04.12.12

Energieversorger

Eon-Konzern steigt in türkischen Strommarkt ein

Deutscher Energiekonzern übernimmt vom österreichischen Konkurrenten Verbund Anteile am türkischen Energieunternehmen Enerjisa.

Foto: dapd
Eon
Eon steigt beim türkischen Energieversorger Enerjisa ein

Düsseldorf/Wien. Eon-Chef Johannes Teyssen hat den Einstieg des Energiekonzerns in den schnell wachsenden türkischen Markt perfekt gemacht. Der in Deutschland unter der Atomwende leidende Versorger übernimmt vom österreichischen Konkurrenten Verbund 50 Prozent der Anteile an dem türkischen Energieunternehmen Enerjisa.

Partner in dem Joint Venture ist die türkische Sabanci-Gruppe. "In der Türkei haben wir genau das gefunden, was wir gesucht haben – einen stabilen Markt mit interessanten Wachstumsperspektiven und einen hervorragenden Partner, der bestens etabliert ist", sagte Teyssen am Dienstag. Die Transaktion hat eine Größenordnung von 1,5 Milliarden Euro.

Eon ist in Deutschland an seine Wachstumsgrenzen gestoßen und sucht sein Heil in fernen Märkten. Anfang des Jahres hatte Teyssen bereits Brasilien ins Visier genommen. "Die Türkei zählt zu den wachstumsstärksten Ländern der Welt und verzeichnet eine erhebliche und anhaltende Zunahme des Energiebedarfs", erläuterte der Manager nun.

Mit dem Partner Sabanci wolle der Konzern bis 2020 in der Türkei über Kraftwerke mit einer Leistung von bis zu 8000 Megawatt verfügen. Damit würde der Anteil Enerjisas am Erzeugungsmarkt auf zehn von vier Prozent zulegen. Die Zahl der Endkunden – die meisten von ihnen in Ankara und Umgebung – soll von knapp 3,5 Millionen auf sechs Millionen steigen. Atomkraftwerke will Eon in der Türkei nicht errichten.

Bis 2015 will der Energieriese jährlich etwa 150 bis 200 Millionen Euro in das Gemeinschaftsunternehmen investieren. Das sind gemessen an früheren Milliardeninvestitionen des Konzerns in neue Märkte in Südeuropa oder Russland überschaubare Summen. Bei Eon sitzt das Geld aber auch bei weitem nicht mehr so locker. Das Unternehmen kämpft mit Schulden in Höhe von über 35 Milliarden Euro und will bis zu 11.000 Jobs streichen.

Der Anteilstausch mit Verbund soll im ersten Quartal 2013 abgeschlossen werden. Die Österreicher erhalten im Gegenzug zu dem Enerjisa-Paket von Eon Anteile an acht bayerischen Laufwasserkraftwerken und rund 300 Millionen Euro in bar. Der mehrheitlich in Staatsbesitz stehende Konzern will sich künftig auf Wasserkraft in Österreich und Deutschland konzentrieren.

"Daher ergreifen wir die Chance, unsere Wasserkrafterzeugung in Deutschland auszubauen sowie mehr Kontrolle in bestehenden Beteiligungen zu haben", sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Mit dem Ausstieg aus dem Türkei-Geschäft erzielt Verbund Schätzungen zufolge einen Buchgewinn von rund 500 Millionen Euro. Für den Einstieg in den Markt hatte der Konzern 1,2 Milliarden Euro gezahlt.

Mit dem Vorstoß in der Türkei kann Teyssen zum Ende eines schwierigen Jahres doch noch einen Erfolg verbuchen. Mitte November hatte der größte deutsche Energiekonzern noch mit der Rücknahme seiner Geschäftsprognosen für die kommenden Jahre für einen Kurssturz der Aktie gesorgt. Während in Europa die Strompreise wegen der schwächeren Konjunktur unter Druck sind, nimmt der Verbrauch in aufstrebenden Ländern wie der Türkei und Brasilien zu.

In Brasilien hat sich Eon an dem Versorger MPX des deutschstämmigen Milliardärs Eike Batista beteiligt. Das Gemeinschaftsunternehmen soll in Brasilien und Chile Kraftwerke mit einer Kapazität von rund 20.000 Megawatt betreiben. Teyssen hatte auch einen Blick auf den indischen Markt geworfen, einen Einstieg dort aber vorerst zu den Akten gelegt.

Strompreiserhöhung? Sonderkündigungsrecht nutzen
Strompreiserhöhung? Sonderkündigungsrecht nutzen
Für Verträge mit dem Energieversorger gelten bestimmte Kündigungsfristen. Bei den Grundversorgern betrage diese Frist zwei Wochen, erläutert Horst-Ulrich Frank von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in Rostock.
Bei anderen Anbietern müssten sich Kunden an die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist halten. Ausnahme: Bei einer Preiserhöhung dürfe der Vertrag in der Regel innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntgabe der Erhöhung gekündigt werden.
Strom- und Gaskunden in Deutschland müssen möglicherweise mit einer zusätzlicher Preiserhöhung rechnen. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hob am Mittwoch (6. Juni) die von der Bundesnetzagentur festgesetzten Entgelte für die Nutzung der Strom- und Gasnetze auf. Die Netzagentur müsse höhere Ansätze berücksichtigen, so die Richter. Diese Kosten können die Unternehmen an die Kunden weiterreichen.
Preissteigerungen müssten die Stromversorger sechs Wochen vorher ankündigen, erklärt Frank. Die Lieferanten müssten nicht begründen, warum sie die Preise anheben – "aber in der Regel wollen sie ja die Schuld von sich weisen", erläutert Frank. So würde oft auf eine Erhöhung der Netzentgelte oder auch höhere Steuern verwiesen.
Allerdings schließen manche Versorger ein Sonderkündigungsrecht aus, wenn Abgaben wie Netzentgelte steigen. Rechtlich sei das aber umstritten, betont Frank.
Denn bei Netzentgelten hätten die Versorger Spielraum. Manche geben höhere Abgaben nicht sofort an ihre Kunden weiter, andere verzichten ganz darauf.
Hier lohne sich ein Blick in die Geschäftsbedingungen, wo das Sonderkündigungsrecht beschrieben wird. (dpa)
Kernkraftwerke in Deutschland: Betrieb, Stilllegung und Abbau
Kernkraftwerke in Deutschland: Betrieb, Stilllegung und Abbau
Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima hat der Bundestag Ende Juni 2011 den Atomausstieg Deutschlands bis zum Jahr 2022 beschlossen.
Das bedeutet, dass alle Kernkraftwerke nach und nach stillgelegt und abgegebaut werden müssen.
Die Demontage kann je nach Methode mehr als zehn Jahre dauern. Eine Übersicht der Atomkraftwerke in Deutschland (ohne Forschungsreaktoren):
In Betrieb:
Zur Zeit arbeiten noch neun Atomkraftwerke, für die aber bereits das Jahr der Abschaltung festgelegt ist:
Grafenrheinfeld (Bayern, 2015)
Gundremmingen B (Bayern, 2017)
Philippsburg 2 (Baden-Württemberg, 2019)
Grohnde (Niedersachsen, 2021)
Brokdorf (Schleswig-Holstein, 2021)
Gundremmingen C (Bayern, 2021)
Isar 2 (Bayern, 2022)
Neckarwestheim 2 (Baden-Württemberg, 2022)
Emsland (Niedersachsen, 2022)
Abgeschaltet:
Acht Meiler wurden 2011 abgeschaltet, aber noch nicht stillgelegt. Theoretisch könnten sie wieder in Betrieb gehen:
Neckarwestheim 1 (Baden-Württemberg)
Philippsburg 1 (Baden-Württemberg)
Isar 1 (Bayern)
Biblis A und B (Hessen)
Unterweser (Niedersachsen)
Brunsbüttel (Schleswig-Holstein)
Krümmel (Schleswig-Holstein)
In Stilllegung:
Bei 16 Kernanlagen ist der Rückbau unumkehrbar im Gange:
Rheinsberg (Brandenburg, außer Betrieb seit 1990, Stilllegung begann 1995)
Eggenstein-Leopoldshafen (2 Anlagen, Baden-Württemberg, außer Betrieb seit 1984/1991, Stilllegung begann 1987/1993)
Obrigheim (Baden-Württemberg, außer Betrieb seit 2005, Stilllegung begann 2008)
Gundremmingen A (Bayern, außer Betrieb seit 1977, Stilllegung begann 1983)
Greifswald (5 Anlagen, Lubmin, Mecklenburg-Vorpommern, außer Betrieb seit 1989/1990, Stilllegung begann 1995)
Lingen (Niedersachsen, außer Betrieb seit 1977, Stilllegung seit 1985/88)
Stade (Niedersachsen, außer Betrieb seit 2003, Stilllegung begann 2005)
Jülich (Nordrhein-Westfalen (außer Betrieb seit 1988, Stilllegung begann 1994)
Hamm-Uentrop (Nordrhein-Westfalen, außer Betrieb seit 1988, Stilllegung begann 1993/97)
Würgassen (Nordrhein-Westfalen, außer Betrieb seit 1994, Stilllegung begann 1997)
Mülheim-Kärlich (Rheinland-Pfalz, außer Betrieb seit 1988, Stilllegung begann 2004)
Abgebaut:
Drei Kraftwerke sind komplett zurückgebaut:
Großwelzheim (Bayern; außer Betrieb seit 1971; Stilllegung und Abbau zwischen 1983 und 1998)
Niederaichbach (Bayern, außer Betrieb seit 1975, Stilllegung und Abbau zwischen 1975 und 1995)
Kahl (Bayern; außer Betrieb seit 1985; Stilllegung und Abbau zwischen 1988 und 2010) (dpa)
(rtr)
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