16.01.13

DIW-Studie

Frauen erobern deutsche Chefetagen nur langsam

Der Weg in Führungspositionen bleibt schwierig: 2012 waren vier Prozent der Vorstandsposten in den 200 größten Firmen weiblich besetzt.

Foto: dpa
Frau- und Männerbeine
Für Frauen ist der Weg in die Chefetage immer noch schwierig

Berlin. Der Anteil weiblicher Führungskräfte in den Chefetagen der größten deutschen Unternehmen ist 2012 leicht gestiegen, bleibt aber sehr niedrig. Das ist das Fazit einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach sind die Vorstandsposten in den 200 größten Firmen zu vier Prozent mit Frauen besetzt.

2011 waren es nur drei Prozent. "Insgesamt waren die Zuwächse zu gering, fanden bei zu wenigen Unternehmen statt und basierten auf zu geringen Ausgangswerten, um etwas an der überwältigenden männlichen Dominanz in Vorständen und Aufsichtsräten zu ändern", sagte DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst.

Überdurchschnittlich viele Frauen sind in den Vorständen der 30 größten börsennotierten Konzerne. Hier stieg der Frauenanteil auf 7,8 von 3,7 Prozent. Allerdings sei die Firmenzahl hier so gering, dass schon kleine Veränderungen für große Ausschläge sorgten, und die Unternehmen stünden stärker in der Öffentlichkeit, hieß es.

Eine reine Männerdomäne bleibt dagegen der Posten des Vorstandsvorsitzenden. "Schon seit Jahren wird kein einziges Dax-30-Unternehmen von einer Frau geführt, dies hat sich auch 2012 nicht geändert", hieß es.

Stärker vertreten sind Frauen in Aufsichts- und Verwaltungsräten. Bei den Top-200-Unternehmen waren 12,9 Prozent der Aufsichtsgremien weiblich besetzt, bei den Dax-30-Unternehmen 19,4 Prozent.

Um mehr Frauen nach oben zu bringen, plädiert das DIW für eine andere Firmenkultur. "Viele Frauen, die in Führungspositionen kommen, treffen auf Standards männlicher Lebensrealitäten wie sehr lange Arbeitszeiten", sagte Holst. "Mit diesem Pensum können aber weder Frauen noch Männer Familie und Beruf vereinbaren."

Frauenförderung in Unternehmen: Zahlen & Fakten
Zahlen und Fakten zu Frauenförderung in Unternehmen: Die großen Unternehmen in Deutschland holen bei der Frauenförderung auf, wie die Unternehmensberatung McKinsey in einer Studie ermittelte. Doch viele Programme sind relativ neu und zeigen noch kaum Wirkung. Zentrale Ergebnisse der Studie:
Investitionen:
Vier von fünf Unternehmen geben Geld für die Unterstützung von Frauen aus. Entscheidend für den Erfolg ist allerdings nicht das Engagement der Vorstände, sondern vor allem die Bereitwilligkeit der zweiten und dritten Führungsebene. Hier jedoch spielt das Thema Frauenförderung zumeist noch keine Rolle.
Beruf & Familie:
In fast alle größeren Unternehmen (98 Prozent) sind die Arbeitszeiten flexibel und es gibt Möglichkeiten, von Zuhause aus zu arbeiten. Doch besteht eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, denn nur in jedem vierten Unternehmen (28 Prozent) sind die familienfreundlichen Arbeitsbedingungen auch "umfassend umgesetzt". Ähnlich sieht es bei der Kinderbetreuung aus: Die meisten Firmen (89 Prozent) bieten Aufsicht für die Kleinen an – doch wiederum gilt diese Firmenpolitik nur bei wenigen (17 Prozent) als "umfassend umgesetzt".
Führungskräfte:
Auf der Karriereleiter gibt es von Stufe zu Stufe weniger Frauen. Etwa 31 Prozent aller Mitarbeiter in den befragten Großunternehmen sind weiblich, auf der Ebene der Abteilungsleiter sind es nur noch 14 Prozent. Zwar gibt es oft interne Frauenquoten, doch nur gut ein Viertel der Unternehmen erfüllt diese selbstgesteckten Ziele.
Vorstände:
Nur 3 Prozent der Vorstandsposten sind mit Frauen besetzt. Doch beginnt ein langsamer Wandel: Im vergangenen Jahr waren 16 Prozent der neuen Dax-Vorstände Frauen. (dpa)
(rtr/dapd/abendblatt.de)
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