24.01.13

Tarifkonflikt

Streiks im Rheinland bis Freitagabend - Flüge gestrichen

Fronten zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern verhärtet. Streiks auch den gesamten Freitag. Ver.di fordert 30 Prozent mehr Lohn.

Foto: dapd
Germany Airports Strike
Nichts geht mehr: Streiks legten am Donnerstag den Düsseldorfer Flughafen lahm

Düsseldorf/Köln. Ein Streik des Sicherheitspersonals an den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn hat am Donnerstag tausende Passagiere getroffen. Der Ausstand soll an diesem Freitag fortgesetzt werden. Die Arbeitgeber hätten eine Frist verstreichen lassen und kein verbessertes Angebot vorgelegt, erklärte die Gewerkschaft Ver.di in Düsseldorf und drohte sogar mit unbefristeten Streiks. Am Düsseldorfer Flughafen fielen bis zum Nachmittag fast 200 Flüge aus, berichtete ein Sprecher. "Die Maschinen, die rausgehen, sind oftmals auch leer."

Die Gewerkschaft Ver.di will Lohnaufschläge von 30 Prozent für die 34.000 Beschäftigten im Sicherheitsgewerbe in NRW durchsetzen: "Wir wollen diesen gesamten Bereich aus dem Niedriglohnsektor herausholen", sagte Verdi-Sprecher Günter Isemeyer. Rund 400 Beschäftigte seien im Streik, die Beteiligung liege bei 90 Prozent.

"Offenbar wollen die privaten Sicherheitsunternehmen die Streiks aussitzen. Das provoziert die Beschäftigten allerdings zu einer härteren Gangart", erklärte Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Becker. Am Köln/Bonner Flughafen wurden fast 50 An- und Abflüge gestrichen. Der Flugverkehr sei erheblich beeinträchtigt, sagte ein Sprecher. Auch dort starteten leere Maschinen, um wenigstens die Anschlussflüge an anderen Airports zu bewältigen.

Die Arbeitgeber zeigten sich empört: Ver.di habe für die Fluggastkontrolleure eine Tariferhöhung von über neun Prozent ausgeschlagen und fordere über 30 Prozent Lohnaufschlag, so der Bundesverband des Sicherheitsgewerbes. Auch eine Notdienstvereinbarung habe die Gewerkschaft verhindert und das Einschalten eines Schlichters abgelehnt. Ver.di habe "den Bezug zur Realität verloren". Derartige Lohnsteigerungen würden zum massiven Abbau von Arbeitsplätzen führen. In der vergangenen Woche war bereits der Hamburger Flughafen bestreikt worden. Der Flughafenverband ADV nannte die Streiks inakzeptabel, völlig überzogen und für die Passagiere unzumutbar.

An beiden Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn liege die Verantwortung für die Luftsicherheitskontrollen bei der Bundespolizei. Diese müsse nun ihrer Verantwortung gerecht werden und eigenes Personal einsetzen, um die privaten Dienstleister zu ersetzen. In der wirtschaftlich angespannten Lage könnten sich die Flughäfen die Umsatzverluste nicht leisten, so ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Auch Ver.di appellierte an den Bund: Er sei für die Sicherheit an den Flughäfen verantwortlich und müsse die Arbeitgeber zur Ordnung rufen. Die Airlines zeigten sich verärgert: Einige hundert Beschäftigte nähmen zehntausende Reisende und 30.000 Mitarbeiter an den Flughäfen in "Sippenhaft". Der Bundesverband der Fluggesellschaften forderte den Bund auf, die Kontrollen notfalls in Eigenregie zu übernehmen.

Nach Gewerkschaftsangaben befinden sich 70 bis 80 Prozent der Beschäftigten im Sicherheitsgewerbe in der untersten Lohngruppe mit einem Stundenlohn von 8,23 Euro. An den Flughäfen liege der Stundenlohn bei 12,36 Euro. Laut Arbeitgebern liegt er bei 11,80 Euro. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung auf 16 Euro brutto. Für den unteren Tarifbereich sollen die Stundenlöhne auf 10,50 Euro steigen.

Der Streik hatte am Donnerstag um 04.00 Uhr in der Nacht begonnen. Er sollte in Düsseldorf am Freitag um 22.00 Uhr enden und in Köln/Bonn um 20.00 Uhr. Die Auswirkungen auf die übrigen deutschen Flughäfen blieben auf einzelne Flugstreichungen begrenzt.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

Bei Streik können Fluggäste Ansprüche geltend machen. Reiserechtler Paul Degott erläutert die wichtigsten:

Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin?
Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist.

Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?
Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren.

 Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Urlauber sollten aber nicht aus Verärgerung ohne Rücksprache einfach ein Zugticket buchen.

Wer beispielsweise einen Flug von Düsseldorf über Paris nach New York gebucht hat, sollte nicht auf eigene Faust mit dem Zug nach Paris fahren, um den Anschlussflug zu erwischen. Denn dann sei fraglich, ob die Fluggesellschaft das Zugticket erstattet, warnt Degott.

 Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast außerdem das Recht, das Ticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen.

Was bedeutet Ersatzbeförderung genau?
Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans Ziel bringen.

Bei einem kürzeren Streik von nur wenigen Stunden kann es laut Degott reichen, zu warten, bis der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird.

Dauert der Ausstand aber länger, müssen die Airlines und Reisveranstalter die Kunden zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen zu anderen Flughäfen bringen und von dort aus zum gewünschten Ziel.

Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?
Eine Entschädigung werden die Passagiere nach Ansicht von Degott nicht bekommen, wenn wegen des Warnstreiks Flüge ausfallen. Denn dafür seien die Fluggesellschaften nicht verantwortlich. Es handle sich daher um einen Fall höherer Gewalt, erklärt Degott.

Die Mitarbeiter seien weder bei einer Fluggesellschaft noch bei einem Veranstalter angestellt. Bei einem solchen «Drittstreik» steht Urlaubern daher keine Entschädigung zu, wie sie die EU-Fluggastrechteverordnung in anderen Fällen vorsieht.

Ausnahme: Der Passagier kann nachweisen, dass die Fluggesellschaft nicht alles getan hat, um die Streikfolgen abzumildern.

Wie sieht es bei einer Pauschalreise aus?
Bei einer Pauschalreise ist die Rechtslage laut Degott etwas anders. Hier stellt sich nur die Frage, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe für ein Nichterfüllen spielen keine Rolle.

Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise kostenlos zurücktreten. Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht.

Quelle: dpa

(dpa)
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