01.03.13

Allianz gegen Amazon

Buchhändler bringen eigenen E-Book-Reader

Mit einer beispiellosen Allianz attackieren deutsche Buchhändler den US-Konkurrenten – und bringen in den kommenden Tagen einen gemeinsamen E-Book-Reader auf den Markt. Amazon soll sich warm anziehen.

Von Thomas Heuzeroth
Foto: dpa

Nina Hugendubel zeigt den neuen neuen „tolino shine“-Reader: Er soll Amazon das Fürchten lehren
Nina Hugendubel zeigt den neuen "tolino shine"-Reader: Er soll Amazon das Fürchten lehren

Mit einer Allianz stellt sich der deutsche Buchhandel gegen den Online-Händler Amazon. In einer beispiellosen Aktion haben sich die Deutsche Telekom und die Buchhändler Thalia, Weltbild/Hugendubel, buecher.de, buch.de, bol.de und Club Bertelsmann zusammengetan, um künftig im Markt für E-Books auch gegen internationale Marktführer bestehen zu können.

Derzeit wird dieser Markt von Amazon dominiert. Die neue Allianz vereint nach eigenen Angaben zwischen 30 und 40 Prozent des deutschen E-Book-Marktes auf sich. Amazon liegt über 40 Prozent.

"Heutzutage muss jeder überlegen, wo seine strategische Ausrichtung und sein strategisches Interesse liegen und welche Partner dafür die richtigen sind, um sich gegenüber den mächtigen amerikanischen Online-Giganten zu behaupten", sagte Michael Busch, Chef der Thalia Holding.

Bislang hatten die stationären Buchhändler dem US-Konkurrenten Amazon nicht viel entgegenzusetzen.

Zwar verkaufen die deutschen Buchhändler E-Reader, mit denen Nutzer E-Books darstellen können. Doch bislang waren diese Geräte dem Kindle von Amazon unterlegen.

Das gilt für den Bokeen von Thalia, nachdem das Unternehmen bereits das erfolglose Vorgänger-Gerät Oyo und auch eine Zusammenarbeit mit Sony aufgegeben hatte, und das gilt auch für den eBook Reader 4 von Hugendubel und Weltbild. Mit einem neuen Lesegerät unter der Marke "tolino shine" soll sich das nun ändern.

Neues Gerät mit Beleuchtung

Ähnlich wie der Kindle Paperwhite von Amazon hat auch der tolino ein berührungsempfindliches sechs Zoll großes E-Ink-Display mit integrierter Beleuchtung. Der Akku soll sieben Wochen durchhalten.

Auf dem Gerät lassen sich bis zu 2000 E-Books speichern. Im Unterschied zum Amazon-Gerät kann der Speicher sogar mit einer SD-Karte erweitert werden. Der Preis wird bei etwa 100 Euro liegen.

"Die Nutzung digitaler Medieninhalte wächst rasant", sagte Carel Halff, Chef bei Weltbild. "Die Zukunft der deutschen Buchbranche soll auch weiterhin bei uns liegen und nicht in den Händen börsennotierter amerikanischer Konzerne", sagte Halff.

Tatsächlich wächst der E-Book-Markt auch in Deutschland schnell. Lasen vor zwei Jahren nur vier Prozent der Deutschen digitale Bücher auf mobilen Endgeräten, so sind es nach den Zahlen des Hightech-Verbandes Bitkom inzwischen elf Prozent, was etwa acht Millionen Menschen entspricht.

Der Verkauf von E-Readern steigt in Deutschland steil an. Der Bitkom geht davon aus, dass im vergangenen Jahr etwa 800.000 dieser Geräte verkauft wurden, eine Steigerung um fast 250 Prozent zum Vorjahr. Auch in diesem Jahr werde der Absatz stark zunehmen.

Der deutsche Markt hat offenbar Nachholbedarf. Der Technologie-Marktforscher iSuppli geht davon aus, dass weltweit die Zahl der verkauften E-Reader schon wieder zurückgeht. Schon im vergangenen Jahr sei der Absatz um mehr als ein Drittel eingebrochen, heißt es.

Grund dafür seien die stetig fallenden Preise für Tablets. Käufer entschieden sich eher für diese Geräte, auf denen ebenfalls elektronische Bücher gelesen werden können. Die Nachteile sind aber deutlich kürzere Batterielaufzeiten, ein höheres Gewicht und Displays, die bei Sonneneinstrahlung kaum noch zu lesen sind.

Verkauf ab 7. März

Der tolino shine wird ab 7. März bei Thalia, Weltbild, Hugendubel, Club Bertelsmann und in den Telekom-Shops zu kaufen sein. Die Zusammenarbeit mit der Telekom ermöglicht eine Cloud-Lösung, bei der einmal gekaufte Bücher kostenlos im Internet gespeichert und jederzeit auf beliebige Endgeräte geladen werden können.

Nutzer haben Zugriff auf ihre Bücher, sobald sie in ein Wlan-Hotspot eingebucht sind. Die 11.000 Hotspots der Telekom sind für sie kostenlos nutzbar. Das Herunterladen eines Buches dauert nur wenige Sekunden. Eine Version mit Mobilfunkempfang gibt es anders als bei Amazon nicht.

Die Auswahl an E-Books steigt stetig. Zum Start sind 300.000 deutschsprachige E-Books für den tolino verfügbar. Der Kindle kann nach Amazon-Angaben auf 140.000 deutschsprachige Bücher zugreifen, international sogar auf 1,5 Millionen Werke, von denen die meisten englischsprachig sind.

Die nun vorgestellte Allianz ist nach Angaben aus dem Umfeld der teilnehmenden Unternehmen von den Juristen im Detail überprüft worden, damit die Wettbewerbsbehörden keinen Anstoß nehmen. "Wir sind Konkurrenten und wollen Konkurrenten bleiben", sagte Weltbild-Chef Halff.

Jeder der Partner sei frei im Marketing und bei der Festlegung der Preise. "Das alles berührt das Kartellrecht nicht", sagte Halff.

Tatsächlich wird jeder der Partner seinen eigenen E-Book-Shop auf den Geräten unterhalten. Unabhängig davon, bei welchem Händler das E-Book gekauft wird, lässt es sich immer auf dem tolino darstellen.

Amazon hingegen setzt auf das eigene E-Book-Format AZW. Elektronische Bücher, die bei Amazon gekauft wurden, lassen sich nur auf dem Kindle oder auf Kindle-Applikationen für Tablets und Smartphones lesen.

Buchhandel in der Zwickmühle

Stationäre Buchhändler befinden sich derzeit in einer Zwickmühle. Immer mehr Menschen steigen auf E-Books um. Mit eigenen E-Readern, die in den Buchhandlungen verkauft werden, versuchen sie, an diesem Trend teilzuhaben.

Damit beschleunigen sie aber diese Entwicklung. Thalia musste beispielsweise zuletzt immer wieder Buchläden schließen oder verkleinern. Auch Hugendubel musste Standorte aufgeben.

Nach den Zahlen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels sind die Umsätze im stationären Geschäft im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent zurückgegangen. In den USA zeigt sich der Wandel noch viel schneller, nicht zuletzt wegen der fehlenden Buchpreisbindung. Bereits 2011 musste dort die zweitgrößte US-Buchhandelskette Borders mit 400 Läden schließen.

Obwohl E-Books in Deutschland meist nicht billiger sind als gedruckte Bücher, steigt der Absatz der elektronischen Werke steil an. Nach den Zahlen von Media Control wurden 2011 hierzulande knapp fünf Millionen E-Books verkauft. Im vergangenen Jahr waren es schon 12,3 Millionen E-Books, ein Plus von 150 Prozent.

Trotz des schnellen Wachstums ist in Deutschland noch viel Platz nach oben. Denn insgesamt machen E-Books nur etwa zwei Prozent am Gesamtbuchmarkt aus. Um den Absatz zu steigern, fordert der Bitkom eine Gleichbehandlung digitaler und physischer Bücher. Denn während für gedruckte Bücher in Deutschland der reduzierte Mehrwertsteuersatz gilt, werden für E-Books der Normalsteuersatz von 19 Prozent fällig.

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