16.01.13

Facebook

Einige Nutzer in Deutschland können schon neue Suche testen

Das weltgrößte Online-Netzwerk hat per Zufall Tester für die neue "Graph Search"-Funktion ausgewählt. Suchfunktion ist Angriff auf Google.

Foto: AFP
Mark Zuckerberg
Facebook- Gründer Mark Zuckerberg stellt die neue Suchfunktion "Graph Search" vor

Berlin. Die neue Suchfunktion bei Facebook funktioniert auch schon in Deutschland – allerdings nur bei einigen wenigen Nutzern. Wie von Facebook am Mittwoch zu erfahren war, gebe es hierzulande einige per Zufall ausgewählte Tester.

Weltweit seien Kandidaten bestimmt worden, die Facebook im US-amerikanischen Englisch verwenden. Jeder Nutzer kann sich auf eine Warteliste setzen lassen, um auch die international mit Interesse aufgenommene Funktion auszuprobieren.

Unternehmensgründer Mark Zuckerberg hatte die "Graph Search" genannte Funktion am Dienstagabend deutscher Zeit vorgestellt. Sie ermöglicht eine erweiterte Recherche etwa in Fotos oder Hobbys von Freunden oder den Freunden von Freunden. So sollen Facebook-Nutzer beispielsweise künftig nach "Freunden von Freunden, die in München gerne Schach spielen" suchen können.

Noch unbekannt ist laut Facebook, wann die Funktion auch in der deutschsprachigen Version des sozialen Netzwerks eingeführt wird.

Facebook tritt mit neuer Suchfunktion gegen Google an

Die seit Jahren versprochene "Soziale Suche" wird mit "Graph Search" nun greifbar. Damit bietet Facebook auch eine Alternative zur Google-Suche an und greift verstärkt den Konkurrenten auf dessen Territorium an.

Bei Suchanfragen außerhalb der Facebook-Welt (zum Beispiel "das neue Album von Rihanna") springt die Microsoft-Suchmaschine Bing ein Microsoft arbeitet seit einem strategischen Investment im Oktober 2007 in Höhe von 240 Millionen Dollar mit Facebook zusammen.

Facebook war im Mai vergangenen Jahres an die Börse gegangen und sucht seitdem verstärkt nach Wegen, mit seinem beliebten Netzwerk Geld zu verdienen. Suchmöglichkeiten nach Filmen oder Restaurants, die die eigenen Kontakte empfehlen, könnten auch für Werbekunden interessant sein. Zuckerberg stellte allerdings keine schnellen Einnahmen in Aussicht, sondern sagte nur, die Suche könne ein zukünftiges Geschäftsfeld sein.

Das Online-Netzwerk hatte schon lange die Vorzüge einer "Sozialen Suche" betont, bei der die Informationen der eigenen Freunde ausgewertet werden. Doch die Suchfunktion bei Facebook war bisher sehr eingeschränkt. Die neuen Möglichkeiten könnten nun Suchanfragen der Nutzer von Google oder Bewertungsportalen wie Yelp abziehen – zum Beispiel, wenn sie lieber nach einem Restaurant suchen, dass ihre Freunde mögen. Mit Google streitet Facebook bereits seit Jahren um den Zugang zu Nutzerinformationen. Der Suchmaschinenbetreiber baute zudem mit Google+ ein eigenes Online-Netzwerk auf.

An der Börse wurden die Pläne von Facebook-Chef Zuckerberg skeptisch aufgenommen: Die Facebook-Aktie verlor nach der Präsentation 2,74 Prozent auf 30,10 Dollar. Der Kurs von Google dagegen konnte leicht um 0,2 Prozent zulegen. Hart getroffen wurde dagegen die Aktie des Empfehlungsnetzwerks Yelp, die über sechs Prozent an der New York Stock Exchange nachgab.

Facebook: Größtes Online-Netzwerk der Welt

Facebook hat jüngst die Marke von einer Milliarde Nutzern überschritten – damit ist rund jeder siebte Erdenbürger bei dem weltgrößten Online-Netzwerk aktiv.

Facebook-Mitglieder können über die Plattform Bilder, Text-Mitteilungen oder auch Internet-Links miteinander teilen und mit einem Klick positiv bewerten.

Mit "Graph Search" wird man diese Inhalte und Beziehungen auch durchsuchen können.

Die Facebook-Anwender können entscheiden, ob nur die eigenen Freunde die Einträge sehen können, oder alle Welt. Vor allem junge Menschen sind nahezu vollzählig bei Facebook vertreten.

Viele deutsche Datenschützer stehen Facebook allerdings sehr kritisch gegenüber.

Sie stören sich unter anderem daran, dass die Daten auf Servern in den USA lagern und dort in einigen Fällen auch weiter gespeichert bleiben können, wenn der Nutzer sie gelöscht hat.

Facebook hat seinen Europa-Sitz in Irland und wird deshalb federführend von den dortigen Datenschützern überwacht.

Auf ihren Druck ließ das Online-Netzwerk zuletzt eine umstrittene Gesichtserkennungs-Funktion in ihrer anfänglichen Form fallen.

Facebook finanziert sich durch Werbung und nutzt die Daten der Nutzer, damit Unternehmen mit ihren Anzeigen bestimmte Zielgruppen erreichen können.

Das Unternehmen betont allerdings, dass alle Informationen nur anonymisiert nach außen gelangen. (dpa)

Datenschützer warnt vor neuer Facebook-Suche

Der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, hat die neue Suchfunktion des sozialen Netzwerks Facebook massiv kritisiert. "Ich finde das überhaupt nicht toll", sagte er. Die erweiterte Suche führe dazu, "dass völlig unkalkulierbar auf einmal Daten ausgewertet werden".

Die überarbeitete Suchfunktion, die Facebook am 15. Januar vorgestellt hatte, ermöglicht Anfragen wie "Fotos meiner Freunde vor 1999" oder "Restaurants, die meinen Freunden gefallen", so sie diese Informationen mit Facebook geteilt haben.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte während der Produktankündigung mehrfach bentont, dass bei der Suche die Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre berücksichtig würden.

Nutzer bekämen nur die Ergebnisse angezeigt, die sie auch so innerhalb ihres Netzwerkes aufstöbern könnten. Fremde könnten keine Inhalte sehen, die man nur mit seinen Freunden geteilt habe.

Diese Zusage reicht Weichert jedoch nicht: "Die Suchfunktion, die wir vom Internet kennen, wird jetzt in den Freundeskreis hineingezogen, mit der Folge, dass hochsensible Informationen auch Dritten zur Kenntnis gelangen", sagte der Facebook-Kritiker.

Informationen, die möglicherweise nur für bestimmte Freunde gedacht waren, würden im Nachhinein auffindbar. "Hier wird definitiv ein weiterer Eingriff ins Datenschutzrecht vorgenommen, der meines Erachtens nicht akzeptabel ist", sagte Weichert.

Die Funktion ist zunächst nur für einige Facebook-Mitglieder in den USA freigeschaltet. Wann sie in Deutschland verfügbar sein könnte, ist unklar. Weichert rät dennoch zur Vorsicht: "Ich kann eigentlich nur den Ratschlag geben: Hände weg von Facebook." (dpa)

(dapd/dpa/abendblatt.de)
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