Espresso auf Knopfdruck boomt

Kaffeemaschinen: Der Trend geht zu Pads, Kapseln und Vollautomaten. Hersteller und Händler mit zweistelligen Zuwachsraten. Branche rechnet auch 2006 mit Wachstum.

Hamburg. Geht es um Elektronik, dann wünschen sich die Deutschen zum diesjährigen Fest wenig Überraschendes. Zumindest auf den ersten beiden Plätzen. Dort stehen laut Umfrage DVD-Rekorder und Handys. Doch was auf Rang drei folgt, dürfte schon eher für Erstaunen sorgen. Denn dort steht eine Kaffeemaschine, berichtet die Fachhandelsorganisation Electronic Partner. Eine Kaffeemaschine haben zwar schon 95 Prozent zu Hause, sagen die Marktforscher. Aber offenbar hat der klassische Filterautomat von Melitta oder Krups vielerorts ausgedient. Denn der Trend geht zum Zweitgerät, genauer zum Kaffeeautomaten mit Pad- oder Kapselsystem für Einzelportionen. Zum Siebträgergerät à la Italia. Und zum sogenannten Kaffeevollautomaten. Einige der neuen Geräte hat die Stiftung Warentest jetzt unter die Lupe genommen (siehe Tabelle).

"Mit einem Finger zum Genuß", oder: "Pronto Cappuccino". Mit diesen Slogans wirbt etwa der italienische Gerätehersteller DeLonghi - mit Erfolg: "Wir haben unseren Umsatz in den vergangenen drei Jahren verdoppelt", sagt DeLonghi-Deutschland-Chef Helmut Geltner dem Abendblatt. Der Schweizer Hersteller Jura, Marktführer vor Saeco und DeLonghi bei den bis zu 2000 Euro teuren Kaffeevollautomaten, berichtet sogar von einer Verzwanzigfachung der Umsätze in elf Jahren. Auch Siemens, AEG und Krups profitieren vom "Kaffee-Hype", genau wie der Erfinder von Pad-Automaten Philips (Senseo) oder der Kaffeeröster Tchibo mit seinem kleinen Alleskönner Cafissimo.

Die Branche lebt gut vom Trend zum schwarzen Gold: "Der Absatz von Kaffee- und Espressomaschinen ist geradezu explodiert. Wir gehen von einem Wachstum um die 20 Prozent für dieses Jahr aus", sagt Rudolf Schulte, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbandes Elektro-Haushalt-Kleingeräte, dem Abendblatt. Der Elektronikverband schätzt den Umsatz für 2005 auf gut 585 Millionen Euro. Auch beim Händlernetzwerk Elektronic Partner (EP) mit seinen europaweit 6000 Läden ist man bester Stimmung. "Der Markt bereitet uns viel Freude. Und er wird auch 2006 wieder zweistellig wachsen", sagt EP-Sprecherin Sonja Steves dem Abendblatt.

Warum aber sind die Kunden bereit, im Schnitt 600 Euro für einen Kaffeevollautomaten auszugeben, wenn es die klassische Filterkaffeemaschine schon für fünf Euro im Baumarkt gibt? "Dahinter steckt der Lifestyle-Gedanke", sagt DeLonghi-Chef Geltner. "Man lädt Gäste ein, kocht zusammen - und gönnt sich einen guten Espresso." Ein Trend, der beim Deutschen Kaffeeverband gerne gesehen wird. "Angefangen hat es mit den Coffee-Shops, mit den vielen Kaffeevarianten", sagt Verbandsgeschäftsführer Winfried Tigges dem Abendblatt. Auf diese Vielfalt von Cappuccino bis Caffè Latte hätten die Gerätehersteller reagiert. 350 Millionen Tassen seien allein 2004 mit Hilfe von Kaffeepads und Kapseln gebrüht worden. "Dieses Jahr werden es mindestens 50 Prozent mehr sein", sagt Tigges.

Auch, weil mittlerweile die Lebensmitteldiscounter auf den Zug aufgesprungen sind. Und Anbieter wie der Kaffeeröster Tchibo kurbeln den Umsatz weiter an. "Mit unseren Cafissimo-Geräten haben wir den Nerv der Zeit getroffen, denn der Trend geht zu den Kaffeespezialitäten", sagt Tchibo-Sprecherin Stefanie von Carlsburg. "Die Kunden schätzen das Bequeme, das Praktische, eben den Kaffee auf Knopfdruck." Allerdings: Noch findet gerade Mal ein Prozent des Kaffees in Form von Pads und Kapseln Verwendung.

Wieviel Potential im Markt steckt - gerade bei den hochpreisigen Kaffeevollautomaten, mit denen man unabhängig von Kapseln und Pads Kaffee jeder Art mahlen und aufbrühen kann - zeigt das Beispiel Schweiz. In der Alpenrepublik verfügen bereits zwei von drei Haushalten über ein solches Gerät. In Deutschland sind es gerade Mal sieben Prozent.

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