28.02.13

Günther Kollmar

Eigentümer von Deutschlands größter Brauerei tot

Der langjährige Chef und Eigentümer der Oettinger-Gruppe ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Kollmar scherte sich wenig um die Branchenregeln. Oettinger ist Deutschlands meistverkauftes Bier.

Von Carsten Dierig
Foto: dpa

Günther Kollmar, der Gründer der Oettinger-Brauerei
Günther Kollmar, der Gründer der Oettinger-Brauerei

Der Eigentümer von Deutschlands größter Brauerei ist tot. Günther Kollmar, lange Jahre Chef und zuletzt Vorsitzender des Beirats von Billiganbieter Oettinger, starb am Dienstag mit 75 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit.

"Zögerlichkeit und Klugheit sind geeignet, Geschaffenes zu bewahren. Nur aber die Kühnheit gestaltet und ist in der Lage, Neues zu erwerben", steht in seiner Todesanzeige, die das Unternehmen auf der Startseite der Oettinger-Homepage gestellt hat.

Mit dieser Kühnheit hat Kollmar das Unternehmen seit seinem Einstieg im bei Oettinger im Jahr 1961 groß gemacht. Seit 2004 schon ist Oettinger die meistgetrunkene Biermarke in Deutschland.

5,9 Millionen Hektoliter hat die Brauerei im vergangenen Jahr verkauft, mit alkoholfreien Getränken und dem Lohnfüllgeschäft waren es sogar 7,5 Millionen, meldet das Fachmagazin "Getränke Inside". Das schafft hierzulande kein anderes Bier.

Verfolger Krombacher Pils kommt auf 5,4 Millionen Hektoliter, das drittplatzierte Bitburger Pils auf gut vier Millionen Hektoliter. Zwar hat Oettinger im vergangenen Jahr fast fünf Prozent beim Absatz eingebüßt. Das aber erklärt sich auch mit dem Jahren schwächelnden Biermarkt. 2012 wurde hierzulande so wenig Bier getrunken wie zuletzt zu zeiten der Wiedervereinigung.

Oettinger punktet über den Preis

Verkaufsargument Nummer eins für Oettinger ist der Preis. "Unser Preis ist unsere Werbung", soll Kollmar einst gesagt haben. Fünf bis sieben Euro kostet heute eine Kiste mit 20 Halbliterflaschen – das ist teilweise halb so viel wie die großen Fernsehbiere verlangen.

Denn die Bayern scheren sich nicht um die sonst üblichen Regeln der Branche. Es gibt weder Werbung noch Sponsoring, die Flaschen und Kisten sind vom Design her wenig anspruchsvoll. Oettinger beliefert Super- und Getränkemärkte ohne Zwischenhändler mit einer eigenen Lastwagenflotte und verzichtet auf das übliche, aber teure Gastronomiegeschäft.

Oettinger beherrscht die Kunst des Weglassens

Lediglich im "Goldenen Ochsen" in Oettingen selbst gibt es das dort gebraute Bier vom Fass. "Das System Oettinger basiert auf der Kunst des Weglassens", sagt Sohn Dirk Kollmar, der seinen Vater vor einigen Jahren an der Spitze des Unternehmens abgelöst hat. Und das sei nicht aus der Not geboren, sondern über Jahre hinweg gelernt. "Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche – den Inhalt der Bierflasche. Leider werden wir dadurch oft und gerne in die Schmuddelecke gestellt."

Tatsächlich hat Oettinger nicht gerade das beste Image in der Bierwelt. Oettinger zerstöre die deutsche Bierkultur, kritisierten die Brauereichefs. Doch Günther Kollmar hat derlei Kritik stets gelassen genommen. "Wir haben als Bierbrauer keinen kulturellen Auftrag", lautete seine Antwort. Gekümmert hat sich Kollmar dennoch.

Zu seinem 75. Geburtstag im Oktober vergangenen Jahres hat er eine Million Euro in eine Stiftung für den Berufsnachwuchs gesteckt. Aufhebens hat er nicht gemacht darum. "Es genügt, wenn man sagt, ich hätte meine Pflicht getan", steht in seiner Todesanzeige. Es sei sein Lieblingszitat von Friedrich II., dem König von Preußen. "Auch ich will das so verstanden wissen."

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