09.01.13

Neuer Hoffnungsträger

Bei Opel rollt der neue Adam vom Band

Neue Modelle sollen den Absatz beim angeschlagenen Autobauer ankurbeln. Nach dem Mokka kommt nun das Lifestyle-Auto Adam.

Von Harald Schmidt, Christian Schneider
Foto: dpa
Opel Adam
Beim Autosalon Paris wurde der Opel Adam im September 2012 vorgestellt. Am 10. Januar 2013 startet der Autobauer Opel in seinem Thüringer Werk in Eisenach die Serienfertigung des Kleinwagens Adam

Eisenach/Rüsselsheim. Trübsal in Bochum, Freude in Eisenach: Am Donnerstag (10. Januar) startet der Autobauer Opel in seinem Thüringer Werk die Serienfertigung des Kleinwagens Adam. Das sichert erstmal Arbeitsplätze im jüngsten deutschen Opel-Werk - während am 50 Jahre alten Standort im Ruhrgebiet erst vor wenigen Wochen das Aus der Autofertigung für 2016 angekündigt wurde.

Geht es nach dem Opel-Management, haben die Jobs in Eisenach lange Bestand. Denn der 3,70 Meter kleine Stadtflitzer ist ein Hoffnungsträger, betont ein Sprecher der Adam Opel AG: "Der Adam wird kein Nischenmodell sein. Er wird ein Volumenmodell für Opel werden."

Absatzprognosen gibt es bei Opel nicht. Experte Ferdinand Dudenhöffer traut dem Adam etwa 50 000 Verkäufe pro Jahr zu: "Das ist nicht der ganz große Durchbruch, aber ein wichtiges Puzzle-Teilchen für die Zukunft."

Das Fahrzeug mit den vielen Gesichtern – Opel spricht von zigtausenden Variationsmöglichkeiten innen wie außen je nach Kundengeschmack – ist Teil des Unternehmensplans "Drive Opel 2022". Interims-Chef Thomas Sedran prophezeite: "Wir werden eine ganze Reihe von neuen Fahrzeugen in den Markt bringen, mit denen wir Lücken in unserem Portfolio schließen und in Wachstumssegmente vorstoßen."

Der Adam ist nach dem kompakten SUV (Sportgeländewagen) Mokka und vor dem Cabriolet Cascada der zweite Wagen, der die Lücken im Opel-Angebot schließen soll – und vor allem junge Käufer ansprechen. Das Unternehmen bewirbt den Kleinwagen als Lifestyle-Stadtflitzer, der mit Modellen wie Mini oder Fiat 500 um die Gunst der Kunden kämpfen werde. "Das Auto signalisiert die Aufbruchstimmung bei Opel", betont ein Sprecher. Keine Frage: Der Adam soll auch das angestaubte Image der Marke verbessern.

Dudenhöffer sieht Opel mit dem Stadtwagen im Vorteil gegenüber anderen Herstellern wie VW, Ford oder Japanern und Franzosen, die nichts Vergleichbares hätten: "Das bringt Selbstvertrauen und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Natürlich macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, aber mehr Schwalben á la Adam werden Opel helfen, sich als Unternehmen und Marke wieder stabiler aufzustellen."

190 Millionen Euro investierte die schwächelnde Tochter des US-Riesen General Motors (GM) in Eisenach. Doch ob der Adam den Standort tatsächlich auf Dauer sichern wird, ist offen. Denn GM sprudelte schon lange kein Geld mehr aus Europa in die Kassen. Vielmehr erwartet der US-Riese wegen der tiefen Absatzkrise allein für 2012 einen operativen Verlust in Europa von bis zu 1,4 Milliarden Euro. Auch 2013 soll nur etwas besser werden. Frühestens zur Mitte des Jahrzehnts rechnet GM mit einer schwarzen Null vor Sonderkosten.

Trotzdem gibt sich GM-Vize Steve Girsky zuversichtlich und strebt 2013 stabile Verkäufe über der Millionen-Marke an, obwohl der Markt weiter schrumpfen werde: "Wir haben neue Produkte, die uns helfen werden, den erwarteten Marktrückgang zu kompensieren."

Auch aus einem anderen Grund könnte es nochmals eng werden: Die Verhandlungen zur Zukunft der deutschen Werke sind noch immer nicht abgeschlossen. Vehement fordert Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug endlich ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland: "Es geht um die langfristige Zukunft Opels. Ohne Fertigung in Deutschland wird es keinen Erfolg geben."

Die Arbeitnehmervertreter wollen die Jobs auch dadurch sichern, dass Wagen der Schwestermarke Chevrolet für den europäischen Markt in Opel-Fabriken statt in Korea gebaut werden. Auch den Mokka, der seit Oktober in den Autohäusern steht und für den Anfang Januar mehr als 67 000 Bestellungen vorlagen, will der Betriebsrat so bald wie möglich von Asien nach Europa holen.

Davon könnten erneut das 20 Jahre alten Werk Eisenach und seine 1600 Beschäftigten profitieren. Aktuell teilen sie sich die Corsa-Fertigung mit Kollegen im spanischen Saragossa. Wegen des Absatzeinbruchs in Europa läuft der Wagen seit Jahresbeginn allerdings nur noch in zwei Schichten vom Band. Zu hören ist, dass der Mokka künftig in Spanien gefertigt werden könnte – im Gegenzug würde Eisenach einen größeren Teil der Corsa-Produktion übernehmen.

Der Autobauer Opel

Der Autobauer Opel ("Insignia", "Astra") steckt in der Krise: Die US-Konzernmutter General Motors (GM) erwartet allein für 2012 einen Verlust in Europa von bis zu 1,4 Milliarden Euro.

Das Unternehmen baut seit Jahren Stellen ab. In der jüngsten Sparrunde wurden 8000 Jobs gestrichen und das Werk Antwerpen geschlossen.

Ende 2012 wird der Hersteller mit Sitz in Rüsselsheim europaweit 37.400 Menschen beschäftigen.

2016 schließt die Getriebefertigung in Bochum mit rund 300 Beschäftigten, die Autofertigung dort soll 2016 auslaufen.

Bis zu 3000 Stellen könnten wegfallen. Weitere Standorte sind etwa Eisenach und Kaiserslautern. (dpa)

Chronologie der Opel-Krise
Chronologie der Opel-Krise. Seit Jahren ringt der deutsche Autobauer Opel um seine Zukunft- ein Rückblick:
2001: Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss das Handtuch werfen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, mit dem europaweit angelegten "Restrukturierungsprogramm Olympia" die Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) wieder profitabel zu machen.
2004: GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter vor, der den Abbau von 12 000 Arbeitsplätzen vorsieht – davon bis zu 10 000 in Deutschland.
2005: Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen "Zukunftsvertrag", der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.
2008: Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.
2009: Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.
2010: Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48 000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.
2011: Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.
16. Februar 2012: General Motors gibt in seinem Europageschäft – das in erster Linie aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall besteht – für 2011 operativ 747 Millionen Dollar (573 Mio Euro) Verlust bekannt. Dagegen fuhr GM unterm Strich 7,6 Milliarden Dollar Gewinn ein.
3. Mai 2012: Opel kommt einfach nicht vom Fleck. Im ersten Quartal liegt der Verlust von GM in Europa operativ bei 256 Millionen Dollar oder umgerechnet 195 Millionen Euro.
17. Mai 2012: Opel gibt bekannt, dass das Stammwerk Rüsselsheim die Produktion des mit Abstand wichtigsten Modells Astra verliert. Das Modell soll von 2015 an nur noch im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gebaut werden.
13. Juni 2012: Gnadenfrist für die Opelaner in Bochum, aber keine Rettung: Das Werk in Bochum soll zumindest so lange erhalten bleiben, bis die aktuelle Zafira-Fertigung dort Ende 2016 ausläuft, teilen die Adam Opel AG, der Betriebsrat und die IG Metall mit.
28. Juni 2012: Der Opel-Aufsichtsrat billigt einen entschärften Sanierungsplan. Teure Überkapazität soll abgebaut werden, indem Modelle wie der kleine SUV Mokka, der Antara oder der Agila nicht mehr in Korea, sondern in Europa vom Band rollen. Zudem soll in die Produktpalette von Opel/Vauxhall investiert werden. Geplant sind zum Beispiel 23 neue Modelle in den kommenden vier Jahren. Unter anderem soll ab 2013 der Kleinstwagen Adam bei den Händlern zu haben sein.
12. Juli 2012: Zum dritten Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren wechselt GM bei Opel den Chef aus. Überraschend tritt Karl-Friedrich Stracke zurück. Die Geschäfte soll kommissarisch der GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky führen. (dpa)
Die Opel-Werke im Überblick
Die Opel-Werke im Überblick
Der Autobauer Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Obwohl erst Ende 2010 ein Werk geschlossen und die Zahl der Mitarbeiter zuletzt um mehr als 8000 auf inzwischen 39 000 reduziert wurde, kommt Opel deshalb nicht aus der Verlustzone.
Um Opel profitabel zu machen, ist nun unter anderem geplant, die Produktion des künftigen Astra von 2015 an auf Ellesmere Port in England und das kostengünstige polnische Gleiwitz zu konzentrieren. Bislang wird der Astra auch im Stammwerk Rüsselsheim gebaut. Die Opel-Werke im Überblick (Stand Ende 2011):
Deutschland (Mitarbeiter insgesamt: 22.166):
In Bochum liefen 2011 ein Astra-Modell und zwei Zafira-Modelle vom Band. Nach Werksangaben arbeiten noch 3200 Beschäftigte direkt im Unternehmen sowie rund 1000 Menschen bei Partner- und Fremdfirmen.
In Eisenach bauen 1524 Beschäftigte den Corsa.
Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. Mitarbeiter: 13.825, davon 3200 in der Produktion.
In Kaiserslautern bauen 2640 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.
Polen:
In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in dem Werk sind 3523 Menschen beschäftigt.
Spanien:
Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.
England (Mitarbeiter insgesamt: 4000):
Etwa 2100 Mitarbeiter bauen in Ellesmere Port Astra-Modelle.
In Luton werden die baugleichen Transporter Opel Vivaro und Renault Traffic von 1100 Beschäftigten gefertigt.
Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1736) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren. (dpa)
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