Zahl der Insolvenzen steigt
Mehr und mehr Unternehmen fallen der Krise zum Opfer
Im laufenden Jahr gehen 34.300 Unternehmen in die Insolvenz - Anstieg um 16 Prozent – Schlechte Aussichten für 2010
Die Wirtschaftskrise reißt immer mehr Unternehmen in die Pleite. Die Zahl der Insolvenzen stieg 2009 um 16 Prozent auf 34.300 Fälle, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.
Foto: dpa/DPA
Frankfurt/Main. Die Wirtschaftskrise reißt immer mehr Unternehmen in die Pleite. Die Zahl der Insolvenzen stieg 2009 um 16 Prozent auf 34.300 Fälle, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Jeden Monat gebe es mehr Pleiten. Im kommenden Jahr seien bis zu 40.000 Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Damit werde möglicherweise der bisherige Höchststand von 2003 erreicht. Die Privathaushalte zeigten sich demnach relativ krisenfest: Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen sei mit 98.800 Fällen fast gleichgeblieben.
„Die Risiken der Unternehmen sind dieses und nächstes Jahr sehr hoch“, sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. „Die schlechten Bilanzen, die wir 2009 erwarten, machen wenig Hoffnung, dass sich die Eigenkapital-Ausstattung verbessern wird.“ Hinzu komme die Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe von Krediten. Verantwortlich seien striktere Auflagen der EU und der Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin).
Die Zahl der insolventen Großunternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro stieg nach Angaben der Auskunftei von 60 im Vorjahr auf rund 200 im laufenden Jahr. Höhepunkt sei der Zusammenbruch des Konzerns Arcandor gewesen. Die Insolvenz-Schäden für die Volkswirtschaft erreichten demnach einen Rekordstand: Das Schadensniveau sei um zwei Drittel auf rund 49 Milliarden Euro gestiegen. Den Großteil des Geldes müssten die Gläubiger abschreiben. Die Firmenpleiten hätten 521.000 Arbeitsplätze vernichtet.
Erstmals sein vier Jahren stieg nach Angaben von Creditreform die Zahl der Unternehmensgründungen. Abzüglich der Firmen, die aufgelöst wurden, sei 2009 ein Zuwachs von 107.700 zu verzeichnen. Die Gründer schufen demnach 435.000 Arbeitsplätze. Mit 250.000 Stellen habe der Dienstleistungssektor den größten Beitrag geliefert. Der bisher weitgehend stabile Arbeitsmarkt und eine relativ hohe Sparquote verhinderten laut Creditreform einen deutlichen Anstieg der Verbraucherinsolvenzen. Die erwartete Zunahme der Arbeitslosigkeit werde aber voraussichtlich dazu führen, dass im kommenden Jahr mehr Menschen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen könnten. Derzeit gebe es in Deutschland sechs Millionen überschuldete Personen; sie alle seien von einer Insolvenz bedroht.
Wie sehr die Zahl der Verbraucherpleiten zunehmen wird, hängt unter anderem von den geplanten Änderungen des Insolvenzrechts ab, wie Rödl erklärte. Es sei im Gespräch, die Wohlverhaltenszeit zu verkürzen, also die Phase, in der Privatpersonen während des Verfahrens den Großteil ihrer Einkünfte an Gläubiger abtreten müssen. Würde diese Spanne verkürzt, könnte die Verbraucherinsolvenz attraktiver werden. Bislang rechne Creditreform mit rund 100.000 Fällen im kommenden Jahr. Die Verlängerung der Kurzarbeit und die geplanten Entlastungen für Familien könnten sich dämpfend auswirken.





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