24.01.13

Hamburg

Stromanbieter - Die Angst vor dem Wechsel ist groß

Vielfalt der Stromanbieter ist bunt. Eigentlich lässt sich viel Geld sparen. Doch Kunden fürchten schwarze Schafe und Firmenpleiten.

Von Martin Kopp
Foto: dpa / Montage: HA / Thorsten Ahlf
Allein in Hamburg bieten an die 100 verschiedene Energieversorger ihren Strom an. Auch Preisunterschiede sind beträchtlich. Doch nicht alle Angebote sind seriös
Allein in Hamburg bieten an die 100 verschiedene Energieversorger ihren Strom an. Auch Preisunterschiede sind beträchtlich. Doch nicht alle Angebote sind seriös

Hamburg. Trotz massiver Preiserhöhungen trauen sich wenige Bundesbürger, ihren Stromanbieter zu wechseln. Nur jeder vierte Kunde plant derzeit konkret, seinem Versorger den Rücken zu kehren. Größter Hinderungsgrund ist dabei die Furcht vor unseriösen Anbietern. Das ist das Ergebnis einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage der Hamburger Unternehmensberatung Putz & Partner. Jeder Zweite fürchtet sich demnach inzwischen davor, bei einem Wechsel unredlichen Verträgen aufzusitzen oder bei einer Pleite des Anbieters ohne Strom dazustehen. Das ist annähernd eine Verdopplung innerhalb von zwei Jahren (27 Prozent im Jahr 2011). Jedem Fünften ist zudem der Aufwand zu groß, den aktuellen Vertrag zu lösen und zu einem neuen Stromanbieter zu wechseln. Im Vorjahr vertraten diese Meinung nur zwölf Prozent.

"Viele Kunden denken immer noch, ein Stromwechsel sei kompliziert oder gar gefährlich. Beides ist falsch", sagt Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg. Egal ob es zu Verzögerungen beim Vertragsabschluss komme oder der Versorger gar pleitegehe: "Strom wird immer geliefert", so Hörmann. In Hamburg hat der Grundversorger Vattenfall trotz reichlich Konkurrenz noch immer einen Marktanteil von 75 Prozent. Hörmann fordert die Hamburger dazu auf, mehr zu wechseln. Nur so komme der Wettbewerb in Schwung. "Die Platzhirsche unter den Stromanbietern müssen richtig bluten", sagt Hörmann. Man sollte allerdings nicht unvorbereitet den bisherigen Versorger kündigen. "Suchen Sie sich erst einen neuen Versorger, der macht den Wechsel dann für Sie automatisch." Doch Hörmann warnt davor, auf geschönte Angebote hereinzufallen. Nicht zuletzt die spektakuläre Insolvenz des Stromanbieters TelDaFax, bei der mehr als 700.000 Kunden zu Gläubigern wurden, sei ein mahnendes Beispiel. "Besonders günstige Stromanbieter, die Vorauskasse oder eine Kaution verlangen oder mit deutlichen Boni auf Kundenfang gehen, sind mit Vorsicht zu genießen", sagt Hörmann.

Vor allem in Ballungsräumen wie Hamburg, wo besonders viele Stromanbieter in den Markt drängen, werde "mit harten Bandagen" gekämpft. "Bei uns haben sich Verbraucher beschwert, denen unter dem Vorwand der unabhängigen Energieberatung neue Verträge untergeschoben werden sollten."

Die Gründe für den Preiskampf liegen nur zum Teil im fehlenden Wechselwillen der Kunden. Zum anderen versuchen immer mehr Versorger, den etablierten Energieunternehmen Kunden abzujagen. "Im deutschen Strom- und Gasmarkt gibt es mehr Anbieter als je zuvor", stellt eine neue Studie des Beratungsunternehmens A.T. Kearney fest. "Zudem wächst die Anzahl der Zweitmarken sowie der Tarife und Angebote überproportional." Im Jahr 2011 seien insgesamt 470 neue Stromtarife in Deutschland hinzugekommen. Vor allem Billigstromanbieter gehen demnach mit Lockangeboten auf Kundenfang. Um die negative Marge bei den Niedrigpreisen auszugleichen, würden einige dann auf schnelle Preiserhöhungen setzen oder den Bonus einbehalten. Die Hamburger Verbraucherzentrale selbst hat kürzlich dem Anbieter Flexstrom verboten, Preiserhöhungen versteckt in Werbefaltblättern anzukündigen. "Der Einfallsreichtum kennt keine Grenzen", sagt Hörmann.

"Stromvertrieb ist Knochenarbeit", sagt auch Ralph Kampwirth, Sprecher des Hamburger Ökostromanbieters Lichtblick. Ganze Drückerkolonnen seien derzeit unterwegs, um in Haustürgeschäften Stromverträge zu verkaufen. "Dabei wird mitunter sogar mit unserem Namen geworben, obgleich den Betroffenen ganz andere Verträge angedreht werden", so Kampwirth. Bei Lichtblick selbst stagniert das Geschäft: "Zugänge und Abgänge bei den Verträgen haben sich im vergangenen Jahr die Waage gehalten", so Kampwirth. Lichtblick zählt bundesweit 530.000 Stromkunden, 75.000 davon in der Metropolregion Hamburg.

Das Kundenpotenzial schätzt das Unternehmen sehr viel höher ein. Um dieses zu heben, geht auch Lichtblick inzwischen direkt auf die Kunden zu. "Wir suchen auf Wochenmärkten quasi mit dem Vertrag in der Hand den direkten Kontakt. Wir präsentieren uns dabei als das, was wir sind: ein glaubwürdiger Partner."

Mit ähnlichen Maßnahmen will auch Hamburg Energie die Wechselbereitschaft ankurbeln. "Wir nutzen alle Vertriebskanäle, die uns zur Verfügung stehen. Dabei betonen wir auch immer, wie einfach ein Wechsel ist", so der Sprecher des städtischen Unternehmens, Carsten Roth. Offenbar mit Erfolg: Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen allein im vergangenen Jahr die Zahl seiner Stromkunden auf 80.000 verdoppelt. Um zu erfahren, wie das Unternehmen ankommt, hat Hamburg Energie jetzt einen Kundenbeirat eingeführt.

Doch Glaubwürdigkeit und Unternehmensname sind keine Wechselgründe. Für knapp die Hälfte der Verbraucher - und damit deutlich mehr als im Jahr 2012 - zählt als Auswahlkriterium allein der Preis, sagt die Studie von Putz & Partner. "Der Preis und die Vertrauenswürdigkeit des Anbieters stehen klar im Vordergrund", sagt Volker Rothenpieler, Sprecher des Vorstands.

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