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Wirtschaft

Quelle: 4000 Mitarbeiter ab November arbeitslos

Größte Kündigungswelle - auch Zulieferer betroffen

Quelle wird im Eiltempo abgewickelt. Abfindungen wird es wohl nicht geben. Die Pleite zieht auch andere Unternehmen in Mitleidenschaft.

Das Quelle Technik-Center in Hamburg-Harburg soll zum Jahresende geschlossen werden.
Foto: Jochen Gipp

Hamburg. Das Tempo der Abwicklung ist hoch. Nach dem überraschenden Aus für das Versandhaus Quelle steht der Bundesagentur für Arbeit jetzt ein Ansturm von mindestens 4000 Arbeitslosen bevor, die noch in diesem Monat ihre Kündigungen erhalten. Für die Betroffenen in Bayern soll eine eigene Anlaufstelle der Arbeitsagentur auf dem Firmengelände eingerichtet werden. Es ist der größte Fall dieser Art in Deutschland seit Jahrzehnten. Bundesweit sind 7000 der insgesamt 10 500 Mitarbeiter der Primondo-Gruppe von der Insolvenz betroffen, zu der neben Quelle auch Spezialversender gehören. Sie erhalten nach jetzigem Stand weder Abfindungen noch sonstige Leistungen. Selbst eine Transfergesellschaft ist bisher nicht geplant, die die Betroffenen auf einen neuen Job vorbereiten würde. Doch die Quelle-Pleite zieht auch andere Unternehmen in Mitleidenschaft. Das Abendblatt hat nachgefragt.

 

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Was geschieht mit den Technik-Centern von Quelle?

Die bundesweit 109 Technik-Center von Quelle sollen bis zum Jahresende geschlossen werden - darunter auch das Haus in Hamburg-Harburg. Das Aus für die Geschäfte wurde bereits im August beschlossen. Der Ausverkauf in Harburg läuft bereits. Viele Artikel sind um mehr als 50 Prozent reduziert. Die Zukunft der rund zehn Mitarbeiter ist ungewiss. Zum Jahresende soll allen gekündigt werden.

Welche Interessen verfolgt die Hamburger Otto Group?

Der weltgrößte Versandhändler Otto ist an Teilen des Konkurrenten interessiert. Vor allem die Spezialversender und das Osteuropageschäft von Quelle sollen in Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter näher untersucht werden, sagte Otto-Sprecher Thomas Voigt. Als erfolgreiche Quelle-Spezialanbieter gelten Baby-Walz (Kinderbekleidung) oder Hess natur (Ökokleidung). Otto will einen Teil der Quelle-Auszubildenden übernehmen. "Das könnte etwa bei Otto-Tochterfirmen wie Sport Scheck in München oder bei Schwab in Hanau sein", sagte Voigt. Alle Quelle-Lehrlinge könne Otto aber nicht aufnehmen.

Wie trifft das Aus den Privileg-Haushaltsgerätehersteller?

Der Haushaltsgerätehersteller Electrolux befürchtet keine nennenswerten Einbußen durch die Pleite seines Großkunden Quelle, sagte eine Unternehmenssprecherin. Von Electrolux stammt ein Großteil der Haushaltsgeräte der Quelle-Eigenmarke Privileg. Der schwedische Konzern beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter in Deutschland. Für Privileg gibt es möglicherweise noch Hoffnung. "Die Marke Privileg ist mittlerweile so bekannt und wertvoll, dass gute Chancen bestehen, für sie einen Käufer zu finden", sagte der Handelsexperte der Fachhochschule Worms, Jörg Funder.

Wie wirkt sich die Quelle-Pleite auf die Post aus?

Die Deutsche Post hatte vor vier Jahren die gesamte Transportlogistik des Konzerns Arcandor übernommen. Insgesamt arbeiten rund 3000 DHL-Beschäftigte in dem Bereich. Das Aus von Quelle wird zu Stellenstreichungen führen. "Wie viele Jobs genau wegfallen, ist noch ungewiss", sagte ein Postsprecher. 200 bis 300 Stellen seien in der DHL-Lagerhaltung direkt betroffen. Durch die Arcandor-Insolvenz fielen wegen rückläufiger Sendungsmengen zuvor bereits 560 Stellen weg - darunter waren 25 Arbeitsplätze in Hamburg sowie 240 in Unna und Holzwickede.

Wie stark sind die Druckereien der Kataloge betroffen?

Europas größter Tiefdruckkonzern Prinovis und die Druckerei Schlott teilten sich bisher den Druck des Quelle-Katalogs. Prinovis stellte den Katalog am Standort Nürnberg her. "Auf die Beschäftigung hat der Wegfall des Auftrags unmittelbar keine Auswirkungen", sagte Unternehmenssprecher Alexander Adler dem Abendblatt. Die Prinovis-Druckstandorte in Ahrensburg und Itzehoe seien gar nicht betroffen. Bei Schlott hieß es: "Das Ende von Quelle wirft uns nicht um, tut aber weh."

Wird der Notkredit des Bundes zurückgezahlt?

Zum Druck des aktuellen Quelle-Katalogs hatten der Bund und die Länder Bayern und Sachsen einen Kredit von 50 Millionen Euro bereitgestellt. Die Rückzahlung ist nach Angaben des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg gesichert. Er soll unter anderem über den Verkaufserlös der Lagerbestände gedeckt werden.

 

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