17.01.13

Pannen bei Boeings 787

US-Luftfahrtbehörde zieht alle "Dreamliner" aus dem Verkehr

Das Startverbot innerhalb der Staaten gilt, bis alle Risiken bei Boeings Superflieger ausgeräumt sind. Auch Air India reagiert.

Foto: REUTERS

Nach der Notlandung einer Boeing 787 der japanischen Gesellschaft All Nippon Airways (ANA) am Flughafen Takamatsu hat nun auch die US-Luftfahrtbehörde reagiert

11 Bilder

Tokio/Neu-Delhi. Nach der jüngsten Pannenserie beim sogenannten Dreamliner zieht die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA alle Maschinen des Typs Boeing 787 vorübergehend aus dem Verkehr – und könnte damit eine weltweite Kettenreaktion auslösen. Sämtliche Maschinen in den USA müssten wegen der zuletzt mehrfach aufgetretenen Probleme mit den Bordbatterien systematisch überprüft werden, ordnete die Behörde am Mittwoch (Ortszeit) an. Das Startverbot soll demnach gelten, bis alle Risiken ausgeräumt sind. Wenige Stunden zuvor musste ein Dreamliner wegen Batterieproblemen in Japan notlanden.

Als nächste Fluggesellschaft hat auch Air India ihre Flüge mit Maschinen des Typs Boeing 787 gestrichen. Die Anordnung dazu sei von der indischen Luftverkehrsbehörde gekommen, teilte die Airline am Donnerstag mit. Air India verfügt über sechs Maschinen des amerikanischen Vorzeigefliegers. Nach einem Bericht der britischen BBC kündigte auch die chilenische Fluggesellschaft LAN an, alle Dreamliner-Flüge nach Absprache mit der nationalen Luftverkehrsbehörde zu streichen.

In den Staaten werden die FAA eng mit dem US-Hersteller Boeing und den amerikanischen Fluggesellschaften zusammenarbeiten, damit der Luftverkehr "so schnell und sicher wie möglich" wieder aufgenommen werden könne, hieß es in der Mitteilung. Momentan könnten Brände durch Batteriedefekte nicht ausgeschlossen werden. Zwar ist United Airlines zurzeit die einzige US-Gesellschaft, deren Piloten den Dreamliner fliegen, und verfügt insgesamt nur über sechs Maschinen des Typs 787. Doch auch wenn das Startverbot nur für amerikanische Fluggesellschaften gilt, richten sich die Behörden in anderen Teilen der Welt meist nach dem Land, in dem das Flugzeug gefertigt wird.

Bislang wurden weltweit 50 Dreamliner ausgeliefert, die Hälfte davon nach Japan. Insgesamt hat Boeing für seinen neuesten und technisch anspruchsvollen Flieger fast 800 Aufträge von Airlines aus aller Welt erhalten. Nun drohen möglicherweise Produktionsverzögerungen.

Durch die Maßnahme der FAA wird ein weltweites Zeichen gesetzt, da sich die Sicherheitsbehörden in anderen Ländern oft nach dem Land richten, in dem das Flugzeug gefertigt wird – in diesem Fall also nach den Vereinigten Staaten. Der Präsident des US-Flugzeugbauers Boeing erklärte in einer Stellungnahme, sein Unternehmen arbeite rund um die Uhr mit den zuständigen Behörden zusammen: "Wir sind überzeugt, dass die 787 sicher ist", sagte Jim McNerney.

Batterieflüssigkeit sickert bis zur Bordwand durch

FAA-Aufseher Michael Huerta und US-Verkehrsminister Ray LaHood hatten den Dreamliner trotz mehrerer Pannen vor wenigen Tagen noch für flugtauglich erklärt. Der Sinneswandel kam nachdem eine Boeing 787 der All Nippon Airways (ANA) am Mittwoch im japanischen Takamatsu notlanden musste, weil eine schmorende Batterie zu Brandgeruch an Bord geführt hatte. Das japanische Verkehrsministerium bewertete die Notlandung als "schwerwiegenden Vorfall", der zu einem Unglück hätte führen können. ANA und Japan Airlines strichen daraufhin bis Donnerstag alle Flüge mit ihren 24 Dreamlinern.

Bei einer näheren Untersuchung stellten die japanischen Behörden fest, dass entflammbare Flüssigkeit aus der Lithium-Ionen-Hauptbatterie unter dem Cockpit ausgetreten war. Sachverständige fanden zudem Brandspuren. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News berichtete unter Berufung auf das Verkehrsministerium, dass die Flüssigkeit durch die Bodenabdeckung hindurch bis an die Außenseite des Fliegers gelangt sei.

Der Chefingenieur des Dreamliners, Mike Sinnett, hatte vergangene Woche noch betont, dass die Flugzeugbatterien über 1,3 Millionen Stunden hinweg getestet worden seien und niemals Schwierigkeiten gemacht hätten. Zudem gebe es gleich mehrere Sicherheitsmechanismen, damit "Batterieversagen nicht das ganze Flugzeug in Gefahr bringt".

Drohen nun Produktionsverzögerungen?

Die Lösung der jüngsten Probleme könnte Boeing nun vor größere Probleme stellen. Eigentlich wollte das US-Unternehmen die Fertigung bis Ende des Jahres von derzeit fünf auf zehn Maschinen im Monat ausbauen, um den Auslieferungsstau abzubauen. Ob dies nun gelingt, ist offen.

Der erst 2011 in Dienst gestellte zweistrahlige Dreamliner ist das prestigeträchtigste Projekt des amerikanischen Airbus-Konkurrenten. Die Maschine ist zu großen Teilen aus leichten Karbonfasern gebaut und gilt daher als sparsam im Spritverbrauch - ein Hauptgrund für die große Nachfrage. Allerdings kam es schon vor der Premiere immer wieder zu technischen Problemen. Schon 2012 waren mehrmals technische Probleme gemeldet worden, zuletzt sorgten dann binnen kürzester Zeit Treibstofflecks, eine gesprungene Cockpit-Scheibe und ein weiterer Batteriebrand für Aufsehen. Betroffen war in allen Fällen die Fluggesellschaft All Nippon Airways, die alleine ein Drittel aller bislang ausgelieferten Dreamliner betreibt.

Die Probleme bei der Boeing 787 sollen nach bisheriger Darstellung des Unternehmens allerdings nicht gravierender sein als die Kinderkrankheiten der 777 Mitte der 1990er Jahre – und dieser Typ ist inzwischen ein Verkaufsschlager.

Diese Gesellschaften haben den Dreamliner

Von den knapp 800 Bestellungen seines Vorzeigefliegers "Dreamliner" hat der US-Hersteller Boeing bislang 50 Exemplare ausgeliefert.

Nachfolgend eine Übersicht der Airlines, die bereits über Maschinen des Typs 787 in ihren Flotten verfügen:

All Nippon Airways (Japan), 17

Japan Airlines, 7

Air India, 6

United Airlines (USA), 6

Qater Airways, 5

Ethiopian Airlines (Äthiopien), 4

LAN Airlines (Chile), 3

LOT (Polen), 2

(Quelle: Boeing)

Die Pannenserie beim Boeing 787 "Dreamliner"

Boeings Langstreckenjet 787 ist das Prestigeprojekt des US-Konzerns.

Doch der Dreamliner hatte schon in der Entwicklungsphase mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, so dass sich die Auslieferung der ersten Maschinen um dreieinhalb Jahre verzögerte.

In den vergangenen Monaten warf eine Pannenserie immer neue Fragen zur Sicherheit auf. Es folgt eine Liste der Zwischenfälle beim Airbus -Konkurrenten:

Juli 2012: Bei einem Test einer 787-Maschine in South Carolina wird ein von General Electric hergestelltes Triebwerk bei einem Ausfall teilweise zerstört. GE leitet eine Überprüfung der Turbinen in die Wege.

4. Dezember 2012: Eine United Airlines -787 mit 184 Menschen an Bord muss in New Orleans wegen Problemen mit der Elektrik notlanden.

5. Dezember 2012: Die US-Behörden ordnen wegen möglicher Lecks in den Treibstoffleitungen die Inspektion der Langstreckenflugzeuge an.

Dezember 2013: Die arabische Qatar Airways und die US-Gesellschaft United entdecken erneut Probleme mit der Elektrik.

7. Januar 2013: Am Bostoner Flughafen bricht nach einer Batterie-Explosion ein Brand in einer geparkten 787 von Japan Airlines (JAL) aus.

8. Januar 2013: Eine weitere 787 von Japan Airlines muss wegen eines Lecks am Treibstofftank in Boston den Start abbrechen.

9. Januar 2013: All Nippon Airways (ANA) streicht einen Flug mit dem Dreamliner wegen Problemen mit den Bremsen.

11. Januar 2013: ANA meldet neue Probleme bei zwei 787-Maschinen. Einen Riss im Cockpit-Fenster sowie ein Ölleck im Triebwerk. Die US-Luftfahrtbehörde FAA leitet eine umfassende Untersuchung ein.

15. Januar 2013: Eine 787-Maschine der ANA muss in Japan wegen Rauchentwicklung im Cockpit notlanden. ANA und JAL entscheiden, vorerst alle Dreamliner am Boden zu lassen und zu überprüfen.

16. Januar 2013: Die US-Luftfahrtbehörde FAA ordnet an, alle 787-Maschinen am Boden zu halten.

17. Januar 2013: Europa, Japan und Indien schließen sich der FAA an: Nun müssen die meisten bisher ausgelieferten 787-Maschinen am Boden bleiben.

17. Januar 2013: Als erste Fluggesellschaft prüft die staatliche polnische Fluggesellschaft LOT Schadensersatzforderungen wegen der Pannen. (rtr)

Boeing 787 Dreamliner im Überblick

Bestellungen: 58 Kunden von sechs Kontinenten haben mehr als 800 Dreamliner bestellt

Listenpreis: 185 bis 218 Millionen Euro (137 bis 162 Millionen Euro)

Kosten: nach einer Schätzung der "Seattle Times" investierte Boeing 32 Milliarden Dollar (23,8 Milliarden Euro) in den Dreamliner

Tragenflächenspannweite: 60 Meter

Länge: 57 Meter (787-8), 63 Meter (787-9)

Höhe: 17 Meter

maximales Startgewicht: 227.930 Kilogramm (787-8), 247.208 (787-9)

Reisegeschwindigkeit: Mach 0,85 – 917,39 Kilometer pro Stunde

Passagierzahl: 210 bis 250 (787-8), 250 bis 290 (787-9)

statt Aluminium besteht die Hülle des Dreamliners zu mehr als 50 Prozent aus deutlich leichteren Verbundstoffenc

Triebwerke: Wahlweise von Rolls Royce oder General Electric (dapd)

(dapd)
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Video Alle Videos
Akbar al Baker (m.), der Chef von Qatar Airways, mit dem katarischen Tourismus-Bevollmächtigten (l.) und einem Airbus-Testpiloten im Cockpit eines A350-JetsBrightcove Videos

Airbus hat das erste Großraumflugzeug des Typs A380 an die Fluglinie Qatar Airways übergeben. Die Fluggesellschaft aus Doha im Emirat Katar hat insgesamt zehn Exemplare des großen Fliegers bestellt. mehr »

Top Bildergalerien mehr
Hamburg

Babyleiche in Schließfach am Hauptbahnhof

Polizei

Bilder vom Blitzmarathon 2014 in Hamburg

Containerdörfer

Schulen und Schiffe für Flüchtlinge in Hamburg

25 Jahre Mauerfall

DDR: Eine Hochzeit im Niedergang

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr