27.02.13

Sal. Oppenheim

Bankraub von innen? Top-Manager vor Gericht

Das Verfahren gegen die früheren Eigentümer der Privatbank Sal. Oppenheim gilt als einer der größten Wirtschaftsprozesse der Nachkriegszeit. Sie sollen ihr eigenes Haus um Millionen gebracht haben.

Von Hagen Seidel
Foto: dpa

Bankhaus Sal. Oppenheim: die persönlich haftenden Gesellschafter (v.l.n.r.): Friedrich Carl Janssen, Christopher Freiherr von Oppenheim, Dieter Pfundt und Matthias Graf von Krockow. In Köln beginnt der Strafprozess wegen Untreue in besonders schwerem Fall gegen die frühere Führung der Bank und einen Immobilienunternehmer
Bankhaus Sal. Oppenheim: die persönlich haftenden Gesellschafter (v.l.n.r.): Friedrich Carl Janssen, Christopher Freiherr von Oppenheim, Dieter Pfundt und Matthias Graf von Krockow. In Köln beginnt der Strafprozess wegen Untreue in besonders schwerem Fall gegen die frühere Führung der Bank und einen Immobilienunternehmer

Sie gaben sich als sicherer und diskreter Hort für die ganz großen Vermögen der ganz reichen Familien. Still vermehrte die Privatbank Sal. Oppenheim seit 1789 in Köln die Milliarden ihrer Kunden und ihre eigenen. Doch mit der Sprachlosigkeit nach außen ist es seit dem spektakulären Absturz der Bank und vor allem ihrer ehemaligen Eigentümer vorbei.

Seit Mittwoch sitzen Matthias Henning Graf von Krockow, Christopher Alfred Freiherr von Oppenheim und die anderen ehemals persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses wegen des Verdachtes auf gemeinschaftliche Untreue auf der Anklagebank der 16. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichtes.

Zu Beginn des Strafprozesses erhob die Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe gegen die Angeklagten. Die Oberstaatsanwälte Gunnar Greier und Torsten Elschenbroich listeten mehrere Fälle auf, in denen sich die Bankenchefs auf Kosten der Bank bereichert haben sollen.

Was ihnen vorgeworfen wird ist eine Art Bankraub von innen: Sie sollen ihr eigenes Institut, das inzwischen der Deutschen Bank gehört, bei seltsamen Immobiliengeschäften um rund 143 Millionen Euro erleichtert haben. Wegen möglicher Beihilfe muss sich Josef Esch verantworten, der Initiator der berühmt-berüchtigten Oppenheim-Esch-Fonds.

Es wird einer der größten Wirtschaftsprozesse der Nachkriegsgeschichte: Schon jetzt sind 78 Verhandlungstage angesetzt, der erste am Mittwoch, der zunächst letzte am 19. Dezember. Fortsetzung nicht ausgeschlossen. Und die früheren Bank-Eigentümer werden wohl an jedem Tag anwesend sein und antworten müssen.

Tatort Frankfurt

Um 76 Millionen Euro sollen Krockow und Co. ihr eigenes Unternehmen bei einem Immobilienkauf geschädigt haben. Anfang 2007 hatten die Oppenheim-Eigentümer den Kaufvertrag für ein Gebäude unterschrieben, es mit Krediten von Sal. Oppenheim finanziert und schließlich vermietet – an Sal. Oppenheim.

Die Bank habe hohe Summen investieren müssen, "ohne jedoch einen entsprechenden Gegenwert zu erhalten", heißt es bei der Staatsanwaltschaft Köln. Der Schaden – also die Differenz zwischen den Investitionen der Bank und dem tatsächlichen Wert der Immobilie – liege bei 76 Millionen Euro.

Die Angeklagten hätten diesen Deal eingefädelt "in dem Bewusstsein, die Bank damit zu schädigen". Und das sei gemeinschaftliche Untreue in einem besonders schweren Fall.

Tatort Köln

Drei der Bank-Eigentümer kauften eine Villa "für die Bank zu einem überhöhten Kaufpreis" und renovierten sie aufwendig. So aufwendig, dass man für die Umbaukosten die Villa zweimal hätte kaufen können.

Die Immobilie wurde dann an Angehörige eines der Angeklagten vermietet – der aber die vereinbarten drei Millionen Euro Baukostenanteil niemals bezahlte. Zudem sei die Miete laut Staatsanwaltschaft viel zu niedrig gewesen. Es entstand ein Schaden von 8,6 Millionen Euro.

Ebenfalls in Köln mieteten die Angeklagten "zu für die Bank nachteiligen Vertragsbedingungen" ein Bürohaus und bauten es aufwendig um. Die vereinbarte Miete hat laut Staatsanwaltschaft etwa beim Doppelten der ortsüblichen Miete gelegen, der Mietvertrag lief 30 Jahre.

Hinter der Grundstücksgesellschaft, die das Haus vermietete, standen unter anderem drei der Oppenheim-Gesellschafter. Schaden für die Bank: 59 Millionen Euro. Plus fünf Millionen für abgerechnete Umbauarbeiten, die es laut Staatsanwaltschaft niemals gegeben hat.

Angeklagte beteuern Unschuld

Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Die Angeklagten beteuern – soweit sie sich bisher geäußert haben – ihre Unschuld.

Für den Prozess sind zwei Anklagen zusammengefasst worden. Eine dritte Anklage wurde am Dienstag veröffentlicht, wird aller Voraussicht nach aber erst später in einem gesonderten Verfahren behandelt.

Den Beschuldigten wird darin zusätzlich vorgeworfen, die Bank mit unzulässig riskanten Krediten um insgesamt rund 460 Millionen Euro geschädigt zu haben. Die Anklage lautet daher nun auch auf Verstoß gegen das Kreditwesengesetz und Beihilfe dazu.

Millionen-Kredit über "Strohmanngesellschaft"

Sie befasst sich unmittelbar mit den Geschehnissen, die zum Beinahe-Kollaps des über 200 Jahre alten Traditionshauses und zu seiner Übernahme durch die Deutsche Bank im Jahr 2010 geführt hatten. Es geht um den Einstieg bei Arcandor (früher KarstadtQuelle). Als der Handelskonzern 2009 pleite ging, waren auch die scheinbar unerschöpflichen Reserven von Sal. Oppenheim aufgebraucht.

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft der ehemaligen Bankführung vor, der Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz 2005 "einen Kredit in Höhe von 380 Millionen Euro über eine (...) Strohmanngesellschaft (...) gewährt zu haben". Dabei hätte die Bankspitze laut Staatsanwaltschaft wissen müssen, dass "mit einem vollständigen Ausfall des unzureichend besicherten Kredits zu rechnen war".

Drei Jahre später hätten die vier persönlich haftenden Gesellschafter der schwer angeschlagenen Arcandor AG zudem weitere ungesicherte Kredite gewährt. Außerdem habe die Bank eine Kapitalerhöhung des Handelskonzerns übernommen – ohne konkretes Sanierungskonzept. Der Schaden für die Bank laut Staatsanwaltschaft: knapp 80 Millionen Euro.

Sal. Oppenheim Prozess
Foto: dpa Sabine Grobecker ist Richterin im Sal. Oppenheim-Prozess
mit dpa
Themen
Die fünf Angeklagten
  • Matthias Graf von Krockow (63)

    trat 1984 in die Kölner Traditionsbank ein und wurde einer der vier persönlich haftenden Gesellschafter (phG). Seit 1998 war er deren Sprecher. Unter seiner Geschäftsführung gelang der Sprung an die europäische Spitze. Nach Fehlspekulationen und einem Milliarden-Verlust 2009 brach Sal. Oppenheim fast zusammen, wurde Anfang 2010 von der Deutschen Bank gekauft. Krockow verließ die Bank Heiligabend 2009.

  • Christopher Freiherr

    von Oppenheim (47) war ebenfalls phG und verantwortete das exklusive Privatkundengeschäft. Er ist Ururururenkel des Bankengründers und wollte das Geldhaus in Krisenzeiten radikal verkleinern, um die Unabhängigkeit zu wahren. Das scheiterte am nötigen Kapital. Er ging Anfang 2010.

  • Friedrich Carl Janssen (68)

    kam 2002 zu Sal. Oppenheim und war seit 2004 für das Risikomanagement zuständig. Der phG wurde vier Jahre später vorübergehend Aufsichtsratschef beim angeschlagenen Konzern Arcandor, bei dem die Bank im großen Stil eingestiegen war. Janssen galt als wichtiger Stratege des Geldhauses.

  • Dieter Pfundt (60)

    war als vierter phG Chef des Investmentbankings. In den Krisenjahren machte sein Investmentgeschäft hohe Millionenverluste. Die Deutsche Bank übernahm die Vermögensverwaltung mit den reichen Kunden, das Investmentbanking wurde aber an eine australische Bank verkauft.

  • Josef Esch (56)

    ist Immobilienunternehmer aus Troisdorf bei Bonn und galt als wichtiger Berater und Partner von Sal. Oppenheim. Mit der Bank legte der gelernte Maurerpolier Dutzende Fonds auf. Er ist Geschäftsführer der weit verzweigten Oppenheim-Esch-Holding, zu deren Projekten etwa die Veranstaltungshalle Lanxess Arena in Köln oder die dortigen Messehallen gehören. dpa

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