Sa, 19.01.13, 17.04

Grüne Woche 2013 Deutsche Bank beharrt auf Agrar-Finanzanlagen

Sascha Meyer
Grüne Woche - Internationale Pressekonferenz GFFA

Foto: dpa

Grüne Woche - Internationale Pressekonferenz GFFA

Die Deutsche Bank bleibt dabei: Mit umstrittenen Geldanlagen, die auf Nahrungsmitteln beruhen, soll nicht Schluss sein.

Berlin. Trotz Kritik an massiv schwankenden Nahrungspreisen als Mitursache für Hunger in der Welt will die Deutsche Bank an Finanzanlagen auf Basis von Agrarrohstoffen festhalten. Nach einer ausführlichen Prüfung habe man "keinen Nachweis gefunden, dass die Spekulation für die Preisentwicklung verantwortlich ist", sagte Co- Vorstandschef Jürgen Fitschen am Rande der Grüne Woche am Sonnabend in Berlin. Die Welternährungsorganisation FAO forderte anlässlich einer Konferenz internationaler Regierungsvertreter während der Agrarmesse mehr Investitionen in die Landwirtschaft ärmerer Länder. Zugleich protestierten in Berlin mehrere Tausend Menschen für eine Agrarwende.

Die Deutsche Bank will "im Interesse ihrer Kunden" weiterhin Finanzprodukte auf Agrarprodukte anbieten, darunter börsennotierte Indexfonds. Das hat der Vorstand beschlossen, wie Fitschen sagte. Nach Protesten von Entwicklungs- und Verbraucherorganisationen hatte die größte deutsche Bank das Neugeschäft mit solchen Anlageformen im März vergangenen Jahres vorerst ausgesetzt, um sie zu überprüfen.

Preisschwankungen gebe es "auch bei Abwesenheit von diesen Produkten", sagte Fitschen nun. Eine Arbeitsgruppe der Bank kam zu dem Ergebnis, "dass es kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung gibt, die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten sei für Preissteigerungen oder erhöhte Preisschwankungen verantwortlich". Zugleich gebe es aber "zahlreiche Vorteile" von Agrar-Terminmärkten für Landwirte und Nahrungsmittelverarbeitung.

"Wir glauben, dass wir damit genau das tun, was in der Diskussion immer wieder angesprochen wird: Dass wir einen Beitrag leisten zur Finanzierung des Sektors und gleichermaßen einen Beitrag dazu, die Risiken nachhaltiger und besser managen zu können", sagte Fitschen. Auch künftig will die Bank demnach aber "bei neuen Produkten prüfen, dass die zugrundeliegenden Investitionsstrategien nicht das Entstehen von Preisspitzen begünstigen".

Die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, kritisierte dagegen Folgen von Rohstoff-Geschäften. "Spekulationen haben eindeutig dazu beigetragen, durch die Volatilität bei Preisen Hungersituationen gerade in kritischen Momenten zu verstärken", sagte sie in Berlin. "Wir sagen nie, es ist der einzige Grund." Spekulation als unproblematisch für den Hunger hinzustellen, sei aber falsch.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte den Branchenprimus Deutsche Bank aufgefordert, mit gutem Beispiel voranzugehen und aus der Lebensmittel-Spekulation auszusteigen. Einige Institute haben den Rückzug aus solchen Investments bekanntgegeben, etwa die Commerzbank, eine Fonds-Tochter der Landesbank Berlin, die Landesbank Baden- Württemberg und die Sparkassen-Fondsgesellschaft Dekabank.

Die Welternährungsorganisation FAO forderte anlässlich der Grünen Woche mehr Investitionen in die Landwirtschaft ärmerer Länder. Es gebe einen immer engeren Zusammenhang zwischen Lebensmittelsicherheit und allgemeiner Sicherheit, also "zwischen Krieg und Hunger", sagte Generaldirektor José Graziano da Silva in Berlin. Seit 20 Jahren investierten aber nur noch die meist armen Bauern selbst. Nötig sei ein größeres Engagement Privater und der Entwicklungszusammenarbeit.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sagte, es gehe um verantwortliche Investitionen, ohne die örtlichen Strukturen zu zerstören. Strategien zur Ernährungssicherung waren auch Thema einer Konferenz mit Regierungsvertretern aus mehr als 80 Staaten am Samstag in Berlin. Nach FAO-Schätzungen sind jährlich rund 63 Milliarden Euro zusätzliche Investitionen in den Agrarsektor erforderlich.

Unter dem Motto "Wir haben es satt" demonstrierten am Samstag in Berlin tausende Menschen für eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft. Anlässlich der Grünen Woche zogen nach Angaben der Organisatoren rund 25 000 Demonstranten vor das Kanzleramt; die Polizei nannte keine Zahl. Der Protest richtete sich unter anderem auch gegen wachsenden Preisdruck auf Kleinbauern in ärmeren Ländern.

Bei der 78. Grünen Woche erwarten die Veranstalter bis 27. Januar mehr als 400 000 Gäste. Partnerland sind diesmal die Niederlande.