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Wirtschaft

Arbeitslosigkeit im Juni

Handelsmetropole Hamburg auf ungewissem Kurs

Deutschlands Handelsdrehscheibe Nummer 1 ist konjunkturell auf schwierigem Kurs. Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen deuten an, wohin die Reise geht. Ein Ausblick.

Blick auf den Burchardkai im Hamburger Hafen: Die romantische Stimmung trügt, die Containerterminals sind fast leer.
Foto: DPA

Hamburg. Die Hansestadt Hamburg, Deutschlands Handelsdrehscheibe Nummer 1, ist konjunkturell auf schwierigem Kurs. Im erfolgsverwöhnten Hafen bleiben Schiffe mit Waren aus aller Welt aus, die Traummarke in der Containerabwicklung von 10 Millionen (TEU) wurde schon im Abschwungjahr 2008 – wenn auch nur knapp – verpasst.

Produktionsbetriebe drosseln ihre Fertigung, Dienstleister stöhnen über ausbleibende Aufträge, Medien beklagen Anzeigeneinbrüche und Tourismusbetriebe warten auf Gäste aus dem In- und Ausland. Die Elbmetropole ist in den Sog der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise geraten.

Zehn Prozent mehr Arbeitslose als vor einem Jahr

Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen deuten an, wohin die Reise geht: Um fast zehn Prozent legte die Zahl der arbeitslosen Hamburger im Juni verglichen mit dem Vorjahresmonat zu – mehr als 78 000 Menschen sind aktuell ohne Job. „Besonders Männer sind überproportional betroffen“, berichtete der Hamburger Chef der Agentur für Arbeit, Rolf Steil.

Das produzierende Gewerbe sei von den wirtschaftlichen Problemen stärker betroffen als die Dienstleistungsbranche, sagte Steil. Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,5 Prozent und damit über Bundesniveau von 8,1 Prozent.

 

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Es könnte am Arbeitsmarkt noch härter werden, wenn die Prognosen des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) eintreffen. Um 7,0 Prozent wird nach jüngster HWWI-Berechnung das Bruttoinlandsprodukt der Hansestadt in diesem Jahr absacken und damit noch kräftiger als im Bund (minus 5,8 Prozent). Ein solcher Rückschlag werde nicht mehr allein durch die Ausweitung der Kurzarbeit aufzufangen sein, schreiben die Ökonomen.

„Es wird auch in Hamburg vermehrt zu Entlassungen kommen.“ Aufgrund der Anmeldungen rechnet die Hamburger Arbeitsagentur damit, dass in der Rezession bis zu 33 000 Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen sein können. Aktuell arbeiten 4600 Beschäftigte weniger als vertraglich vorgesehen.

"Jeder Euro wird konsumiert"

Um die Langzeitfolgen eines Arbeitsplatzabbaus abzufedern, fordert der Sozialverband (SoVD) in Hamburg, die Hartz-IV-Sätze und die Sozialhilfe sofort auf 450 Euro anzuheben. „Jeder Euro wird von den Betroffenen sofort konsumiert“, beteuert der SoVD. Noch läuft der private Konsum halbwegs rund, ein bis zwei Prozent weniger Umsatz erwartet der Einzelhandelsverband bis Jahresende.

„Je länger die Krise andauert und je stärker sie auf den Arbeitsmarkt durchschlägt, desto zurückhaltender werden aber die Verbraucher bei ihren Kaufentscheidungen“, schreiben die HWWI- Experten Michael Bräuninger und Eckhardt Wohlers schonungslos. Für die Einzelhändler ist bei stagnierenden Preise der Renditedruck gestiegen, der Verband befürchtet Geschäftsaufgaben und die Karstadt-Misere ist für den Arbeitsmarkt noch nicht ausgestanden. Rund 2800 Mitarbeiter hat der Warenhausriese allein in Hamburg.

„Die Binnenwirtschaftskräfte müssen in Gang kommen, damit die ausfallenden Exporte einen Gegenpol erhalten und mehr Stabilität eintritt“, appelliert der Sozialverband und hofft darauf, dass die Konjunkturprogramme schnell umgesetzt werden.

Von 307 Millionen Euro, die von Stadt und Bund bereitgestellt wurden, sind nach Angaben der Wirtschaftsbehörde zwei Drittel per Auftrag vergeben. Die Investitionen in Bildung und Infrastruktur sollen Impulse für die lokale Wirtschaft auslösen, vor allem die Bauwirtschaft dürfte konjunkturell mit einem blauen Auge davongekommen.

Ihre volle Wirkung werden diese Programme in Deutschland nach Erwartung der Ökonomen erst 2010 entfalten. Gemeinsam mit den Wiederbelebungsmaßnahmen in anderen Ländern soll sich die weltweite Konjunktur im zweiten Halbjahr 2009 stabilisieren und es im Jahresverlauf 2010 zu einer allmählichen Erholung kommen – auch in Hamburg.

Eine Wende auf dem hanseatischen Arbeitsmarkt sei jedoch frühestens gegen Ende nächsten Jahres zu erwarten, meinen die HWWI- Experten und schränken gleichwohl ein: „Bei alledem gibt es aber erhebliche Risiken“. Schließlich sei immer noch nicht abzusehen, ob die internationale Finanzkrise bald überwunden sein wird.

 

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