30.06.13

Sozialleistung

Fünf Millionen verzichten aus Scham auf Hartz IV

Forscher der Bundesagentur für Arbeit haben errechnet, dass Millionen Menschen auf Hartz IV verzichten, obwohl sie einen Anspruch haben. Dadurch spart der Staat jährlich bis zu 20 Milliarden Euro.

Foto: dpa

Bundesagentur für Arbeit - Viele stellen aus Scham und Unwissenheit keinen Antrag auf Hilfe
Bundesagentur für Arbeit - Viele stellen aus Scham und Unwissenheit keinen Antrag auf Hilfe

In Deutschland beantragen Millionen sozial schwache Menschen keine Hartz IV-Leistungen, obwohl sie Anspruch darauf hätten. In einer aktuellen Berechnung gehen Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von 3,1 bis 4,9 Millionen Betroffenen in verdeckter Armut aus, wie der Berliner "Tagesspiegel" berichtet.

Umgerechnet verzichteten damit zwischen 34 und 44 Prozent der Berechtigten auf staatliche Unterstützung, also mehr als jeder dritte. Als mögliche Gründe nennen die Forscher in ihrer Studie Unwissenheit, Scham oder eine voraussichtlich nur geringe Leistungshöhe und -dauer.

"Angesichts der entwürdigenden Prozeduren auf den Jobcentern ist es kein Wunder, dass Millionen auf Leistungen verzichten", sagte die Linken-Vorsitzende Katja Kipping der Zeitung. "Die Abschreckung durch Diskriminierung spart dem Staat pro Jahr mindestens 20 Milliarden Euro".

Kipping forderte eine bedarfsdeckende Mindestsicherung ohne Sanktionen anstelle von Hartz IV. Das IAB ist die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit.

DGB: Jeder sechste Arbeitslose rutscht in Hartz IV

Jeder sechste neue Arbeitslose in Bayern rutscht nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) direkt in Hartz IV ab. "Arbeitslosigkeit ist heute für viele gleich existenzbedrohend", kommentierte Landeschef Matthias Jena eine Sonderauswertung der Arbeitslosenzahlen durch den DGB. Danach waren 16,3 Prozent der 420.400 Menschen, die im Jahr 2012 im Freistaat arbeitslos wurden, direkt auf die Grundsicherung angewiesen.

Am stärksten traf es Leiharbeiter – von ihnen geriet fast jeder Dritte direkt in den Hartz-IV-Bezug, statt zunächst Arbeitslosengeld zu bekommen. Dies ist dann der Fall, wenn der Betroffene entweder nicht lange genug berufstätig war, um Ansprüche auf Arbeitslosengeld zu erwerben.

Oder aber er hat so schlecht verdient, dass er ergänzend zu seinem niedrigen Arbeitslosengeld auf Hartz IV angewiesen ist. Jena forderte deshalb die Wiedereinführung jener Regelung, wonach schon nach einer Beitragszeit von drei Jahren ein Versicherungsanspruch von mindestens sechs Monaten galt.

dpa/woz
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. KommentareDrogenkonsumBei Drogen brauchen wir endlich Null-Toleranz
  2. 2. WirtschaftSteuervorteileDiese Deutschen fürchten um ihre Schweizer Milliarden
  3. 3. Webwelt & TechnikAlternative DiensteSo entkommen Sie dem Google-Monopol
  4. 4. PanoramaAbschied"Tugçe hat immer den Mund aufgemacht"
  5. 5. KommentareKriseDer italienische Patient gefährdet Europas Zukunft
Top Video Alle Videos

Ein Hafenarbeiter blickt von einer Containerbrücke am Burchardkai auf die „Christophe Colomb“ von CMA CGM. Das Unternehmen hat jetzt die OPDR gekauft.
Brightcove Videos

Die Oldenburg-Portugiesische Dampfschiffs-Rhederei wird vom französischen Reeder CMA CGM übernommen. Ob das Unternehmen den Hauptsitz in Hamburg behält, ist nicht klar. 300 Jobs sind betroffen. mehr »

Top Bildergalerien mehr
Seevetal

Einfamilienhaus in Fleestedt in Flammen

Marodes Bauwerk

Brückensprengung mitten in Schwerin

Niedersachsen: Weihnachtshaus mit 400.000 Lichtern

Champions Leauge

CL: Der 5. Spieltag für die deutschen Teams

tb_reisemarkt.jpeg
Der Reisemarkt

Aktuelle Reise- und Urlaubsangebotemehr

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr