30.01.13

Soziales Netzwerk

Facebook steigert Einnahmen - Erfolge auf Smartphones

Lange waren Smartphones die Achillesferse von Facebook, weil es dem Sozialen Netzwerk nicht gelungen war, hier Werbegelder zu verdienen.

Foto: REUTERS
Facebook konnte in den letzten drei Monaten des Jahres den Gesamtumsatz um 26 Prozent steigern
Facebook konnte in den letzten drei Monaten des Jahres den Gesamtumsatz um 26 Prozent steigern

Menlo Park. Facebooks Vorstoß auf Smartphones und Tablet-Computer zahlt sich aus. Das Soziale Netzwerk verdiente im Schlussquartal annähernd jeden vierten Werbe-Dollar auf mobilen Geräten. Noch im dritten Quartal war es erst jeder siebte Dollar. Facebook sei "ein mobiles Unternehmen" geworden, erklärte Gründer, Hauptaktionär und Firmenchef Mark Zuckerberg am Mittwoch.

Dabei waren Smartphones bislang die Schwachstelle von Facebook, weil sich auf den kleinen Bildschirmen nur schwer klassische Werbebanner zeigen lassen. Facebook bringt nun immer mehr Anzeigen direkt im Nachrichtenstrom der Nutzer unter.

In den letzten drei Monaten des Jahres stieg der Gesamtumsatz um 26 Prozent auf annähernd 1,6 Milliarden Dollar (1,18 Milliarde Euro). Facebook verdiente nach einem verlustreichen Sommer auch wieder Geld und zwar unterm Strich 64 Millionen Dollar. Im dritten Quartal hatte das Unternehmen noch ein Minus in ähnlicher Größenordnung eingefahren. Letztlich konnte Facebook durch das gute letzte Jahresviertel auch im Gesamtjahr noch einen kleinen Gewinn von 32 Millionen Dollar einfahren.

"Wir gehen mit Schwung in das Jahr 2013 hinein", erklärte Zuckerberg am Firmensitz im kalifornischen Menlo Park. Allerdings strömen nicht mehr so viele Neuzugänge wie früher in das Soziale Netzwerk. Nachdem Facebook Ende September die Marke von einer Milliarde aktiven Nutzern geknackt hatte, waren es Ende Dezember 1,06 Milliarden. Die Aktie gab nachbörslich nach.

Was jedoch massiv zulegte, war die Nutzung von Smartphones. 680 Millionen Menschen greifen mittlerweile mindestens einmal im Monat zu ihren mobilen Geräten, um mit ihren Freunden Fotos oder Nachrichten auszutauschen. Im dritten Quartal waren es erst 601 Millionen. Bei den täglich aktiven Nutzern sei das Smartphone sogar erstmals beliebter gewesen als der Computer, führte Facebook auf. Gut die Hälfte der Mitglieder tummelt sich täglich im Netzwerk.

Zuckerberg verbreitet seit Monaten unermüdlich die Botschaft, dass Facebook sein schleppendes Werbegeschäft auf Smartphones in Schwung gebracht hat. Einnahmen aus Anzeigen sind die Lebensader des Sozialen Netzwerks. Und die Botschaft scheint anzukommen: Nachdem die Aktie zwischenzeitlich unter 18 Dollar gerutscht war, kostet sie aktuell um die 31 Dollar. Damit ist schon fast der Ausgabepreis des Börsengangs aus dem Mai von 38 Dollar erreicht.

Facebook müht sich mit Nachdruck um neue Einnahmequellen. Das Unternehmen hatte erst vor zwei Wochen eine neue Suchfunktion vorgestellt, die es einfacher macht, die vielen Informationen der Nutzer zu durchstöbern. Beobachter werteten das als Kampfansage an Google.

Facebook: Größtes Online-Netzwerk der Welt

Facebook hat jüngst die Marke von einer Milliarde Nutzern überschritten – damit ist rund jeder siebte Erdenbürger bei dem weltgrößten Online-Netzwerk aktiv.

Facebook-Mitglieder können über die Plattform Bilder, Text-Mitteilungen oder auch Internet-Links miteinander teilen und mit einem Klick positiv bewerten.

Mit "Graph Search" wird man diese Inhalte und Beziehungen auch durchsuchen können.

Die Facebook-Anwender können entscheiden, ob nur die eigenen Freunde die Einträge sehen können, oder alle Welt. Vor allem junge Menschen sind nahezu vollzählig bei Facebook vertreten.

Viele deutsche Datenschützer stehen Facebook allerdings sehr kritisch gegenüber.

Sie stören sich unter anderem daran, dass die Daten auf Servern in den USA lagern und dort in einigen Fällen auch weiter gespeichert bleiben können, wenn der Nutzer sie gelöscht hat.

Facebook hat seinen Europa-Sitz in Irland und wird deshalb federführend von den dortigen Datenschützern überwacht.

Auf ihren Druck ließ das Online-Netzwerk zuletzt eine umstrittene Gesichtserkennungs-Funktion in ihrer anfänglichen Form fallen.

Facebook finanziert sich durch Werbung und nutzt die Daten der Nutzer, damit Unternehmen mit ihren Anzeigen bestimmte Zielgruppen erreichen können.

Das Unternehmen betont allerdings, dass alle Informationen nur anonymisiert nach außen gelangen. (dpa)

Datenschützer warnt vor neuer Facebook-Suche

Der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, hat die neue Suchfunktion des sozialen Netzwerks Facebook massiv kritisiert. "Ich finde das überhaupt nicht toll", sagte er. Die erweiterte Suche führe dazu, "dass völlig unkalkulierbar auf einmal Daten ausgewertet werden".

Die überarbeitete Suchfunktion, die Facebook am 15. Januar vorgestellt hatte, ermöglicht Anfragen wie "Fotos meiner Freunde vor 1999" oder "Restaurants, die meinen Freunden gefallen", so sie diese Informationen mit Facebook geteilt haben.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte während der Produktankündigung mehrfach bentont, dass bei der Suche die Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre berücksichtig würden.

Nutzer bekämen nur die Ergebnisse angezeigt, die sie auch so innerhalb ihres Netzwerkes aufstöbern könnten. Fremde könnten keine Inhalte sehen, die man nur mit seinen Freunden geteilt habe.

Diese Zusage reicht Weichert jedoch nicht: "Die Suchfunktion, die wir vom Internet kennen, wird jetzt in den Freundeskreis hineingezogen, mit der Folge, dass hochsensible Informationen auch Dritten zur Kenntnis gelangen", sagte der Facebook-Kritiker.

Informationen, die möglicherweise nur für bestimmte Freunde gedacht waren, würden im Nachhinein auffindbar. "Hier wird definitiv ein weiterer Eingriff ins Datenschutzrecht vorgenommen, der meines Erachtens nicht akzeptabel ist", sagte Weichert.

Die Funktion ist zunächst nur für einige Facebook-Mitglieder in den USA freigeschaltet. Wann sie in Deutschland verfügbar sein könnte, ist unklar. Weichert rät dennoch zur Vorsicht: "Ich kann eigentlich nur den Ratschlag geben: Hände weg von Facebook." (dpa)

(dpa)
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