Fischfang in der Ostsee
Fischer geschockt über erneute Fangquotensenkung für Hering
EU kürzt die Quoten für den Hering im kommenden um 16,5 Prozent. Auch der Fischfang für Sprotten wird um fünf Prozent reduziert.
Foto: picture-alliance
Luxemburg/Freest. Die ostdeutschen Küstenfischer müssen sich im kommenden Jahr erneut auf drastische Fangeinbußen und einen Rückgang der Erlöse einstellen. Die am Dienstag von den europäischen Fischereiministern in Luxemburg beschlossene Senkung der Heringsfangquote für die westliche Ostsee um 16,5 Prozent sei eine Katastrophe vor allem für die kleinen Unternehmen in Vorpommern, sagte der Vorsitzende des Landesverbands der Kutter- und Küstenfischerei, Norbert Kahlfuß. Eine erneute Reduzierung in dieser Größenordnung werde mancher Fischereibetrieb nicht mehr verkraften können.
Die Europäische Kommission hatte ursprünglich sogar für eine Quotensenkung von 21 Prozent plädiert, nachdem Wissenschaftler über einen drastischen Rückgang der Heringslarven berichtet hatten. Bereits in den vergangenen zwei Jahren waren die Fanglimits beim Hering für die ostdeutsche Flotte um 10 beziehungsweise 39 Prozent gekürzt worden.
Die Fischer hätten geschockt auf die Nachricht aus Luxemburg reagiert, sagte Verbands-Vize Michael Schütt, der die Fischereigenossenschaft Freest leitet. Der Hering stelle für die 30 Besatzungen in Freest bislang etwa 75 Prozent des Jahresfangs und bringe fast die Hälfte der Erlöse. „Eine Quotenkürzung um die Hälfte innerhalb von nur drei Jahren wird mindestens ein Viertel unserer Kutterbetriebe nicht überleben“, befürchtete Schütt.
Während zum Beispiel die Fischer in Wismar die Verluste zumindest teilweise durch die erhöhte Dorschquote ausgleichen könnten, stünden viele Stellnetzfischer im Osten vor dem Aus. Besonders hart werde es die Fischer an der Haffküste treffen, warnte Schütt. Mit einer Jahresquote von unter zehn Tonnen je Kutter lohne sich für sie die Fahrt nach Freest zum Löschen des Fangs kaum noch.
Schütt forderte das Land auf, den Fischern jetzt schnell mit Ausgleichszahlungen oder Überbrückungsgeldern zu helfen. Die Fischer seien nicht schuld an der Misere. Denn auch nach Ansicht der Forscher hätten nicht die Überfischung des Herings, sondern offenbar klimatische Veränderungen zum Rückgang der Nachwuchsbestände geführt.
Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete erneut jede weitere Quotenkürzung als inakzeptabel, solange es keinen EU-Managementplan für die Fischerei gebe. Er verwies darauf, dass das Land nur auf Grundlage eines solchen Konzepts Ausgleichszahlungen bei der EU beantragen könne. Mit der Situation der Fischerei will sich ab Mittwoch auch der Landtag befassen. Unterdessen kritisierte die FDP die Landesregierung. Ein Strategiebericht zum Erhalt des Fischereiwesens sei von der Regierungskoalition immer wieder hinausgezögert worden, sagte die agrarpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Sigrun Reese. Die leicht angehobene Dorschquote könne die Verluste beim heimischen „Brotfisch“ Hering nicht annähernd ausgleichen. Stattdessen müsse das Land den Strukturwandel in der Fischerei zum Beispiel durch Pilotprojekte zur Fischnachzucht oder ein effektiveres Kormoranmanagement begleiten. Zudem sollten die Fischer in touristische Wertschöpfungsketten und die Kulturlandschaftspflege eingebunden werden. (ddp)




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