Geldabheben verteuert sich weiter
Geldautomaten: Das kassieren die Banken
Wer fremde Automaten nutzt, zahlt im Schnitt 5,14 Euro. Die Gebühren haben sich innerhalb von drei Jahren um bis zu 85 Prozent erhöht.
Wer Geldautomaten von Instituten nutzt, die nicht zu seiner Hausbank oder Sparkasse zählen, wird in der Regel kräftig zur Kasse gebeten.
Foto: picture-alliance/ ZB/dpa-Zentralbild
Hamburg. Fremdgehen ist teuer. Wer Geldautomaten von Instituten nutzt, die nicht zu seiner Hausbank oder Sparkasse zählen, wird in der Regel kräftig zur Kasse gebeten. "Die Bargeldversorgung an Automaten, die nicht zum Verbund des Instituts gehören, wird immer teurer", sagt Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung, dem Abendblatt. Danach haben sich die Gebühren innerhalb von drei Jahren um bis zu 85 Prozent erhöht. So verteuerte die PSD Bank in Kiel die Gebühren von 3,50 Euro auf 6,50 Euro.
"Im Durchschnitt beträgt die Preissteigerung 17 Prozent", sagt Herbst. 2006 betrug der durchschnittliche Preis für eine Abhebung mit der Maestro-Karte, der früheren EC-Karte, noch 4,38 Euro. Heute, drei Jahre später, werden 5,14 Euro fällig. Die FMH-Finanzberatung fragt jährlich bei 50 Banken und Sparkassen die Mindestgebühren für die Nutzung fremder Automaten ab.
Auch in Hamburg vertretene Banken haben kräftig an der Gebührenschraube
gedreht. So verlangt die Norisbank ein um knapp 60 Prozent höheres Entgelt.
Postbank und Deutsche Bank erhöhten ihre Sätze um 50 beziehungsweise 40
Prozent und verlangen jetzt wie die Norisbank rund sechs Euro, wenn ein
fremder Geldautomat genutzt wird (siehe Tabelle). "Der aktuelle Preis
von 4,95 Euro deckt nicht die Kosten, die uns über die Belastung durch die
Fremdinstitute entstehen", verteidigt Haspa-Sprecher Andre Grunert die
Preispolitik.
So argumentiert auch die Deutsche Bank. "Es bestehe sonst die Gefahr,
dass wir auf den hohen Kosten der anderen Institute sitzen bleiben, sagt
eine Sprecherin des Geldinstituts. "Der geringste Betrag, den wir an
andere Institute für Abhebungen unserer Kunden bezahlen müssen, liegt bei
5,50 Euro", sagt André Kauselmann von der ING-DiBa. Von ihren Kunden
fordert die Bank fünf Euro. Jede Bank kann selbst festlegen, wie viel sie
von einer anderen verlangt, deren Kunde ihren Geldautomaten nutzt. So
erhöhte die PSD Bank in Kiel ihre Gebühren, während sie in Hamburg gesenkt
wurden.
Wie stark die Gebühren gestiegen sind, zeigt sich auch daran, "dass
vor der Euro-Einführung noch vier Mark bei vielen Instituten verlangt wurden",
sagt Frank Pauli von Verbraucherzentrale Bundesverband. Jetzt sind es bei
der Berliner Sparkasse schon 7,50 Euro. Auch wenn sich die Kunden bemühen,
im Inland möglichst nur eigene Automaten zu nutzen, kommen die Verbraucher
im Ausland kaum an einer Fremdnutzung vorbei.
Für den Euro-Raum gilt, dass eine Abhebung im Ausland nicht teurer als im
Inland sein darf. "Wir haben den Eindruck, dass sich die Gebühren auf
dem früheren hohen Auslandsniveau eingependelt haben und nun noch weiter
nach oben geschraubt werden", sagt Pauli. Das belegt auch die Studie
der FMH-Finanzberatung. Inzwischen verlangen 31 von 50 Banken von
Fremdkunden mehr als fünf Euro. 2006 waren es nur zwölf Institute. "Im
Euro-Raum können Haspa-Kunden dafür kostenlos Geld mit der Kreditkarte
abheben", sagt Grunert.
Um die insgesamt 50 300 Geldautomaten in Deutschland ist ein harter Kampf
entbrannt. Viele Direktbanken mit einem kleinen Automatennetz sind dazu
übergegangen, ihren Kunden kostenloses Geldabheben mit der Visa-Kreditkarte
an fast allen Automaten zu ermöglichen.
Durch diesen Trick können die Banken ihre hohen Gebühren nicht durchsetzen,
sondern erhalten nur von Visa ein geringes Entgelt. Bis zu 50 Sparkassen
haben daraufhin Kunden einzelner Direktbanken wie der ING-DiBa oder der
VW-Bank von der Nutzung der Automaten ausgesperrt. "Wir haben ein
Verfahren gegen die Sparkasse Ingolstadt angestrengt, das alle Instanzen
durchlaufen kann", sagt Kauselmann. Auch das Bundeskartellamt
beschäftigt sich nun damit.







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