Dienstag, 29. Mai 2012, 12:24

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Info
  • Rechner
  • Ticket kaufen
  • studiVZ
  • meinVZ
Magazin Hafen Magazin Senioren

Wirtschaft

Airbus: Air France nimmt A380 in Empfang

Riesenflieger ausgeliefert, Probleme bleiben

Das Produktionsziel von 13 Maschinen für 2009 gefährdet. Trotz der Krise hat der Flugzeugbauer noch 3400 Aufträge in Bestellbüchern.

Ein Flugkapitän und eine Kopilotin von Air France am Freitag in Hamburg vor dem A380-Riesenflieger. Am Nachmittag hob der für 538 Passagiere ausgestattete jet Richtung Paris ab.
Foto: ddp/DDP

Hamburg. Wenigstens an diesem Tag musste der französische Nationalstolz zurückstehen: Getreu einer zehn Jahre alten Vereinbarung, wonach alle Airbus A380-Jets für Kunden aus Europa und Nahost in Hamburg ausgeliefert werden, hat Air France am Freitag den ersten ihrer Riesenflieger auf Finkenwerder in Empfang genommen. Die Zeremonie fiel denn auch, verglichen mit anderen Erstauslieferungen, eher schlicht aus - und sie begann sogar mit einer kleinen Panne: Gleich nach dem ersten Satz erlitt die Moderatorin der Feier einen Schwächeanfall, die Airbus-Protokollchefin sprang ein.

Trotz des Anlasses und der dazu passenden strahlenden Herbstsonne verschwieg Pierre-Henri Gourgeon, Chef von Air France/KLM, in seiner Rede die Branchenkrise nicht. Jeder A380 ermögliche dem Unternehmen wegen seiner hohen Effizienz eine Einsparung von zwölf bis 15 Millionen Euro jährlich, das sei in dieser Krise hilfreich. Was Gourgeon nicht sagte: Air France nimmt auf eigenen Wunsch zwei ihrer insgesamt zwölf bestellten A380 erst später als ursprünglich vorgesehen ab - wegen der Marktflaute.

Am 20. November soll der am Freitag ausgelieferte Jet den Liniendienst von Paris nach New York aufnehmen, was Air France zum Anlass für eine zweite Feier nehmen will. Insgesamt befinden sich dann 20 Exemplare des doppelstöckigen Luftriesen bei vier Fluggesellschaften in Betrieb.

Airbus hat in diesem Jahr bisher sieben A380 an die Kunden übergeben. Das bereits reduzierte Ziel von 13 Auslieferungen könnte allerdings verfehlt werden, wie Airbus-Chef Thomas Enders am Donnerstagabend vor dem Luftfahrt-Presse-Club und dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten einräumte. Sollten zwei oder drei Fertigstellungen in den Januar 2010 "überschwappen", sei das für das Unternehmen "kein Weltuntergang". Wie Enders sagte, sind zuletzt auch bei der Lackierung in Hamburg Schwierigkeiten aufgetreten. Doch auch die Fertigung der Rumpfsektionen in Hamburg läuft noch nicht reibungslos. Noch immer würden 1000 bis 1200 Beschäftigte aus Deutschland in Toulouse eingesetzt, um an den zur dortigen Endmontagelinie gelieferten Komponenten Nacharbeiten vorzunehmen. Zeitweise waren 2000 Deutsche zu diesem Zweck in Südfrankreich.

Mehr Sorgen muss dem Airbus-Chef derzeit allerdings die Luftfahrtkrise machen. "Die Liquiditätspolster vieler Fluggesellschaften sind dramatisch zusammengeschmolzen", sagte Enders. Damit fehle es auch an dem Geld, mit dem bestellte Jets bezahlt werden sollten. Hinzu kommt, dass sich Banken bei der Vergabe von Großkrediten sehr zurückhalten. Enders zeigte sich sehr zufrieden mit der Unterstützung durch die europäischen Regierungen: "Nachdem im Jahr 2008 rund 20 Prozent unserer Auslieferungen durch staatliche Ausfuhrgarantien abgesichert wurden, sind es in diesem Jahr etwa 40 Prozent."

Angesichts der schwierigen Lage bei zahlreichen Kunden hat Airbus bereits seit Oktober die Produktion des Verkaufsschlagers, der A320-Typenfamilie für Kurz- und Mittelstrecken, von zuvor 36 Flugzeugen im Monat auf 34 zurückgefahren. Enders schloss für das kommende Jahr eine weitere Absenkung nicht aus: "Die Wahrscheinlichkeit für eine Reduzierung ist höher als die für eine Anhebung der Fertigungsrate." Im Hinblick auf ein Ende der Branchenflaute und die dann wieder anspringende Nachfrage wolle man große Ausschläge in den Produktionszahlen aber möglichst vermeiden.

Ohnehin umfasse der Auftragsbestand noch mehr als 3400 Jets, so Enders: "Das ist in einer Krise nicht schlecht."

Die schönsten Fotos von der Übergabe finden Sie im Internet unter www.abendblatt.de/wirtschaft

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus

Weiterführende Links