08.01.13

Übernahmepläne?

Französische Regierung drängt Peugeot zu Opel-Kauf

Schmieden Peugeot-Citroën und Opel Fusionspläne gegen VW? Angeblich drängt Paris den französischen Autohersteller zur Übernahme.

Foto: dpa
Logos von Opel und Peugeot
Die französische Regierung soll den angeschlagenen Autohersteller Peugeot-Citroen (PSA) laut einem Pressebericht dazu drängen, den ebenfalls kriselnden Konkurrenten Opel zu übernehmen

Paris/Rüsselsheim. Die französische Regierung soll den angeschlagenen Autohersteller Peugeot-Citroën (PSA) laut einem Pressebericht dazu drängen, den ebenfalls kriselnden Konkurrenten Opel zu übernehmen. Das berichtet die französische Zeitung "Le Monde" am Dienstag unter Berufung auf Mitarbeiter des Finanzministeriums und das Umfeld von Präsident François Hollande.

Damit solle eine Allianz gegen Europas größten Autohersteller Volkswagen geschmiedet werden. Ein Sprecher von Peugeot Deutschland wollte den Bericht nicht kommentieren, auch in der Zentrale von PSA hieß es laut "Le Monde", es seien "keine weiteren Umstrukturierungen" geplant. Bei Opel wurde die Spekulation ebenfalls zurückgewiesen.

Ohnehin ist fraglich, wie PSA die Übernahme finanzieren sollte: Der Konzern wird voraussichtlich bis 2014 monatlich einen dreistelligen Millionenbetrag verlieren. Erst Ende Oktober hatte Frankreichs Regierung die PSA-Finanzsparte mit sieben Milliarden Euro Garantien stützen müssen.

Bereits im Februar 2012 hatten PSA und die Opel-Mutter General Motors eine strategische Allianz geschlossen. GM war mit sieben Prozent bei den Franzosen eingestiegen. Seitdem wurde über eine Fusion von Europas Nummer zwei und Opel spekuliert.

Im Dezember hatten PSA und Opel eine engere Zusammenarbeit beschlossen. Sie wollen ihren Einkauf in einem Gemeinschaftsunternehmen bündeln und gemeinsam zunächst drei Fahrzeugprojekte entwickeln.

Laut "Le Monde" heißt es aus dem französischen Finanzministerium, dass GM nur von einer Verschmelzung überzeugt werden könne, wenn die Franzosen Opel direkt aufkauften.

GM-Manager hatten ihrer Europatochter zuletzt immer wieder die Treue geschworen. "GM steht voll und ganz hinter Opel. Opel spielt eine wichtige Rolle in unserer weltweiten Strategie", hatte GM-Vize Steve Girsky Ende letzten Jahres gesagt. GM und Opel arbeiteten so eng und gut zusammen wie nie zuvor, betonte Girsky, der dem Opel-Aufsichtsrat vorsitzt und vom Opel-Betriebsrat in höchsten Tönen gelobt wird.

Der GM-Vize versprach: "Wir geben Opel das Werkzeug an die Hand, um wieder erfolgreich zu sein." Dazu gehöre neben guten Produkten oder Investitionen in die Marke auch die Allianz mit PSA. GM will durch die Zusammenarbeit mit PSA bei Fahrzeugen, die nur für Europa und nicht andere GM-Märkte gebaut werden, dank größerer Mengen die Kosten drücken.

Der Autobauer Opel

Der Autobauer Opel ("Insignia", "Astra") steckt in der Krise: Die US-Konzernmutter General Motors (GM) erwartet allein für 2012 einen Verlust in Europa von bis zu 1,4 Milliarden Euro.

Das Unternehmen baut seit Jahren Stellen ab. In der jüngsten Sparrunde wurden 8000 Jobs gestrichen und das Werk Antwerpen geschlossen.

Ende 2012 wird der Hersteller mit Sitz in Rüsselsheim europaweit 37.400 Menschen beschäftigen.

2016 schließt die Getriebefertigung in Bochum mit rund 300 Beschäftigten, die Autofertigung dort soll 2016 auslaufen.

Bis zu 3000 Stellen könnten wegfallen. Weitere Standorte sind etwa Eisenach und Kaiserslautern. (dpa)

PSA Peugeot Citroën

Der französische Konzern PSA Peugeot Citroën ist nach Volkswagen Europas zweitgrößter Autobauer.

Im Gegensatz zu den Wolfsburgern investierte er aber nur zögerlich in Wachstums- und Schwellenländern.

Von der Krise auf dem europäischen Heimatmarkt wird PSA deswegen besonders schwer getroffen.

Um aus der Verlustzone zu kommen, sollen nun mehr als 8000 Arbeitsplätze wegfallen.

Ein Werk bei Paris wird geschlossen. Die auf Fahrzeugkredite spezialisierte Finanzsparte von PSA ist auf staatliche Garantien in Milliardenhöhe angewiesen.

Als Gegenleistung muss der Konzern eine staatliche Kontrollen der Sanierungsbemühungen akzeptieren. PSA beschäftigte Ende 2011 rund 209.000 Menschen, davon 123.000 in der Autosparte. (dpa)

Chronologie der Opel-Krise
Chronologie der Opel-Krise. Seit Jahren ringt der deutsche Autobauer Opel um seine Zukunft- ein Rückblick:
2001: Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss das Handtuch werfen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, mit dem europaweit angelegten "Restrukturierungsprogramm Olympia" die Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) wieder profitabel zu machen.
2004: GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter vor, der den Abbau von 12 000 Arbeitsplätzen vorsieht – davon bis zu 10 000 in Deutschland.
2005: Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen "Zukunftsvertrag", der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.
2008: Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.
2009: Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.
2010: Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48 000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.
2011: Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.
16. Februar 2012: General Motors gibt in seinem Europageschäft – das in erster Linie aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall besteht – für 2011 operativ 747 Millionen Dollar (573 Mio Euro) Verlust bekannt. Dagegen fuhr GM unterm Strich 7,6 Milliarden Dollar Gewinn ein.
3. Mai 2012: Opel kommt einfach nicht vom Fleck. Im ersten Quartal liegt der Verlust von GM in Europa operativ bei 256 Millionen Dollar oder umgerechnet 195 Millionen Euro.
17. Mai 2012: Opel gibt bekannt, dass das Stammwerk Rüsselsheim die Produktion des mit Abstand wichtigsten Modells Astra verliert. Das Modell soll von 2015 an nur noch im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gebaut werden.
13. Juni 2012: Gnadenfrist für die Opelaner in Bochum, aber keine Rettung: Das Werk in Bochum soll zumindest so lange erhalten bleiben, bis die aktuelle Zafira-Fertigung dort Ende 2016 ausläuft, teilen die Adam Opel AG, der Betriebsrat und die IG Metall mit.
28. Juni 2012: Der Opel-Aufsichtsrat billigt einen entschärften Sanierungsplan. Teure Überkapazität soll abgebaut werden, indem Modelle wie der kleine SUV Mokka, der Antara oder der Agila nicht mehr in Korea, sondern in Europa vom Band rollen. Zudem soll in die Produktpalette von Opel/Vauxhall investiert werden. Geplant sind zum Beispiel 23 neue Modelle in den kommenden vier Jahren. Unter anderem soll ab 2013 der Kleinstwagen Adam bei den Händlern zu haben sein.
12. Juli 2012: Zum dritten Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren wechselt GM bei Opel den Chef aus. Überraschend tritt Karl-Friedrich Stracke zurück. Die Geschäfte soll kommissarisch der GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky führen. (dpa)
(dpa)
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