07.02.13

Druckmarkt Prinovis schließt 2014 Tiefdruckerei in Itzehoe

Prinovis-Großdruckerei Itzehoe schließt

Foto: dpa

Prinovis-Großdruckerei Itzehoe schließt Foto: dpa

Rund 1000 Beschäftigte verlieren Jobs. Standort sei nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Bürgermeister spricht von "schwarzem Tag".

Itzehoe/Hamburg. Im angespannten Druckmarkt in Europa kommt es in Deutschland zu einem weiteren Einschnitt. Am Druckstandort Itzehoe in Schleswig-Holstein schließt der Prinovis-Konzern in der zweiten Jahreshälfte 2014 ein Werk mit rund 1000 Mitarbeitern. Der Schock darüber saß am Mittwoch tief: bei den Mitarbeitern und der Gewerkschaft Ver.di, bei der Regierung in Schleswig-Holstein sowie den Politikern im Kreis Steinburg. In der Tiefdruckerei werden unter anderem Magazine wie "Spiegel" und "Stern" hergestellt.

"Die Druckerei in Itzehoe ist nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben", sagte der Prinovis-Vorstandschef Bertram Stausberg. Die konzerneigenen Druckereien seien im Durchschnitt nur zu 80 Prozent ausgelastet und damit mittel- und langfristig nicht wirtschaftlich zu betreiben. Itzehoe habe die mit Abstand höchsten Stückkosten aller Prinovis-Standorte und verfüge über die mit Abstand schlechteste Prognose, teilte das Unternehmen mit. Es erzielt insgesamt rund 600 Millionen Euro Umsatz.

Die Überkapazitäten im europäischen Druckmarkt - es gibt mehr Maschinenkapazität als Nachfrage nach Druckereierzeugnissen - haben sich somit auch auf Prinovis ausgewirkt.

"Die Marktbereinigung ist seit einigen Jahren im Gange", sagte Stausberg. Er erwartet, dass nach der Schließung dauerhaft rund 20 Millionen Euro eingespart werden können. Die aktuellen Restrukturierungskosten beliefen sich auf einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag.

Die geplante Schließung im Sommer 2014 ergibt sich aus der Kündigung eines Beschäftigungs-Sicherungsvertrages bis 2015 sowie gesetzlichen und individuellen Kündigungsfristen. Das Weihnachts- und Urlaubsgeld, auf das die Mitarbeiter für 2012 und 2013 vertraglich verzichtet hatten, muss nun gezahlt werden.

Die Druckaufträge für Itzehoe sollen auf die anderen Prinovis-Standorte verteilt werden. Wo es logistisch sinnvoll ist, bietet sich Ahrensburg nahe Hamburg als Ausweichstandort an. 74,9 Prozent der Prinovis-Anteile gehören dem Bertelsmann-Konzern, der Rest der Axel Springer AG, in dem auch das Hamburger Abendblatt erscheint.

Prinovis will mit den Arbeitnehmervertretern über einen Interessensausgleich und Sozialplan verhandeln. Den Unternehmensangaben zufolge verlieren 750 Mitarbeiter und rund 250 Leiharbeitskräfte ihren Job im Betrieb. Die Gewerkschaften sprechen sogar von insgesamt 1100 Beschäftigten.

Die Mitarbeiter würden zum Opfer einer unverantwortlichen Unternehmensstrategie, sagte der stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Frank Werneke in Berlin. "Wir sind innerlich total aufgewühlt. Es reibt uns auf, dass die Schließung aufgrund von Planzahlen geschieht", sagte der Betriebsratsvorsitzende Stefan Lützen, seit 24 Jahren im Betrieb. Er warf der Unternehmensleitung fehlendes Entgegenkommen vor. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) will sich dafür einsetzen, dass möglichst viele Arbeitsplätze gerettet werden. Itzehoes Bürgermeister Andreas Koeppen sprach von einem rabenschwarzen Tag für die Stadt und die Region.