25.01.13

Warenhauskonzern

Justiz fordert von Karstadt Offenlegung der Zahlen

Die Verschwiegenheit bei der Unternehmensbilanz kann den Konzern teuer zu stehen kommen. Erstes Ordnungsgeld bereits festgesetzt.

Foto: dpa
Karstadt in Düsseldorf
Verdi befürchte, dass durch eine hohe Zahl von Teilzeitbeschäftigten bis zu 3000 der insgesamt rund 25 000 Karstadt-Mitarbeiter ihre Jobs verlieren könnten. Foto: Martin Gerten

Essen/Bonn. Karstadt gerät wegen seiner Verschwiegenheit bei der Unternehmensbilanz unter Druck. Das Bundesamt für Justiz habe bereits im Oktober vergangenen Jahres ein Ordnungsgeldverfahren gegen die Karstadt Warenhaus GmbH eingeleitet, sagte eine Mitarbeiterin der Bonner Behörde am Freitag und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Lebensmittel Zeitung".

Der Vorwurf: Das Unternehmen sei der Offenlegungspflicht für die Bilanz des Geschäftsjahres 2010/2011 (Ende September) nicht fristgerecht nachgekommen. Diese Bilanz hätte spätestens Ende September 2012 veröffentlicht werden müssen. Von Karstadt war am Freitag zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Gegenüber der Karstadt Warenhaus GmbH sei von der Behörde inzwischen ein erstes Ordnungsgeld festgesetzt worden. Zur Höhe wurden allerdings keine Angaben gemacht. Ein Ordnungsgeld könne zwischen 2500 Euro und 25.000 Euro liegen. Dem Unternehmen sei bereits ein zweites Ordnungsgeld verbunden mit einer weiteren sechswöchigen Frist zur Bilanzoffenlegung angedroht worden.

Je länger ein Unternehmen zögert, um so teurer wird es: "Bei fortgesetzter Säumigkeit wird die Ordnungsgeldandrohung und die -festsetzung solange wiederholt, bis die Offenlegungspflicht erfüllt wird", sagte die Behördenmitarbeiterin. Das Verfahren im Fall der Karstadt Warenhaus GmbH laufe noch. Grundsätzlich hätten Unternehmen auch die Möglichkeit, Beschwerde gegen Ordnungsgelder einzulegen.

Karstadt seit Jahren in der Krise – eine Chronologie
Karstadt seit Jahren in der Krise – eine Chronologie
Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Den Wendepunkt brachte im Juni 2010 das Einspringen des Investors Nicolas Berggruen. Jetzt steht ein Stellenabbau an.
1. September 2009: Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH – wird das Insolvenzverfahren eröffnet.
1. Dezember 2009: Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.
15. März 2010: Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt.
12. April: 2010 Die Gläubiger stimmen dem Plan zu.
23. April 2010: Der Finanzinvestor Triton bietet für Karstadt.
21. Mai 2010: Auch die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holdings will Karstadt übernehmen.
28. Mai 2010: Unmittelbar vor einer Sitzung des Gläubigerausschusses wird das Angebot des Karstadt-Vermieters Highstreet bekannt.
31. Mai 2010: Das Gericht verschiebt den Termin zur Annahme des Insolvenzplans auf den 10. Juni. Er wird noch mehrmals verschoben.
1. Juni 2010: Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.
3. Juni 2010: Der Handelskonzern Metro bekräftigt sein Interesse an Teilen der insolventen Warenhauskette.
7. Juni 2010: Berggruen erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag. Einen Tag später unterschreibt er den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert von Highstreet deutliche Mietsenkungen.
14. Juni 2010: Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis.
20. Juni 2010: Berggruen lehnt ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.
26. August 2010: Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.
2. September 2010: Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.
30. September 2010: Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.
23. November 2010: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und startet Anfang Januar 2011.
6. Juli 2011: Jennings legt das Konzept "Karstadt 2015" vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.
16. Juli 2012: Karstadt will bis Ende 2014 rund 2000 der 25.000 Stellen streichen. (dpa)
(dpa)
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