Gelände dulden wollte. Die VC kritisierte das als "massive Behinderung der Personalvertretung" und hielt dem Management vor, sich vor den kritischen Fragen der Piloten zu drücken. "Unser Chefpilot hätte gerne an der Versammlung teilgenommen", sagte ein Unternehmenssprecher. Das sei ihm als Chef des Krisenstabs während eines Vollstreiks aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht möglich gewesen.

Die Verhandlungen zwischen der Vereinigung Cockpit und der Fluggesellschaft waren in der Nacht zum Sonnabend erneut gescheitert. Derzeit gehen die Piloten im Durchschnitt mit knapp 59 Jahren in den allein von der Firma bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will diesen Schnitt für Bestandspiloten schrittweise auf 61 Jahre erhöhen. Die VC verlangt auch für neu eingestellte Piloten finanzielle Unterstützung zum Vorruhestand.

Leere Schalter in Hamburg

Der Pilotenstreik bei der Lufthansa hat in Hamburg eineinhalb Tage lang für leere LH-Schalter gesorgt. Am Dienstag mussten wieder zahlreiche Reisende umplanen. Wer mit der Fluggesellschaft nach München oder Frankfurt wollte, für den hieß es "gestrichen". Bis Mitternacht sollten rund 44 Flugverbindungen ausfallen, wie eine Flughafen-Sprecherin am Dienstag berichtete.

Auf Webcams des Flughafens war tagsüber entspannte Leere vor den Check-In-Schaltern der Lufthansa zu sehen. Die meisten Fluggäste hätten sich informiert und rechtzeitig umgeplant, sagte die Sprecherin. Am Montag waren 18 Flüge in Fuhlsbüttel gestrichen worden. Am Flughafen Hamburg gibt es täglich insgesamt 400 Starts und Landungen. Die Piloten hatten ihren eineinhalbtägigen Arbeitskampf von Montagmittag an zuvor angekündigt.