13.10.12

Altersarmut

Rentner verlieren ein Fünftel ihrer Kaufkraft

Die durchschnittlichen Rentenauszahlungen lagen nach Abzug aller Sozialbeiträge im Westen zuletzt bei 1.062 Euro und im Osten bei 1.047 Euro.

Foto: DPA
Rentner
Rentner verlieren seit Jahrtausendwende ein Fünftel ihrer Kaufkraft

Erfurt/Berlin. Deutsche Rentner haben seit dem Jahr 2000 etwa ein Fünftel ihrer Kaufkraft verloren. In den ostdeutschen Ländern lag der Verlust bei knapp 22 Prozent, im Westen bei 17 Prozent, wie die "Thüringer Allgemeine" (Samstagausgabe) unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag in Erfurt berichtete.

Demnach lagen die durchschnittlichen Rentenauszahlungen nach Abzug aller Sozialbeiträge im Westen zuletzt bei 1.062 Euro und im Osten bei 1.047 Euro. Im Westen stiegen die Beträge seit dem Jahr 2000 um 17 Euro, im Osten sanken sie um 23 Euro. Gleichzeitig stieg im selben Zeitraum der Verbraucherpreisindex um etwa 20 Prozent, was zu einem Kaufkraftverlust von 17 beziehungsweise 22 Prozent führte.

Der Linke-Vorsitzende Bernd Riexinger sagte der Zeitung, die "Abwärtsspirale bei den Renten" müsse gestoppt werden. Vor allem im Osten drohe eine Lawine der Altersarmut.

(dapd)
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Das SPD-Rentenkonzept
  • Solidarrente

    Sie soll nach 30 Beitragsjahren auch nach längerer Arbeitslosigkeit oder Tätigkeit in einem Billigjob einen Mindestanspruch von 850 Euro im Monat garantieren. Für alle, die trotz 30 Beitrags- und 40 Versicherungsjahren nicht auf diesen Betrag kommen, soll im Sozialrecht eine zweite Stufe der Grundsicherung eingeführt werden.

  • Rentenzugang

    Wer 45 Versicherungsjahre – nicht Beitragsjahre – aufweist, soll auch schon vor dem 65. Lebensjahr ohne Einbußen in Rente gehen können. Bislang erhalten Beschäftigte nur dann die volle Rente, wenn sie 45 Jahre in die Versicherung eingezahlt haben und 65 Jahre alt sind.

  • Erwerbsminderungsrente

    Bezieher sollen keine Abschläge mehr hinnehmen. Bislang wird der Betroffene dabei so gestellt, als habe er bis zum 60. Lebensjahr weiter Beiträge zur Rente gezahlt. Die Zeit zwischen Eintritt der Erwerbsminderung und dem 60. Lebensjahr wird „Zurechnungszeit“ genannt. Diese Zeit will die SPD in einem Schritt bis zum 62. Lebensjahr verlängern. Zudem soll die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren für den Eintritt in die Erwerbsminderung besser bewertet werden.

  • Teilrente

    Beschäftigte in körperlich und psychisch belastenden Berufen (etwa Schichtarbeiter) sollen ab dem 60. Lebensjahr auf das neue Modell zurückgreifen können. In Zehn-Prozent-Schritten kann danach die Arbeit bis zu 70 Prozent reduziert werden.

  • Kindererziehungszeiten

    Ihre Anerkennung will die SPD für alle Neurentner vereinheitlichen. Bislang sind Frauen, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, bei der Rentenberechnung schlechter gestellt.

  • Solo-Selbstständige

    Für Freiberufler, die ohne Rentenvorsorge sind und deshalb häufig in Altersarmut landen, soll es ein eigenes Beitragssystem geben. In den ersten Jahren nach Gründung eines Unternehmens könnte für sie Beitragsfreiheit gelten.

  • Betriebliche Altersvorsorge

    Sie soll als Ausgleich für die Absenkung des Rentenniveaus – von jetzt gut 50 auf 43 Prozent bis

    2030 – massiv ausgebaut werden. Als „zweite Stufe“ neben der Rentenversicherung soll sie weitgehend die Riester-Rente ersetzen. Geplant ist eine „Betriebsrente Plus“, in der jeder Arbeitnehmer, falls er nicht ausdrücklich widerspricht, zwei Prozent seines Bruttolohns einzahlt. Der Staat soll diesen Sockelbetrag mit 400 Euro im Jahr fördern. Auch die Unternehmen sollen sich beteiligen.

  • Finanzierung

    Die Mehrkosten für die Betriebsrenten gegenüber heutigen Fördermodellen werden auf sechs Milliarden Euro im Jahr geschätzt. Sie sollten nach SPD-Ansicht aus Steuermitteln aufgebracht werden. Für die Solidarrente werden jährlich ansteigend etwa eine Milliarde veranschlagt, für die Kindererziehungszeiten 150 Millionen im Jahr. Beides soll durch Haushaltsmittel finanziert werden.

    Teuer käme auch die Ausweitung der Erwerbsminderungsrente. Die Kosten dafür stiegen nach SPD-Berechnungen von 500 Millionen 2014 auf 7,7 Milliarden 2030. Finanziert werden soll dies aus den Beiträgen der Versicherten.

  • Beiträge

    Ihren Anstieg will die SPD in kleinen Schritten verstetigen. Die Sätze sollen von 2014 bis 2029 um durchschnittlich

    0,4 Prozent höher steigen als bislang geplant. Damit würde aber das von der Rentenversicherung angepeilte Beitragsniveau von 22 Prozent bis 2029 nicht übersprungen. 

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