06.12.12

Frauen in Führungspositionen

Studie belegt: Kaum Fortschritte zu vermelden

Die EU will mehr Frauen in den Chefetagen sehen. Für Aufsichtsräte soll ab 2020 eine Frauenquote gelten. Die Realität sieht anders aus.

Foto: dapd
Weibliche Führungskräfte
Die Zahl der Frauen in Führungspositionen steigt nur langsam

Hamburg. Die Debatte um Frauen in Führungspositionen wird seit Jahren geführt, zuletzt immer intensiver. In der Folge passiert dagegen relativ wenig. Die Zahl der Frauen an der Spitze nimmt kaum zu – sie erobern die Chefetagen der deutschen Wirtschaft nur ganz langsam.

Ihr Anteil an der landesweiten Führungsschicht in Aufsichtsräten liegt bei 17,2 Prozent und in den Betrieben bei 21,3 Prozent, wie die Wirtschaftsauskunftei Bürgel am Donnerstag in Hamburg mitteilte. In Hamburg beträgt die Frauenquote in Aufsichtsräten 16,4 Prozent - dicht am Bundesdurchschnitt.

Spitzenreiter ist Brandenburg mit einem Frauenanteil bei den Aufsichtsratsmitgliedern von 27,9 Prozent. Auch in Mecklenburg-Vorpommern liegt im Ländervergleich 26,6 Prozent ganz vorne. Schlusslicht bildet hingegen Bremen mit lediglich 11,8 Prozent. Damit klaffen die regionalen Unterschiede bei den Top-Positionen stark auseinander.

Bei den allgemeinen Führungspositionen liegt Berlin mit 24,2 Prozent an der Spitze. Die Hansestadt bewegt sich mit 21,9 Prozent im Mittelfeld. Am wenigsten Frauen in Führungspositionen arbeiten in Baden-Württemberg mit 19,3 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich deutschlandweit die Zahl der Geschäftsführerinnen, Vorstandsfrauen, weiblichen Aufsichtsräten und Inhaberinnen um 1,3 Prozent. Das stärkste Wachstum um plus 2,7 Prozent verzeichnet die Hauptstandt, gefolgt von Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit einem Plus von 2,4 Prozent. Einen vergleichsweise geringen Anstieg des Frauenanteils in Führungspositionen meldet hingegen das Saarland mit plus 0,2 Prozent.

Die EU-Kommission will den rund 5000 börsennotierten Aktiengesellschaften in Europa einen Frauenanteil im Aufsichtsrat von 40 Prozent vorschreiben.

Bürgel hat für seine Studie rund 1,1 Millionen Führungspositionen statistisch ausgewertet, darunter 58 000 Aufsichtsräte. Danach sind Frauen vor allem in den Führungspositionen in der Schifffahrt, im Fahrzeugbau, im Hoch- und Tiefbau sowie im Maschinenbau schwach vertreten. In diesen Brachen liegt ihr Anteil an den Führungspositionen bei zehn bis zwölf Prozent.

Die meisten weiblichen Führungskräfte zählten die Bürgel-Statistiker im Gesundheitswesen, der Pharmabranche und dem Einzelhandel. Hier erreichte der Frauenanteil in der Top-Etage 34 bis 38 Prozent. Weitere beliebte Branchen für Frauen: Verlagswesen, Forschung und Entwicklung sowie Finanzdienstleistungen.

Aus der Studie geht zudem hervor, dass die Frauen immer seltener in Führungspositionen gelangen, je größer das Unternehmen ist. Bei Kleinunternehmen mit weniger als neun Mitarbeitern sind noch fast ein Viertel der Chefs weiblich. Bei Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten sinkt der Frauenanteil in der Führung auf 8,7 Prozent.

Frauenquoten in anderen Ländern
Gleichberechtigung in den Chefetagen
In Deutschland wird es nach dem deutlichen Nein von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorerst keine gesetzlich verpflichtende Frauenquote für die Chefetagen der Wirtschaft geben. Die Unternehmen sollen zunächst die Chance erhalten, ohne Zwang den Frauenanteil zu erhöhen. Ein späteres gesetzliches Handeln ist damit allerdings nicht ausgeschlossen. In einigen EU-Ländern existieren bereits solche Vorgaben für große Firmen. Ein Überblick.
Norwegen: Norwegen ist das erste Land in Europa, das mit einer Zwangsquote versucht hat, mehr Frauen in Spitzenpositionen zu bringen. Schon 2003 wurde eine Quote festgelegt. Das Gesetz dazu trat 2006 in Kraft. Die Schonfrist für die Firmen lief endgültig Ende 2007 aus. In Norwegen ist Pflicht, dass 40 Prozent der Aufsichtsratsmandate in einem Unternehmen von Frauen besetzt sind. Als Folge wuchs der Anteil weiblicher Mitglieder in diesen Gremien von 25 Prozent im Jahr 2004 auf 36 Prozent 2006 und auf 42 Prozent 2009. Laut Regierung schlug der Effekt auch auf kleinere Firmen über, für die die Quote eigentlich nicht gilt.
Frankreich: Das französische Parlament billigte Mitte Januar ein Gesetz, wonach Großunternehmen binnen sechs Jahren mindestens 40 Prozent der Posten in den Vorstandsetagen für Frauen frei halten müssen. Davor gilt für eine Übergangszeit von drei Jahren eine Mindestquote von 20 Prozent. Das Gesetz betrifft alle Firmen, die börsennotiert sind oder mehr als 500 Beschäftigte haben beziehungsweise mehr als 50 Millionen Euro Umsatz machen.
Spanien: In Spanien gilt seit 2007 eine Regelung, wonach börsennotierte Unternehmen und andere Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern in Vorstandsetagen denselben Anteil der Geschlechter anstreben müssen. Als Zielmarke gilt eine Quote von mindestens 40 Prozent innerhalb von acht Jahren – also bis 2015. Als Anreiz sollen Firmen, die die Kriterien erfüllen, bei der Vergabe staatlicher Aufträge bevorzugt behandelt werden.
Island: Island verabschiedete im März vergangenen Jahres ein Gesetz, wonach bis September 2013 der Anteil beider Geschlechter in den Führungsgremien von Firmen mit mehr als 50 Mitarbeitern mindestens 40 Prozent betragen muss.
Planungen in anderen EU-Ländern: In anderen EU-Staaten werden gesetzliche Regelungen vorbereitet – so etwa in Italien, Schweden, Belgien und den Niederlanden. Italien erwägt, dass Frauen in börsennotierten oder staatlichen Unternehmen mindestens ein Drittel der Mitglieder der Führungsspitze ausmachen müssen.
EU: Auf der Ebene der EU-Kommission wird ein "Zwei-Phasen-Ansatz" diskutiert. Justizkommissarin Viviane Reding kündigte an, falls bis Ende 2011 keine glaubwürdige Selbstregulierung gelinge, solle in einem zweiten Schritt ein Rechtsinstrument zur Einführung von Frauenquoten in Aufsichtsräten auf den Weg gebracht werden. Bis 2015 sollten 15 Prozent und bis 2010 40 Prozent der Gremien börsennotierter Unternehmen im europäischen Binnenmarkt weiblich sein.
Quelle: rtr
(dpa)
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