ZEW-Konjunkturerwartung für Deutschland
Experten rechnen mit baldigem Wachstum
Die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung von Finanzexperten auf gutem Weg aus der schwersten Rezession der Nachkriegszeit.
Mannheim. Die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung von Finanzexperten auf gutem Weg aus der schwersten Rezession der Nachkriegszeit. Angesichts anziehender Exporte und steigender Auftragseingänge beurteilten Analysten und Anleger die Konjunkturaussichten im August so gut wie zuletzt vor mehr als drei Jahren. Immer mehr Fachleute befürchten allerdings eine zweite Runde der Wirtschaftskrise in Deutschland.
Wie das ZEW am Dienstag mitteilte, verbesserten sich die Konjunkturerwartungen überraschend deutlich um 16,6 Punkte auf 56,1 Punkte. Auch die Bewertung der aktuellen Lage legte zu. Laut ZEW hat das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um 0,3 Prozent im zweiten Quartal den Einschätzungen der Finanzmarktexperten Auftrieb gegeben. Ein deutlicher Anstieg der Auftragseingänge und wieder anziehende Exporte sorgten dafür, dass sich die Konjunkturaussichten für Deutschland weiter aufhellten.
„Zur Euphorie besteht allerdings kein Anlass. Die deutsche Konjunktur entwickelt sich synchron zur weltweiten Konjunktur und dürfte sich daher nur allmählich erholen,“ erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.
Wachstum im zweiten Halbjahr erwartet
Nach Einschätzung von Volkswirten der Commerzbank dürften die positiven Wirtschaftsdaten der vergangenen Wochen ein wichtiger Grund für den Anstieg der Konjunkturerwartungen gewesen sein. Die Commerzbank-Experten rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Halbjahr kräftig wachsen wird.
Auch Experten der NordLB zeigten sich zuversichtlich. „Die heutigen Zahlen aus Mannheim stützen die Einschätzung, dass die deutsche Wirtschaft den Weg aus der Rezession gefunden hat und sich im zweiten Halbjahr in einer Aufwärtsbewegung befindet“, erklärten sie.
Auch Unicredit rechnet mit einem Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten in Deutschland. Das ZEW befragt monatlich Analysten und institutionelle Anleger nach ihren mittelfristigen Erwartungen zu Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung.
Belastungen durch Insolvenzen
Allerdings schließen Ökonomen eine zweite Runde der Wirtschaftskrise in Deutschland nicht aus. Professor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim sagte der AP, viele Unternehmen hätten teils riskante Strategien gefahren. Wenn sie nun in Insolvenz gingen, verlören die Banken ihr Geld. „Das heißt, die Krise geht in die Fläche, auch in die kleinen Banken“, erläuterte der Wirtschaftswissenschaftler.
Der Experte sieht zudem eine weitere Krise im Anmarsch, „die Krise des Staates“. Die Frage sei, wie die Staaten mit der immensen Verschuldung, die im Zuge der Finanzmarktkrise aufgebaut wurde, umgehen werden. „Wir bekommen die Krise in mehreren Wellen.“
Auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise warnte in der „Bild“-Zeitung davor, die Folgen der Firmeninsolvenzen zu unterschätzen. „Die Belastung durch Insolvenzen und Kreditausfälle wird in einer zweiten Welle kommen.“ Dennoch werde die zweite Bankenkrise nicht das Ausmaß der ersten Finanzkrise haben.
Professor Rudolf Hickel vom Bremer Institut Arbeit und Wirtschaft sagte der „Bild“ zudem: „Die Krise der Mittelständler, die sich bei Banken Kredite geliehen haben, schlägt jetzt vor allem auf die Sparkassen und Volksbanken durch.
Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, sagte der Online-Ausgabe des „Handelsblatts“: „Erfahrungsgemäß treten die Pleiten und Privatinsolvenzen mit Verzögerung auf, so dass deren kräftigster Anstieg eventuell erst im kommenden Jahr zu erwarten ist“. (AP/abendblatt.de)
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