16.01.13

ThyssenKrupp

Aktionärsschützer wollen für Aufklärung sorgen

Milliardenverluste und Affären: Auf Hauptversammlung am Freitag wird eine lückenlose Aufarbeitung eingefordert. Cromme gerät unter Druck.

Foto: pa/Sven Simon
Gerhard Cromme
Aufsichtsratschef Gerhard Cromme soll bei ThyssenKrupp aufräumen, so die Forderung der Aktionärsschützer

Essen/Düsseldorf. Aktionärsschützer wollen notfalls mit Hilfe eines gerichtlich bestellten Sonderprüfers die Milliardenverluste und Affären des Stahlriesens ThyssenKrupp unter die Lupe nehmen lassen.

"Wir wollen auf der Hauptversammlung Pflöcke einschlagen und selbst für Aufklärung sorgen", sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sei gefordert, bei ThyssenKrupp aufzuräumen wie einst nach Schmiergeldvorwürfen bei Siemens. "Noch geben wir ihm die Chance dazu.

Wenn er aber in den kommenden Monaten nicht liefert, dann werden wir über die Personalie reden müssen", meinte Tüngler. Die Geduld werde ein Ende habe, wenn nicht sehr zügig der "geforderte und dringend notwendige Kulturwandel" erkennbar werde.

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre sprach sich dagegen für einen Rücktritt von Cromme aus. "Personifiziert wird der moralische Niedergang bei ThyssenKrupp furch Gerhard Cromme", meinte der Geschäftsführer des Verbands, Markus Dufner.

Nach einer Anzeige gegen Cromme wegen des Verdachts einer Aufsichtspflichtverletzung im Zusammenhang mit Karstellverstößen soll es keine Ermittlungen geben.

Dazu bestehe derzeit kein Anlass, erklärte ein Sprecher des Bundeskartellamts am Mittwoch. Das "Manager Magazin" hatte zuvor berichtet, dass eine entsprechende Anzeige eines Rechtsanwalts bei der Staatsanwaltschaft eingegangen sei.

ThyssenKrupp geriet in den vergangenen Monaten durch Misserfolge mit Stahlwerken in Brasilien und den USA sowie diverse Kartell- und Korruptionsvorwürfe in die Schlagzeilen.

Drei von sechs Vorständen mussten ihren Hut nehmen, damit ein Neuanfang gelingt. Doch auch die Arbeit des Aufsichtsrats geriet ins Kreuzfeuer der Kritik. Es wird daher am Freitag (18. Januar) eine turbulente Hauptversammlung erwartet.

Das aufgeflogene Schienenkartell biete einen Hebel, um die Missstände von einem unabhängigen Prüfer aufarbeiten zu lassen, betonte Tüngler. Auf die Stimmen der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die gut 25 Prozent der Aktien besitzt und damit auf der Hauptversammlung das Schwergewicht sei, wäre man letzten Endes nicht angewiesen. "Um bei Gericht Erfolgsaussichten zu haben, muss eine grobe Verletzung der Gesetze vorliegen. Das ist beim Schienenkartell der Fall", erläutert der Aktionärsschützer

ThyssenKrupp: Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12
ThyssenKrupp: Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 (30.9.)
Deutschlands größter Stahlkonzern ThyssenKrupp hat sein Ergebnis für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2011/2012 präsentiert
Umsatz: 31,2 Milliarden Euro (minus 3 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011)
Auftragseingang: 31,9 Milliarden Euro (minus 7 Prozent)
Betriebsergebnis (Ebit): 339 Millionen Euro (minus 73 Prozent)
Ergebnis nach Steuern: minus 220 Millionen Euro (Vorjahr: plus 576 Millionen Euro)
Mitarbeiterzahl: 155.588 (minus 9 Prozent)
(dapd)
Industriegigant ThyssenKrupp
Mit einem Umsatz von mehr als 50 Milliarden Euro zählt ThyssenKrupp zu den deutschen Industriegiganten.
Von den weltweit rund 180.000 Mitarbeitern des Unternehmens ist mit knapp 70.000 nur noch eine Minderheit in Deutschland beschäftigt.
Seit einem Jahr steht der ehemalige Siemens-Manager Heinrich Hiesinger an der Spitze des Konzerns, zu dem sich 1999 die Stahlpioniere Thyssen und Krupp zusammengeschlossen hatten. Er will aus dem größten deutschen Stahlhersteller einen modernen Technologiekonzern formen.
Das Unternehmen gliedert sich gegenwärtig in die zwei Bereiche "Materials" (Stahl, Edelstahl) und "Technologies" (Anlagenbau, Aufzüge, Werften).
ThyssenKrupp hat über 250 000 Aktionäre.
Der Konzern ist zu rund 90 Prozent in der Hand von Anlegern mit größeren Aktienbeständen oder von institutionellen Anlegern.
Gut die Hälfte des Grundkapitals wird von Anlegern mit Sitz in Deutschland gehalten.
Größter Einzelaktionär ist die Essener Krupp-Stiftung mit einem Anteil von 25,33 Prozent.
(dpa)
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