Verhandlungen
Gegenwind für Fusion von EADS und BAE wird stärker
Fusion des europäischen Luftfahrtkonzerns mit britischem Rüstungshersteller droht zu scheitern. Bundesregierung hält sich bedeckt.
Berlin/München. Auch die Aktionäre machen nun gegen die geplante Fusion des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS mit dem britischen Rüstungshersteller BAE Systems mobil. Der französische EADS-Großanteilseigner Arnaud Lagardère äußerte massive Bedenken: "Lagardère hält die Bedingungen der Fusion zu diesem Zeitpunkt für nicht zufriedenstellend", teilte der Konzern am Montag in Paris mit.
Das Unternehmen forderte die EADS-Führungsspitze auf, nachzubessern und bei dem Projekt die Interessen der französischen Aktionäre stärker zu berücksichtigen. Lagardère hält zusammen mit der französischen Staatsholding Sogepa gut 22 Prozent der EADS-Aktien.
Der zweite industrielle Großaktionär Daimler ist unglücklich über den Wertverfall der EADS-Aktie um rund 10 Prozent seit Bekanntwerden der Fusionspläne. Daimler habe Interesse an der "Werthaltigkeit seines Aktienbesitzes", sagte Konzernchef Dieter Zetsche laut "Welt am Sonntag". Daimler vertritt ebenfalls gut 22 Prozent der Stimmrechte. Deutschland plant, über die staatseigene KfW-Bank EADS-Aktien vom bisherigen Besitzer Daimler zu kaufen.
Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass EADS-Chef Tom Enders sein Unternehmen mit dem deutlich kleineren britischen Rüstungskonzern zusammenführen will. Laut Enders ergänzen sich Flugzeugbau und Rüstungsgeschäft. EADS und BAE stehen beide stark unter dem Einfluss der Regierungen.
Auch in der Bundesregierung gibt es Widerstände gegen das Geschäft. Grund dafür sind laut "Süddeutscher Zeitung" (Montagausgabe) Unstimmigkeiten über die Beteiligung von Deutschland und Frankreich an dem künftigen Gemeinschaftskonzern.
Bundesregierung äußert sich nicht zum Stand der Verhandlungen
In einem gemeinsamen Gastbeitrag für die "Süddeutsche" sprachen sich Enders und BAE-Chef Ian King dagegen dafür aus, dass die bisherigen EADS-Großaktionäre – der Daimler-Konzern und die Gruppe Lagardère – ihre gemeinsame Kontrolle über den Konzern aufgeben: "Wir schlagen vor, die Shareholder-Verträge, die derzeit Daimler, Lagardère und dem französischen Staat die gemeinsame Kontrolle über EADS ermöglichen, aufzuheben", schreiben die beiden Manager.
Mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte sich am Wochenende erstmals ein Mitglied der Bundesregierung öffentlich zu den Bedingungen für eine Fusion geäußert – und neben dem deutsch-französischen Gleichgewicht im Konzern weitere Forderungen gestellt. So forderte Rösler, dass im neuen Konzern "die beteiligten Länder ihre jeweiligen Standortstärken einbringen können".
Zudem pochte der Vizekanzler darauf, dass Deutschland berücksichtigt wird, wenn über die Sitze der Machtzentren im Unternehmen entschieden wird. Derzeit kursieren Befürchtungen, dass bei einer Fusion die zivile Luftfahrt am Airbus-Hauptsitz Toulouse konzentriert wird, während das Militärgeschäft nach London gehen könnte.
Die Bundesregierung wollte sich am Montag zu Medienberichten über eine angebliche Einigung nicht äußern. Regierungssprecher Steffen Seibert antwortete auf die Frage, ob er das Wort Einigung kommentieren wolle, mit "Nein". Er fügte hinzu: "Die Bundesregierung steht mit allen Beteiligten in dieser Frage in sehr engem Kontakt." Auch die britische Regierung gelte "in diesem Sinne als Beteiligte".
Die CSU fordert im Fall einer Fusion, dass das Hauptquartier des künftigen Konzerns in München angesiedelt wird. Das müsse "unverhandelbar" sein, zitiert der "Münchner Merkur" (Dienstagausgabe) aus einer Vorlage mehrerer CSU-Wirtschafts- und Verteidigungspolitiker aus Bund und Land an Parteichef Horst Seehofer. Das Hauptquartier müsse zwingend der Ort strategischer Unternehmensentscheidungen sein und sämtliche Zentralfunktionen wie Einkauf und Forschung umfassen.
















