Familienfirmen wachsen schneller als Kapitalgesellschaften

Stuttgart. Von den 100 größten Firmen Deutschlands befinden sich immer mehr in der Hand von Unternehmerfamilien. Das geht aus einer gestern veröffentlichten Analyse des Stuttgarter Instituts für Familienunternehmen (IFF) hervor. Damit bestätigt sich trotz der spektakulären Schlecker-Pleite ein langjähriger Trend, wonach die deutschen Firmen dieses Typs überdurchschnittlich erfolgreich agieren.

Nach der Untersuchung gelten 51 der 100 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands als Familienfirmen, werden also ganz oder zum überwiegenden Teil von großen Clans kontrolliert. Von den rund 2058 Milliarden Euro Umsatz der Top 100 erwirtschafteten sie 915 Milliarden (44,4 Prozent). Zu den großen Familienfirmen zählen etwa Volkswagen (über die Clans Porsche und Piëch), BMW (Familie Quandt), Aldi, Schaeffler/Continental oder Haniel.

Die großen Familienunternehmen hatten in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer eine derart starke Position. 2005 beispielsweise ermittelte die Intes Akademie für Familienunternehmen bei einer ähnlichen Analyse eine Quote von einem Drittel Familienunternehmen unter den Top 100.

Ein Bündel von Ursachen ist für die starke Entwicklung der eigentümerdominierten Unternehmen laut dem IFF-Vorsitzenden Mark Binz verantwortlich: "Viele Familienunternehmen haben sich über die vergangenen Jahre exzellent entwickelt und damit in dem Ranking Firmen mit anderer Eigentümerstruktur verdrängt." So lag der Edelmetallkonzern Heraeus 2007 noch bei zwölf Milliarden Euro Umsatz, 2011 aber schon bei 26 Milliarden Euro. Der Hamburger Ölhändler Marquard & Bahls wuchs im selben Zeitraum von elf auf 17,3 Milliarden Euro.

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