28.09.12

Finanzkrise

Stresstest: Spanische Banken benötigen 59,3 Milliarden Euro

Die spanischen Banken benötigen rund 60 Milliarden Euro, um die Folgen der Finanzkrise zu meistern. Das ergab der Stresstest in Madrid.

Foto: DPA
Spanische Flagge
Die spanischen Banken brauchen 60 Milliarden Euro, um die Folgen der Finanzkrise zu meistern

Madrid. Für den angeschlagenen spanischen Bankensektor werden 59,3 Milliarden Euro benötigt, um die Folgen der Finanzkrise zu bewältigen. Das ergab ein von der spanischen Regierung sowie der Zentralbank in Auftrag gegebener Stresstest der Rechnungsprüfer von Oliver Wyman, der am Freitagabend in Madrid vorgestellt wurde. Die Europäische Kommission begrüßte das Ergebnis der unabhängigen Überprüfung. Die Kapitalzufuhr sei ein entscheidender Schritt zur Stärkung und Gesundung der spanischen Banken, erklärte die EU-Kommission in Brüssel.

"Ich bin beruhigt, dass der tatsächliche Kapitalbedarf des spanischen Bankensektors bei etwas weniger als 60 Milliarden Euro liegt", teilte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker in einer Stellungnahme mit. Damit habe sich gezeigt, dass die von der Eurogruppe im Juli zugesagten 100 Milliarden Euro zur Sanierung der spanischen Banken ausreichten.

Bei dem Test hätten rund 400 Rechnungsprüfer 14 Institute unter die Lupe genommen, die etwa 90 Prozent des spanischen Bankensektors bildeten, sagte der stellvertretende Gouverneur der Zentralbank, Fernando Restoy. Man habe die härtesten jemals durchgeführten Tests gewollt, sagte Restoy bei einer Pressekonferenz.

Nicht berücksichtigt bei den nun veröffentlichten Zahlen sind die Auswirkungen von laufenden Bankenfusionen oder der Steuerveranlagung. Werden sie mit eingerechnet, sinkt der Fehlbetrag auf 53,7 Milliarden Euro.

Lagarde begrüßt Pläne der spanischen Regierung

Der Test sei unter Mitarbeit von EZB-Experten streng und gründlich durchgeführt worden, hieß es am Freitagabend in einer Stellungnahme der Europäischen Zentralbank aus Frankfurt am Main. Die EZB schrieb, sie unterstütze "die Pläne der spanischen Behörden, sicherzustellen, dass dem Geldbedarf rechtzeitig entsprochen werden kann".

Auch die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, begrüßte den Abschluss des Bankenstresstests in Spanien. "Diese sorgfältige und transparente unabhängige Bewertung des Eigenkapitals und der strenge Stresstest werden dazu beitragen, wesentliche und nützliche Differenzierungen bei den Finanzinstitutionen vorzunehmen", sagte die IWF-Chefin. Die staatlichen Hilfen für die Geldhäuser, die vermutlich in geringerem Maße notwendig würden als im Stresstest kalkuliert, könnten durch das von den europäischen Partnern unterstützte Programm Spaniens zur Rekapitalisierung der Geldhäuser finanziert werden, fuhr sie fort. Lagarde begrüßte die "Pläne der spanischen Regierung, sicherzustellen, dass dem Geldbedarf rechtzeitig entsprochen werden kann".

Die spanischen Banken sitzen auf faulen Krediten von schätzungsweise 176 Milliarden Euro, die durch den Zusammenbruch des spanischen Immobilienmarkts 2008 und andere fehlgeschlagene Investitionen angehäuft wurden.

Erst am Vortag hatte die Regierung in Madrid für 2013 ihre bisher einschneidendsten Kürzungen sowie neue Sparmaßnahmen zur Bewältigung der Krise angekündigt. Der Haushaltsentwurf sehe im kommenden Jahr Einsparungen von 40 Milliarden Euro vor, sagte Finanzminister Cristóbal Montoro am Donnerstag in Madrid. Die einzelnen Ministerien müssten im Schnitt 8,9 Prozent einsparen, fügte er hinzu. "Das ist ein Haushalt in Zeiten der Krise, aber einer, mit dem wir aus der Krise rauskommen", erklärte Vizepräsidentin und Regierungssprecherin Soraya Saénz de Santamaría.

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Arbeitsmarkt:
Die Arbeitslosenquote beträgt laut Statistikbehörde 24,4 Prozent und befindet sich auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. Insgesamt sind in Spanien 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist ein Riesenproblem.
Die europäische Statistikbehörde Eurostat berichtete unlängst, die Quote der Jugendarbeitslosigkeit sei in Spanien mit einem Wert von 50,5 Prozent am höchsten. Zum Vergleich: Mit 8,2 Prozent hatte Deutschland die niedrigste Quote.
Immobilienmarkt:
In der Vor-Krisenzeit lockte die Kombination aus hohem Wirtschaftswachstum und niedrigem Zinsniveau die Spanier an den Immobilienmarkt. Viele legten sich eine zweite, dritte oder gar vierte Wohnung zu. Doch der Boom war größtenteils auf Pump finanziert.
Nachdem auch internationale Anleger wie Pensions- und Investmentfonds in großem Stil einstiegen, wurden Immobilien rasch zu Spekulationsobjekten. Die Finanzkrise 2008 bereitete dem ein jähes Ende: Die spanischen Banken – anfangs noch gelobt wegen ihrer Zurückhaltung bei Schrottpapieren – gerieten in den Krisenstrudel und wurden Opfer der lockeren Kreditvergabe.
Bankenkrise:
Die Lage am Immobilienmarkt schlägt voll auf den Bankensektor durch: Die Großbanken Santander und BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) verzeichneten wegen der Vorsorge für faule Immobilienkredite Gewinnrückgänge.
Spaniens Regierung hatte höhere Rücklagen der Banken angesichts der kriselnden Wirtschaft verlangt. Anderen Geldhäusern erging es noch schlechter: Die Großbank Bankia will vom Staat mehr als 23 Milliarden Euro für ihre Sanierung.
Haushaltslage:
In der Eurozone war Spanien 2011 mit einem Fehlbetrag von 8,9 Prozent der drittgrößte Haushaltssünder. Das Haushaltsloch war zwar kleiner als 2010 (9,3 Prozent), aber deutlich höher als angestrebt. Die spanische Wirtschaft stürzte zudem zu Jahresbeginn in die Rezession.
Mit drastischen Sparmaßnahmen und weitreichenden Reformen versucht die Regierung des konservativen Regierungschefs Mariano Rajoy gegenzusteuern. Ursprünglich sollte das Defizit schon 2013 wieder unter die erlaubten 3 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken, nun soll Spanien dafür ein Jahr länger Zeit bekommen. (dpa)
dapd
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