31.01.13

Biosprit

Für ihre Unlust auf E10 müssen Autofahrer teuer bezahlen

Nach zwei Jahren liegt der Absatz von E10 nur bei knapp 15 Prozent – 90 Prozent der Autos könnten es aber tanken. ADAC rät dazu.

Von Claus-Peter Tiemann
Foto: DPA
Biosprit E10
Umstrittener Biokraftstoff E10: Inzwischen rät selbst der kritische ADAC den Autofahrern, den umstrittenen Biosprit zu tanken, falls ihr Auto dafür freigegeben ist

Hamburg. Die deutschen Autofahrer lassen auch zwei Jahre nach der Einführung des umweltfreundlichen Superbenzins E10 den neuen Kraftstoff nicht in die Tanks – und verschenken damit hohe Millionenbeträge. Inzwischen rät selbst der kritische ADAC den Autofahrern, den umstrittenen Biosprit zu tanken, falls ihr Auto dafür freigegeben ist. "Bei einem Preisunterschied von in der Regel vier Cent zum klassischen Superbenzin sind die Einsparmöglichkeiten hoch", sagte ADAC-Experte Christian Laberer.

Entwarnung also beim Biosprit von der stärksten Macht der deutschen Autofahrerlobby. Das sah vor zwei Jahren bei der Einführung ganz anders aus. Als "Ökoplörre" wurde der neue klimafreundlichere Sprit verdammt. Nicht einmal zehn Prozent der Benziner-Fahrer packten damals E10 in den Tank. Die Industrie hatte mit einem Anteil von 90 Prozent gerechnet. Das hätte der Zahl der für E10 freigegebenen Autos entsprochen.

Super E10 enthält zehn Prozent klimafreundliches Bioethanol. Das bis dahin übliche Super E5 hat nur fünf Prozent davon beigemischt. Es wurde bei der Umstellung in großen Teilen des Landes im Januar und Februar 2011 praktisch über Nacht von E10 ersetzt.

Drei große Bedenken gab es bei den Autofahrern aber gegen den neuen Sprit, der ohne große Werbung eingeführt wurde. 64 Prozent der Fahrer ärgerte in einer Umfrage des Verbandes der Ölindustrie MWV der höhere Verbrauch: Weil Bioethanol weniger Energie enthält als Benzin aus Öl, steigt der Verbrauch. 52 Prozent fürchteten die angeblichen Motorschäden. Aber 37 Prozent erklärten, nicht bevormundet werden zu wollen.

Anfang 2011 war dann die Hochzeit der Wutbürger: Der Kampf um den Stuttgarter Tiefbahnhof fesselte das ganze Land. Offenbar gab es auch unter Autofahrern solche Gefühle: In Blogs schimpften Fahrzeughalter, das "Gebräu kommt mir nicht in den Tank" und so weiter.

Für die Ölkonzerne wurde die Verweigerung zum Desaster. Die Wut-Fahrer wechselten im großen Stil zum teuren Super plus. Das aber ließ die Benzinversorgung beinahe zusammenbrechen: Es gab nicht genug Super Plus aus den Raffinerien, die Tankstellen mussten mehrfach am Tag nachbeliefert werden.

Nach einigen Wochen und einem sogenannten Benzingipfel samt Wirtschaftsminister in Berlin ruderte die Industrie zurück. Das alte Super E5 kam wieder an die Tankstellen. Heute können die Fahrer an den meisten Stationen der großen Ketten zwischen E10 und E5 wählen.

Doch die Autofahrer geben ihre Abneigung gegen den Biosprit nur sehr langsam auf, wenn überhaupt. Bei den beiden größten deutschen Tankstellenketten Shell und Aral stagniert der Absatz des auf Druck der Bundesregierung eingeführten Ökobenzins seit einem Jahr bei etwa 20 Prozent. "Der Autofahrer hat sich entschieden", sagte Aral-Sprecher Detlef Brandenburg.

Der Ölverband MWV meldet für 2012 einen bundesweiten Anteil von 14,7 Prozent E10, ein Jahr früher waren es etwa 11 Prozent.

An den meisten Tankstellen ist E10 vier Cent billiger als E5. Trotzdem bleibt E10 ein Nischenprodukt, obwohl der Autofahrer pro Tankfüllung etwa 2 Euro sparen könnte.

"Zuletzt hat die Diskussion um Tank oder Teller dem Ansehen von E10 schwer geschadet", sagte ADAC-Mann Laberer. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hatte im August die Aussetzung des E10-Superkraftstoffs gefordert. Der Sprit stelle einen "Konflikt zwischen Tank und Teller" dar. Der Bio-Anteil des Kraftstoffs wird aus Weizen, Zuckerrohr, Zuckerrüben oder anderen essbaren Früchten hergestellt. Gerade bei steigenden Lebensmittelpreisen könne E10 "zu stärkerem Hunger in der Welt beitragen", sagte Niebel.

Der ADAC hält die Einschätzung für unbegründet: "Das Bioethanol für E10 kommt praktisch vollständig aus Europa", sagte Laberer.

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