21.12.12

Stimmungsumschwung

Wirtschaft sieht Licht – doch Verbraucher werden skeptischer

Bislang konnte die Euro-Krise die Kauflaune nicht trüben. Jetzt, wo Firmen Ende der Konjunkturdelle sehen, werden Verbraucher vorsichtig.

Von Elke Richter
Foto: dapd
Weihnachtseinkäufe
Während die Unternehmen für 2013 optimistischer sind, werden Verbraucher skeptischer

Nürnberg. Es ist paradox: Seit Herbst 2011 hat sich die Stimmung der Verbraucher stetig verbessert, von einer kleinen Delle im Sommer abgesehen. An dem Aufwärtstrend änderten auch die wiederkehrenden Hiobsbotschaften aus Griechenland nichts.

Selbst die nachlassende Konjunktur im eigenen Land ließ die Deutschen zunächst ungerührt: Der Konsumklimaindex stieg im Oktober und November auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Doch jetzt, wo die Schuldenkrise etwas in den Hintergrund gerückt ist und die hiesigen Unternehmen wieder optimistischer in die Zukunft blicken, sinkt bei den Verbrauchern auf einmal die Zuversicht.

Zum zweiten Mal in Folge geht der Konsumklimaindex leicht zurück, wie das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK am Freitag mitteilte. Nur wenige Tage zuvor hatte außerdem eine Umfrage der Allianz-Versicherung und der Universität Hohenheim ergeben, dass sich die Deutschen wieder mehr Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen. Nur noch 57 Prozent sind demnach zuversichtlich, dass ihre eigene Stelle im kommenden Jahr sicher ist – 2011 waren es noch 62 Prozent. Nicht einmal jeder Vierte sehe der weiteren Entwicklung des Arbeitsmarktes optimistisch entgegen.

Woher kommt dieser Stimmungsumschwung? Experten weisen daraufhin, dass die Euro-Schuldenkrise vielen Menschen derart komplex erscheine, dass sie sich damit gar nicht erst auseinandersetzten. Die aus der Krise resultierende Bedrohung auch für die deutsche Wirtschaft werde dadurch nur vage wahrgenommen – zumal dank der lange Zeit brummenden Konjunktur und der guten Tarifabschlüsse im Portemonnaie des Einzelnen bislang noch keine negativen Folgen spürbar waren.

Die Entwicklung der Konjunktur im eigenen Land hingegen ist greifbarer: "Wir hatten im November/Dezember eine große Runde von vielen neuen Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung, und die wurden eigentlich durch die Bank weg zurückgenommen für 2013", erläutert GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Diese pessimistischere Einschätzung des Wirtschaftswachstums schlage nun mit einer kleinen Verzögerung auch auf den Konsumklimaindex durch.

Dabei gibt es inzwischen schon wieder eine ganze Reihe von positiven Signalen. So stieg der ifo-Geschäftsklimaindex nach sechs Rückgängen im Dezember zum zweiten Mal wieder an. "Die Firmen bewerten ihre aktuelle Lage zwar etwas weniger günstig als im Vormonat. Jedoch hat der Pessimismus bezüglich der weiteren Geschäftsentwicklung deutlich abgenommen", erläuterte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Mittwoch. Die Unternehmen rechneten damit, dass es nach rückläufigen Geschäften ab dem Frühjahr wieder aufwärtsgeht.

Einige gute Nachrichten hatte zuletzt auch die Bundesbank. Zwar verkündete sie, dass die deutsche Wirtschaft im Winterhalbjahr voraussichtlich schrumpfen werde. Doch anders als der Euroraum werde Deutschland nicht in die Rezession abrutschen, sondern die Talsohle schon im Frühjahr wieder verlassen. Da die deutsche Wirtschaft "eine gute Grundkonstitution" besitze, werde sie die Schwächephase ohne größere Schäden insbesondere am Arbeitsmarkt überstehen, betonten die Währungshüter.

Auch die führenden Forschungsinstitute und die Wirtschaftsweisen gehen von einem baldigen Ende der Konjunktur-Delle aus und erwarten, dass die deutsche Wirtschaft nächstes Jahr allmählich wieder in Schwung kommt. Leicht unterschiedliche Meinungen gibt es lediglich darüber, ab wann und wie kräftig die Erholung kommt.

Und auch auf dem Arbeitsmarkt schaut es so schlecht nicht aus. Der rund drei Jahre anhaltende Job-Boom scheint zwar in der Tat vorbei, und im bevorstehenden Winter rechnet selbst die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit steigenden Arbeitslosenzahlen. Nichtsdestrotz handelt es sich bislang bei weitem nicht um einen Einbruch, sondern eher um einen Stillstand auf dem Arbeitsmarkt – wohlgemerkt auf einem extrem hohen Niveau. Und schon in der zweiten Jahreshälfte 2013 könnte der Stellenmarkt wieder brummen, hofft BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Seine Einschätzung teilen auch Konjunkturforscher und Bankenvolkswirte.

Konsumklimaindex bildet die Verbraucherstimmung ab
Konsumklimaindex bildet die Verbraucherstimmung ab
Allmonatlich befragt das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK rund 2000 Konsumenten in Deutschland, um die aktuelle Verbraucherstimmung zu ermitteln.
Im Mittelpunkt der Studie stehen die Konjunktur- und Einkommenserwartungen sowie die Anschaffungsneigung. Allerdings fließen die Konjunkturerwartungen nicht direkt in den sogenannten Konsumklimaindex ein, der die Entwicklung des privaten Verbrauchs darstellen soll.
Der Grund: Sie sind in der Regel stark von aktuellen Entwicklungen und deren Darstellung in den Medien dominiert und entsprechend oft verzerrt.
Stattdessen fließen die Konjunkturerwartungen indirekt über die persönlichen Einkommensaussichten in den Indikator ein, dessen wesentliche Komponenten darüber hinaus die Anschaffungs- und die Sparneigung sind.
Den Befragten werden drei zentrale Fragen gestellt: "Was glauben Sie – wie wird sich die allgemeine wirtschaftliche Lage in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?"
Als Antworten sind "sich verbessern", "gleich bleiben" und "verschlechtern" möglich.
Die gleiche Auswahl gibt es bei der Frage nach den Einkommenserwartungen: "Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die finanzielle Lage Ihres Haushalts in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?"
Der Konsum- und Anschaffungsneigung liegt die Frage zugrunde: "Glauben Sie, dass es zurzeit ratsam ist, größere Anschaffungen zu tätigen?" (günstig – weder noch – ungünstig).
Die Konsumklimastudie wird – teils von anderen Unternehmen – im Auftrag der EU-Kommission in sämtlichen EU-Staaten durchgeführt. (dpa)
Das Bruttoinlandsprodukt und die Alternativen
Das Bruttoinlandsprodukt und die Alternativen
Keine andere Wirtschaftskennziffer findet so viel Aufmerksamkeit: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt als wichtigster Gradmesser für die Leistung einer Volkswirtschaft.
Es umfasst den Wert aller erwirtschafteten Güter und Dienstleistungen, die in einem bestimmten Zeitraum innerhalb der Landesgrenzen produziert werden.
Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Verteilung des Wohlstandes oder ökologische Nachhaltigkeit spielen dabei jedoch keine Rolle.
Forscher in aller Welt versuchen daher, einen alternativen Indikator für Wohlstand zu entwickeln, um zu einer Neudefinition von Lebensqualität zu kommen. (dpa)
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