08.01.13

Elektronikhändler

Media Markt steht vor Rückzug aus China

Media-Saturn steht in Fernost nach Testphase am Scheideweg. Aufbau eines großen Ladennetzes wäre teuer. Metro-Aktie kräftig im Plus.

Foto: Media - Saturn
Erster 2010 eröffneter Media Markt in Shanghai: Mehrheitseigentümer Metro scheut eine kostspielige Expansion auf dem hart umkämpften chinesischen Markt - die Zeichen stehen auf Rückzug
Erster 2010 eröffneter Media Markt in Shanghai: Mehrheitseigentümer Metro scheut eine kostspielige Expansion auf dem hart umkämpften chinesischen Markt - die Zeichen stehen auf Rückzug

Düsseldorf. Europas führende Elektronikketten Media Markt und Saturn stehen nach einem zweijährigen Test vor dem Rückzug aus China. Der Mehrheitseigentümer Metro will gut informierten Kreisen zufolge keine kostspielige Expansion von Media-Saturn mit hohen Anlaufverlusten im hart umkämpften chinesischen Markt starten. Eine Entscheidung werde in der kommenden Woche bekanntgegeben, hieß es in Kreisen am Dienstag. Zuvor berichtete die "Börsen-Zeitung" (Dienstag) über einen bevorstehenden Rückzug von Media Markt aus China. Ein Metro-Konzernsprecher kommentierte die Berichte nicht. Die Metro-Stammaktie war am Dienstag mit einem Plus von zeitweise 3,51 Prozent auf 23 Euro einer der stärksten Werte im Aktienindex MDax.

Dass der Handelskonzern Metro die Reißleine beim China-Abenteuer seiner Elektronikketten ziehen will, kommt für Beobachter nicht überraschend. Viele lokalen Anbieter machen es der Media-Saturn Holding (MSH) in China schwer. Aber auch das Internet ist eine starke Konkurrenz. Für die China-Expansion von Media-Saturn wurde ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Elektronikhersteller Foxconn gegründet. 2010 eröffnete der erste Laden, seitdem sind sechs Läden im Raum Shanghai dazu gekommen. MSH-Mehrheitseigentümer Metro hat schon mehrere Großbaustellen in Europa zu bewältigen. Außerdem muss der Dax-Absteiger bei seinen Investitionen Prioritäten setzen.

Commerzbank-Analyst Jürgen Elfers erwartet einen Rückzug von Media-Saturn aus China bereits seit Sommer 2012. Der Partner Foxconn könnte die sieben Märkte mit eigenen Aktivitäten zusammenlegen. Es wäre aber auch ein Verkauf an die Konkurrenz denkbar, meint er. Ein höherer zweistelliger Millionenbetrag sei als Rückzugskosten zu erwarten, der wahrscheinlich noch im Geschäftsjahr 2012 verbucht werde. In den sieben chinesischen Läden von Media Markt sind nach Informationen aus Branchenkreisen etwa 1000 Mitarbeiter tätig. Media Markt hat seinen deutschen Werbespruch "Ich bin doch nicht blöd" in einige andere Länder übertragen, allerdings nicht nach China.

Bereits Ende November hatte der MSH-Minderheitseigentümer Erich Kellerhals der Metro mangelnde Investitionsbereitschaft in China vorgeworfen. "Im harten chinesischen Wettbewerb kann man sich nur behaupten, wenn man rasch und offensiv expandiert. Es gibt nur die Wahl, entweder ganz oder gar nicht mitzumischen, ein Mittelweg führt ins Nichts", erklärte er damals. Kellerhals stieg aus der für die China-Expansion gegründeten Gesellschaft aus. Die Metro warf damals ihrerseits Kellerhals vor, sich weder nachhaltig noch konstruktiv für ein Voranbringen des China-Geschäfts engagiert zu haben. Metro habe für Media-Saturn in China auch verschiedene Übernahmemöglichkeiten geprüft, bis zu dem Zeitpunkt allerdings nichts Passendes gefunden.

Kellerhals, der Media Markt einst gegründet hatte und einen Anteil von knapp 22 Prozent an MSH hält, liegt bereits seit Jahren mit dem Metro-Vorstand im Streit. Dem Düsseldorfer Konzern gehört zwar die Mehrheit an MSH, Kellerhals hat in wichtigen Fragen aber ein Vetorecht. Erst am Wochenende hatte der Milliardär in einem Interview erneut die Unternehmensführung von Metro-Chef Olaf Koch kritisiert. Im Geschäftsjahr 2011 ging der Umsatz von Media-Saturn um 0,9 Prozent auf 20,6 Milliarden Euro zurück. Als Gründe wurden eine schwierige Konjunktur und der Rückzug von Saturn aus Frankreich genannt. Der operative Gewinn (EBIT) stagnierte 2011 bei 493 Millionen Euro.

Metro: Ein Handelsriese im Umbau
Metro: Ein Handelsriese im Umbau
Der Handelsriese Metro hat viele Baustellen. Vorstandschef Olaf Koch hat dem rund 280 000 Mitarbeiter zählenden Düsseldorfer Konzern im Frühjahr eine neue Strategie verpasst.
Mit gezielten Preissenkungen auf der einen und Kosteneinsparungen auf der anderen Seite soll es mit Umsatz und Gewinn wieder aufwärtsgehen.
Die Metro AG muss in Krisenzeiten aggressiver um Kunden werben. Sparprogramme infolge der Staatsschuldenkrise und eine hohe Arbeitslosigkeit dämpfen in vielen Ländern Europas die Konsumfreude.
Die neue Strategie zeigt nach Metro-Einschätzung mit einem Umsatzanstieg im zweiten Quartal 2012 schon Wirkung. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr 2012 durch Preissenkungen und Sondereffekte ein Verlust.
Traditionell fährt der Handelskonzern aber den Großteil seiner Gewinne in der zweiten Jahreshälfte ein. Eine steigende Nachfrage und Kosteneinsparungen sollen im Gesamtjahr 2012 das bereinigte operative Ergebnis stabil halten.
In Verwaltungsbereichen des Konzerns ist der Abbau von weltweit rund 1200 Stellen geplant.
Kern des Konzerns ist das Metro-Großhandelsgeschäft, das für fast die Hälfte des Konzernumsatzes von 67 Milliarden Euro (2011) steht.
Media-Saturn ("Media Markt", "Saturn", "Redcoon") ist die zweitgrößte Tochter, die erst spät auf den Internetboom aufgesprungen ist.
Beim Lebensmittelhändler Real spricht Metro unbestätigten Informationen zufolge mit Interessenten über einen Verkauf des Auslandsgeschäftes.
Nicht mehr zum Kerngeschäft der Metro zählt bereits seit Jahren die Warenhaustochter Kaufhof, deren Verkauf aber derzeit auf Eis liegt. (dpa)
(dpa)
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