15.11.12

Kirch vs. Deutsche Bank

Prozess der Kirch-Erben gegen Deutsche Bank wird fortgesetzt

Zehn Jahre nach der Pleite des Konzerns droht dem Bankhaus eine teure Niederlage. Nun geht der Rechtsstreit in die entscheidende Phase.

Foto: dapd
Jürgen Fitschen (l.)
Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen (l.) muss am Freitag persönlich vor dem Oberlandesgericht in München erscheinen

München. Der Rechtsstreit zwischen den Erben von Leo Kirch und der Deutschen Bank geht in die entscheidende Phase. In der Verhandlung am Freitag vor dem Oberlandesgericht München soll zunächst noch einmal der frühere Kirch-Manager Dieter Hahn als Zeuge vernommen werden.

Hahn hatte bereits im Oktober ausgesagt und dabei den damaligen Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer, der ebenfalls beklagt ist, schwer belastet. Er warf Breuer vor, mit seinem Interview Anfang 2002, in dem er die Kreditwürdigkeit Kirchs infrage stellte, Verhandlungen zum Verkauf von Aktienanteilen von ProSiebenSat.1 an den Disney-Konzern torpediert zu haben.

Nach der Aussage Hahns sollen noch einmal alle in dem Verfahren aufgetretenen Fragen erörtert werden. Dann will das Gericht entscheiden, ob und gegebenenfalls wie weiter verhandelt wird. Anders als vom Gericht gewünscht, wird Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen nicht an der Verhandlung teilnehmen. Ihn werden Justiziare der Bank vertreten, die eine Vollmacht haben.

Dass es zu einem Vergleich oder Urteil kommt, erwarten Prozessbeobachter nicht. Möglicherweise wird ein Vergleichsangebot vorgelegt. Diesem müssten aber die Gremien der Deutschen Bank noch zustimmen. Weitere Prozesstermine gibt es bisher nicht.

Aufstieg und Fall des Kirch-Imperiums
Aufstieg und Fall des Kirch-Imperiums – eine Chronologie:
Der Aufstieg des Medienunternehmers Leo Kirch begann 1956 mit Schulden.
Mit geliehenem Geld kaufte er die Rechte für Federico Fellinis Film "La Strada".
In den folgenden Jahrzehnten baute er eines der größten Medienimperien in Europa auf.
2002 endete Kirchs Höhenflug mit weitaus höheren Schulden, unter denen sein kompliziertes Geflecht aus Unternehmen zusammenbrach.
Das Insolvenzverfahren läuft noch immer, und der Streit um die Ursache des Zusammenbruchs beschäftigt nach wie vor die Justiz. Die wichtigsten Stationen im Überblick:
1956: Kirch eröffnet ein Filmhandels-Geschäft und wird zu einem wichtigen Filmlieferanten für ARD und ZDF
1985: Kirch beteiligt sich an der Gründung des ersten Privatsenders Sat.1
1997: Kirchs Sender ProSieben geht an die Börse.
1999: Silvio Berlusconi steigt beim Film- und Sportrechtehandel KirchMedia ein.
2000: Rupert Murdoch steigt bei Kirchs defizitärem Abosender Premiere ein.
Sommer 2001: Kirch kauft die Formel-1-Rechte.
Dezember 2001: Es gibt Spekulationen über akute Geldnöte Kirchs. Murdoch bestreitet Pläne für eine feindliche Übernahme.
Januar 2002: Die Dresdner Bank fordert einen 460-Millionen-Euro-Kredit zurück. Springer will ProSiebenSat.1-Anteile für 770 Millionen Euro zurückgeben. Der Kirch-Konzern beziffert seine Schulden auf 6,1 Milliarden Euro.
Februar 2002: Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer äußert sich öffentlich kritisch zu Kirchs Kreditwürdigkeit. ProSiebenSat.1 meldet einen Gewinneinbruch. Murdoch kündigt seinen Ausstieg bei Premiere an und fordert 1,6 Milliarden Euro zurück.
8. April 2002: KirchMedia meldet Insolvenz an.
2002: Kirch beginnt mit seinen zahlreichen Klagen gegen die Deutsche Bank und Breuer.
14. Juli 2011: Kirch stirbt im Alter von 84 Jahren. Seine Erben setzen die Prozesse fort.
Februar/März 2012: Ein bereits ausgehandelter Vergleich, der die Prozessschlacht zwischen Deutscher Bank und Kirch-Erben für rund 800 Millionen Euro beenden soll, wird von der Deutschen Bank überraschend abgelehnt. Der Rechtsstreit geht weiter. (dapd)
dapd
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