16.01.13

ThyssenKrupp Aktionärsschützer wollen für Aufklärung sorgen

Hauptversammlung der ThyssenKrupp AG 2012

Foto: pa/Sven Simon

Milliardenverluste und Affären: Auf Hauptversammlung am Freitag wird eine lückenlose Aufarbeitung eingefordert. Cromme gerät unter Druck.

Essen/Düsseldorf. Aktionärsschützer wollen notfalls mit Hilfe eines gerichtlich bestellten Sonderprüfers die Milliardenverluste und Affären des Stahlriesens ThyssenKrupp unter die Lupe nehmen lassen.

"Wir wollen auf der Hauptversammlung Pflöcke einschlagen und selbst für Aufklärung sorgen", sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sei gefordert, bei ThyssenKrupp aufzuräumen wie einst nach Schmiergeldvorwürfen bei Siemens. "Noch geben wir ihm die Chance dazu.

Wenn er aber in den kommenden Monaten nicht liefert, dann werden wir über die Personalie reden müssen", meinte Tüngler. Die Geduld werde ein Ende habe, wenn nicht sehr zügig der "geforderte und dringend notwendige Kulturwandel" erkennbar werde.

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre sprach sich dagegen für einen Rücktritt von Cromme aus. "Personifiziert wird der moralische Niedergang bei ThyssenKrupp furch Gerhard Cromme", meinte der Geschäftsführer des Verbands, Markus Dufner.

Nach einer Anzeige gegen Cromme wegen des Verdachts einer Aufsichtspflichtverletzung im Zusammenhang mit Karstellverstößen soll es keine Ermittlungen geben.

Dazu bestehe derzeit kein Anlass, erklärte ein Sprecher des Bundeskartellamts am Mittwoch. Das "Manager Magazin" hatte zuvor berichtet, dass eine entsprechende Anzeige eines Rechtsanwalts bei der Staatsanwaltschaft eingegangen sei.

ThyssenKrupp geriet in den vergangenen Monaten durch Misserfolge mit Stahlwerken in Brasilien und den USA sowie diverse Kartell- und Korruptionsvorwürfe in die Schlagzeilen.

Drei von sechs Vorständen mussten ihren Hut nehmen, damit ein Neuanfang gelingt. Doch auch die Arbeit des Aufsichtsrats geriet ins Kreuzfeuer der Kritik. Es wird daher am Freitag (18. Januar) eine turbulente Hauptversammlung erwartet.

Das aufgeflogene Schienenkartell biete einen Hebel, um die Missstände von einem unabhängigen Prüfer aufarbeiten zu lassen, betonte Tüngler. Auf die Stimmen der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die gut 25 Prozent der Aktien besitzt und damit auf der Hauptversammlung das Schwergewicht sei, wäre man letzten Endes nicht angewiesen. "Um bei Gericht Erfolgsaussichten zu haben, muss eine grobe Verletzung der Gesetze vorliegen. Das ist beim Schienenkartell der Fall", erläutert der Aktionärsschützer